Der "Baierner Flecken" im Donaumoos wurde wiedervernässt.
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2000 Hektar des Donaumooses sollen für den Klimaschutz wiedervernässt werden.
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2000 Hektar des Donaumooses sollen für den Klimaschutz wiedervernässt werden.

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Söder und die Donaumoos-Sanierung: Was hat sich bisher getan?

Söder und die Donaumoos-Sanierung: Was hat sich bisher getan?

2021 kündigte Ministerpräsident Markus Söder 200 Millionen Euro für die Wiedervernässung des Donaumooses in zehn Jahren an. Zur Halbzeit konnte in Südbayerns größtem Niedermoor jedoch nur ein Bruchteil der notwendigen Flächen gekauft werden.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Der große Wurf ist bislang ausgeblieben – da sind sich Befürworter und Gegner der Donaumoos-Wiedervernässung einig. Die Landschaft hat sich nicht gravierend verändert seit dem Auftritt von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor fünf Jahren. An einem windigen Frühlingstag im Mai 2021 kam Söder gemeinsam mit Umweltminister Thorsten Glauber (FW), Landwirtschaftsministern Michaela Kaniber (CSU) sowie Vertretern vom Bauernverband und aus dem Naturschutz auf den sogenannten "Moosberg" im Donaumoos.

200 Millionen Euro für 2.000 Hektar Fläche

Dort kündigte Söder an, dass die Staatsregierung innerhalb von zehn Jahren 200 Millionen Euro für den Ankauf von 2.000 Hektar Fläche zur Wiedervernässung zur Verfügung stellen wird. "Da geht's um Torferhalt durch Wassermanagement und da geht's um Moorerhalt durch Renaturierung", sagte Söder. Und im Hintergrund hupten lautstark Landwirte auf ihren Traktoren.

Damals wie heute sehen sie sich als Leidtragende der geplanten Donaumoossanierung. Denn in der Region zwischen Ingolstadt, Neuburg und Pöttmes leben viele Menschen mitten im Donaumoos von der Landwirtschaft. Vor allem der Kartoffelanbau spielt dort eine große Rolle. Das gesamte Donaumoos umfasst rund 18.000 Hektar. Und 2.000 Hektar davon sollen für den Moor- und Klimaschutz wiedervernässt werden und müssten dafür anders bewirtschaftet werden. Das Problem für den Klimaschutz: Durch Gräben werden viele Äcker und Wiesen entwässert, um sie für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Zugleich sackt der Moorboden ständig weiter ab, das Treibhausgas Kohlendioxid tritt aus. Durch die Entwässerung für die Landwirtschaft verliert das Donaumoos jedes Jahr mindestens einen Zentimeter an Boden, dabei entstehen viele Treibhausgase. Die trockene Moorerde wird weggeweht. Das zeigt sich eindrucksvoll am sogenannten "Donaumoospegel" in der Ortschaft Ludwigsmoos. Demnach ist das Moor seit 1836 etwa drei Meter abgesackt.

Landwirte fordern Gesamtkonzept

Um ihre Interessen zu vertreten, haben Landwirte, Bürger und Unternehmen die Interessengemeinschaft "Unser Donaumoos" gegründet. Vorsitzender Gerhard Dittenhauser sagt: "Mein Wunsch wäre, dass auch meine Kinder und Enkel weiter im Donaumoos leben und auch arbeiten können." Dafür wünscht er sich ein Gesamtkonzept, mit Wassermanagement und einer Flurbereinigung.

Bei den Verantwortlichen vom Donaumoos-Zweckverband, der die Pläne der Bayerischen Staatsregierung umsetzen soll, setzt man mittlerweile eher auf eine kleine Lösung. Geschäftsführer Michael Hafner bestätigt, dass sie die Aufgabe bislang nicht lösen konnten. "Mir ist es viel lieber, wenn das Ganze langsam wächst als dass man jetzt etwas überstülpt", sagt er.

2.000 Hektar in der Wiedervernässung nicht realistisch

In den fünf Jahren seit Söders Ankündigung konnte der Zweckverband knapp 200 Hektar zusätzliche Fläche für die Renaturierung kaufen. Da es den Donaumoos-Zweckverband schon länger gibt, verfügt er jetzt über etwa 650 Hektar Flächen für die Moorsanierung. Gerhard Grande, der das Donaumoos-Team koordiniert, sagt, "2.000 Hektar in der Wiedervernässung in zehn Jahren halte ich für nicht realistisch".

Bei einem Pressetermin vor Ort zeigt der Donaumoos-Zweckverband eine Vorzeigefläche, auf der die Wiedervernässung bereits funktioniert. Auf dem "Baierner Flecken" gibt es sumpfige und feuchte Wiesen, in denen während des Sommers eine Rinderherde lebt. Erreicht wird die Wiedervernässung, in dem die Kanäle, die früher zur Entwässerung des Donaumooses dienten, mit eigens installierten Wehren angestaut werden. So werden die Flächen feucht, die Flora und Fauna ist vielfältig, der Kohlenstoff bleibt im Moorboden gespeichert. Die Experten haben festgestellt, dass vor allem in den Randbereichen des Donaumooses noch große Moormächtigkeiten vorhanden sind und sich dort die Renaturierung lohnt. Im Zentrum des Donaumooses, wo intensive Landwirtschaft betrieben wird, sind die Moor- und Humusschichten zum Teil nur noch sehr gering.

Die Gründe dafür, dass der Donaumoos Zweckverband noch nicht mehr Flächen ankaufen konnte, sind vielschichtig. Stefan Janda, Sprecher des Zweckverbandes, spricht von dem Problem der "Flächenverfügbarkeit": viele Bauern benötigen ihre Flächen auch weiterhin. So hat der Zweckverband an vielen Stellen im Donaumoos nur einzelne Flächen gekauft - eine Art Fleckenteppich ist entstanden - und versucht diese nun durch den Tausch mit andere Flächen nach und nach zu erweitern. Besonders viel Hoffnung gibt es rund um den "Baierner Flecken". Dort könnten durch eine Flurneuordnung langfristig rund 200 Hektar Land wiedervernässt werden. Auch die Gesetzeslage erschwere schnelles Handeln. Denn für großflächigere Wiedervernässungen muss das Amt für ländliche Entwicklung Verfahren eröffnen.

Hoffnung auf nachwachsende Rohstoffe

Eine große Hoffnung setzt das Donaumoos-Team auch in den Anbau sogenannter Paludi-Kulturen. Diese speziellen Gräser wachsen auf feuchten Standorten. Die nachwachsenden Rohstoffe werden in Versuchen für Dämmmaterial und zur Papierherstellung eingesetzt. Der Geschäftsführer des Donaumoos-Zweckverbandes hofft nach Experimenten mit anderen Unternehmen auf eine eigene Verwertungsanlage im Donaumoos. Das wäre für die Landwirte eine weitere wirtschaftliche Grundlage, so Hafner.

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