Wie können die Kirchen wieder attraktiver werden? Und wie politisch darf oder muss Kirche sein? Darüber diskutierten Bürgerinnen und Bürger mit Rainer Maria Schießler, Stadtpfarrer in München, und Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD.
Wie können die Kirchen wieder attraktiver werden? Und wie politisch darf oder muss Kirche sein? Darüber diskutierten Bürgerinnen und Bürger mit Rainer Maria Schießler, Stadtpfarrer in München, und Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD.
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Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD, und Rainer Maria Schießler, Stadtpfarrer in München, stellten sich den Fragen der Bürgerinnen und Bürger.
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Diskussion bei "jetzt red i": Wozu brauchen wir noch Kirchen?

Diskussion bei "jetzt red i": Wozu brauchen wir noch Kirchen?

Wie können die Kirchen attraktiver werden? Und wie politisch darf oder muss Kirche sein? Darüber diskutierten Bürgerinnen und Bürger bei "jetzt red i" mit Rainer Maria Schießler, Stadtpfarrer in München, und Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD.

Über dieses Thema berichtet: jetzt red i am .

Torben Glowig ist seit sechs Jahren in der evangelischen Jugend aktiv. Es sei jedoch "sehr schwer", Jugendliche für die Kirche zu begeistern, erzählt er. Viele würden sonntags lieber ausschlafen als zum Gottesdienst zu gehen oder freitagabends mit Freunden rausgehen. Auch er kenne das: "Dann gehe ich vielleicht doch nicht zu der Jugendgruppe, die sich jetzt mit ihren fünf Hanseln in der Kirche trifft". Bei "jetzt red i" in Friedberg diskutierten Bürgerinnen und Bürger vor Ostern über die Frage, wie sich die Kirchen verändern müssen, um wieder attraktiver zu werden – auch für junge Menschen.

Heinrich: "Es geht nicht nur um die Gottesdienstbesucher"

Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, stellte sich den Fragen der Bürger. Sie betonte: "Es geht nicht nur um die Gottesdienstbesucher, der Dienst an Gott ist so viel größer.“ Sie selbst habe sehr von der kirchlichen Jugendarbeit profitiert: In ihrer Schulzeit sei sie teilweise froh gewesen, abends zur evangelischen Jugend statt in die Stadt gehen zu können: "Weil es da eben nicht darauf ankam, wie viel Feiern ich mir heute Abend leisten kann.“ Es gebe "immer noch sauviele junge Menschen“, die sich in den Kirchen ehrenamtlich engagierten. Aber sie müssen auch eingebunden werden: "Die jungen Leute brauchen Platz, ihre Ideen einzubringen, und dafür muss man manchmal auch ein bisschen Platz machen.“

Schießler: Kirchenaustritte nicht mit Glaubensverlust gleichsetzen

Auch Rainer Maria Schießler, Stadtpfarrer in München, erklärte, dass für ihn der Glaube des Einzelnen nicht damit zusammenhängt, wie oft dieser in die Kirche geht: Gottesdienste seien eben nur "ein Weg von vielen“, um Gott nahezukommen. Schießler, Pfarrer in St. Maximilian, warnte davor, Kirchenaustritte und leere Kirchen, mit Glaubensverlust gleichzusetzen. Trotzdem sei für ihn Kirche wichtig, um seinen Glauben als Teil einer Gemeinschaft auszuleben: "Es gibt Dinge, die kann ich nicht allein machen. Ich kann nicht allein feiern. Du kannst mir das größte Buffet hinstellen. Wenn ich da allein dort stehe, dann verhungere ich. Es geht nicht."

Sollten sich Kirchenvertreter politisch äußern?

Muss die Kirche mehr mit der Zeit gehen, um wieder attraktiver zu werden? Thomas Bachmann, evangelischer Pfarrer in Augsburg, sieht genau darin das Problem: "Wenn die Hauptsache nicht die Hauptsache bleibt, dann fallen wir vom Glauben ab", kritisierte er. Die Kirche müsse wieder "mehr geistlich“ werden und "sich nicht dem Zeitgeist anbiedern, um woke zu sein".

Anna-Nicole Heinrich sah dies anders: "Ich habe keine Angst davor, aus meinem Glauben konkrete Positionen abzuleiten – gerade für Menschen, die es sonst schwerhaben, zu Wort zu kommen." Die Bibel sei voller Fluchtgeschichten – "Geschichten, wo Menschen sich gegenseitig unterstützt haben." Christsein sei "nichts, wo wir uns bequem machen". Auch Jesus sei "kein bequemer Mensch" gewesen.

Scharfe Kritik am Reformstau

Auch Schießler stellte fest: "Kirche macht nicht Politik, aber sie ist politisch." Genauso wie Jesus politisch gewesen sei. Die Kirche habe seiner Meinung nach gerade die große Chance "gegen Radikalisierung, gegen Vereinzelung, gegen Mobbing" einen wichtigen Platz einzunehmen. Aber dafür müsse sie endlich ihren Reformstau abbauen: "Nicht nur der Herr Merz in Berlin, auch wir."

Bei vielen Gläubigen hat sich in den vergangenen Jahren Frust angestaut. So auch bei Uli Spindler: "Ich kann nicht Frauen vom Weiheamt ausschließen." Kirchen hätten heute die wichtige Aufgabe, "überparteilich für Werte zu stehen". Nur müssten sie diese zuerst auch selbst vorleben und alle gleichberechtigt behandeln.

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