Schrauben und Bohrer liegen bereit – nur Verkaufspersonal gibt es in diesem Baumarkt nicht. In der Oettinger Innenstadt hat der Baufachmarkt BGU aus Ansbach und Weißenburg einen Ableger, das "Versorgungswerk", eröffnet. Laut Unternehmen ist es der erste personallose Baumarkt in Bayern. Gemeint ist allerdings kein großer Baumarkt mit Vollsortiment, sondern ein rund 150 Quadratmeter großer Selbstbedienungsladen für kleinere Heimwerkerartikel, Reparaturen und spontane Besorgungen.
Zutritt mit Personalausweis
Vieles ist gleich wie bei anderen sogenannten "Smart Stores": Die Kunden ziehen am Eingang ihren Personalausweis durch ein Lesegerät und bekommen so Zutritt zum Laden. Danach stöbern sie durch das Sortiment und bezahlen selbstständig an einer Selbstbedienungskasse. Per Türöffner geht es danach wieder hinaus.
Personal für diesen Standort sei schwer zu finden und würde sich laut Geschäftsführer Daniel Stiegler nicht rechnen, denn in den vergangenen Jahren seien die Personalkosten gestiegen und die Umsätze gesunken.
Im Sortiment finden sich vor allem Produkte für kleinere Arbeiten: Sicherungen, Lampen, Bohrer, Farben, Besen, Werkzeug und Elektroartikel. Auch Gartenbedarf und saisonale Waren sollen angeboten werden, so Stiegler: "Im Sommer haben wir Wasserspritzpistolen, kleine Minipools oder Poolchemie. Im Winter gibt es Salz". Doch das Ganze hat auch Einschränkungen: Es werden keine Großprodukte angeboten, die eine Beratung benötigen, wie beispielsweise Terrassenplatten, Fliesen oder große Holzteile. Für solche Produkte, Farbmischungen oder ausführliche Beratung müssen Kundinnen und Kunden weiterhin einen regulären Baumarkt besuchen.
Hilfe auf Knopfdruck aus Ansbach
Eine persönliche Beratung im Laden gibt es nicht. An der Kasse befindet sich allerdings ein Infoknopf, über den während der Servicezeiten Kontakt zur BGU-Zentrale in Ansbach hergestellt werden kann. Per Freisprechanlage können die dortigen Mitarbeiter aushelfen.
Im Idealfall kommen die Kunden aber ohne Hilfe zurecht – das Sortiment wurde laut Stiegler so gewählt, dass nicht wegen jeder Kleinigkeit in den nächsten Ort gefahren werden muss: "Das sind einfach Produkte, bei denen ich sage, das geht mir aus. Das Projekt muss fertig werden dieses Wochenende und deswegen kauf' ich hier noch die kleine Menge, dann ist das Projekt beendet."
Lebensmittelbereich im Baumarkt
Die Kunden können jedoch nicht nur Baumarktartikel kaufen. Im vorderen Ladenbereich werden zusätzlich Lebensmittel angeboten: von Müsli über Fertigterrinen und Getränke bis hin zu Tiefkühlprodukten. Damit solle die Nahversorgung in Oettingen unterstützt werden, so Stiegler: "Es gibt Milch, es gibt Butter. Das gilt sowohl für die Leute, die hier wohnen, als auch für die Leute, die vielleicht drüben auf dem Wohnmobilstellplatz sind, die um 21 Uhr ankommen und alles in Oettingen geschlossen hat. Die können dann noch eine Packung Nudeln an der Wörnitz essen."
Ladenschlussgesetz blockiert 24/7 Betrieb
Doch obwohl der Laden ohne Personal betrieben wird – rund um die Uhr darf er dennoch nicht geöffnet sein. Da muss sich der Geschäftsführer an das bayerische Ladenschlussgesetz halten, das besagt: nur von Montag bis Samstag, von 6 bis 20 Uhr.
Das ärgert Stiegler: "In der Coronazeit waren wir systemrelevant." Der Lebensmittelbereich hat hingegen rund um die Uhr geöffnet. Ein Rollladen teilt automatisch um 20 Uhr die zwei Bereiche.
Hoffnung auf Belebung der Innenstadt
Die Stadt verbindet mit dem neuen Baumarkt auch die Hoffnung, einen weiteren Leerstand in der Innenstadt zu beheben. Bürgermeister Thomas Heydecker (SPD) betont, dass die Stadt leerstehende Ladenflächen möglichst wieder gewerblich nutzen möchte: "Unser Ziel ist es nicht, dass dann überall in diese ehemaligen Ladengeschäfte mal Wohnraum reinkommt. Deswegen ist es umso schöner, dass jetzt hier auch tatsächlich wieder ein Laden entsteht."
Auch mehrere Oettingerinnen und Oettinger begrüßen das Angebot. Bislang mussten sie für viele Baumarktartikel etwa ins circa 16 Kilometer entfernte Nördlingen fahren. Ob das personallose Konzept dauerhaft angenommen wird, hängt nun davon ab, wie viele Menschen in Zukunft im "Versorgungswerk" einkaufen werden.
Dieser Artikel ist erstmals am 5.8.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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