Wenn Andrea Sammarone zu arbeiten beginnt, dann riecht das ein ganzes Viertel. Der Duft von frisch geröstetem Kaffee steigt aus dem kleinen Ladenlokal, das die Familie bereits in dritter Generation im römischen Stadtteil Montesacro betreibt: Die kleine, feine Kaffeerösterei setzt auf "unbehandelten Kaffee, ohne Zusatzstoffe", sagt Sammarone und legt Wert auf den Unterschied zu den großen Herstellern: "Unser Kaffee ist immer frisch. Ich röste alle 10 Tage." Qualität, die ihren Preis hat. In der Rösterei hängt noch die vier Jahre alte Liste: 2,30 Euro für hundert Gramm Arabica-Kaffee. Vorne im Laden sind die neuen Preise angeschlagen: 3,50 Euro für dieselbe Mischung – ob gemahlen oder als Bohnen.
Kaffeepreise im Welthandel gestiegen
Die Energiekosten sind gestiegen, die Löhne auch. Größter Preistreiber aber ist der Weltmarkt für Kaffee. Rohe "Arabica"- oder "Robusta"-Bohnen werden zu ständig neuen Höchstpreisen gehandelt. Der Börsenpreis für Rohkaffee hat seit 2020 um 247 Prozent zugenommen und damit den höchsten Stand seit 1977 erreicht.
Ein Grund: der Klimawandel. Wetterextreme in den Anbauländern – wie Dürren oder Überschwemmungen – reduzieren die Ernteerträge. "In ganz Südamerika ändern sich die Temperaturen, und deshalb fällt es immer schwerer, Kaffee anzubauen – im Vergleich zur Menge, die früher produziert wurde", sagt Sammarone. Außerdem habe sich die weltweite Nachfrage seit zehn Jahren deutlich erhöht.
Lange durfte ein Espresso nicht mehr als einen Euro kosten
Auch in der Bar, die direkt an die Kaffeerösterei angeschlossen ist, macht sich der Preisanstieg bemerkbar. "Ich erinnere mich an Zeiten, als der caffè noch 300 Lire kostete", sagt Barista Francesco Bertini. Dann galt lange: Mehr als einen Euro darf eine Tasse Espresso nicht kosten. Diese Schallmauer ist schon lange gefallen. "Seit einem Jahr kostet er 1,20 Euro, und ich denke, dass wir bald bei 1,50 Euro landen werden."
Diese Preise zahlt man bereits im Norden Italiens. Auch hier gibt es (wie in fast allen Lebensbereichen) ein Nord-Süd-Gefälle. In Sizilien oder Kalabrien findet man mit etwas Glück noch Bars, die den Espresso für weniger als einen Euro anbieten. Ganz im Norden, in Bozen, kostet die Tasse Espresso im Schnitt 1,43 Euro.
Italienische Kaffeekultur
Natürlich: Der Espresso an der Bar ist in Italien immer noch konkurrenzlos günstig. Zu günstig, findet auch Barista Bertini, wenn schon ein industriell hergestellter Fruchtsaft drei Euro koste. Einen guten Espresso zu produzieren, sei richtige Handarbeit: die Röstung, die Zubereitung.
Unbezahlbar: die Kaffeekultur. Die sieht Bertini durch die Preiserhöhung gefährdet. "Wir könnten viel verlieren, weil unsere Bars eine große Kultur und Tradition haben." In einer Kaffeebar gehe es eben um mehr als nur den Konsum von Kaffee, schwärmt Francesco: "Es geht um zwischenmenschlichen Austausch."
Illy-Chefin bereitet Kunden auf zwei Euro pro Tasse vor
Mehr als sieben Milliarden Euro geben Italienerinnen und Italiener im Jahr für Espresso oder Cappuccino aus. Am liebsten im Stehen an der Bar. "Mein tägliches Ritual", sagt Kunde Marco Castelnuovo. Der Kaffee an der Bar schmecke schließlich ganz anders als der zu Hause. In der Bar Bertini hat der Preisanstieg noch keine gravierenden Auswirkungen auf das Konsumverhalten. Das könnte sich ändern, wenn die Kaffeepreise weiter steigen.
Cristina Scocchia, Chefin von Illy, einem großen italienischen Hersteller, bereitet die Kunden bereits auf den nächsten Anstieg vor. Der Preis für eine Tasse caffé werde "in den kommenden Monaten schätzungsweise zwei Euro erreichen, da der Preis für den Rohstoff Rohkaffee von einer hohen Volatilität und einem noch nie dagewesenen Aufwärtstrend betroffen ist".
Dieser Artikel ist erstmals am 1.4.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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