Assan arbeitet in der Bäckerei in Augsburg.
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Integration gefordert, Geld gekürzt – Folgen des Sparkurses

Integration gefordert, Geld gekürzt – Folgen des Sparkurses

Ein Sprach- und Integrationskurs für Zuwanderer kostet rund 3.000 Euro. Hier will die Bundesregierung sparen. Schüler und Kursleiter an der Augsburger Volkshochschule wissen nicht, wie es weitergeht. Arbeitgeber, gerade im Handwerk, machen Druck.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Assan aus Gambia macht Laugenknoten: In der Augsburger Bio-Bäckerei Schubert steht er am Fließband, nimmt schon wieder eine der Teigschlangen, schlingt den Dinkelteig schnell zu einem Knoten und setzt ihn auf das Backblech. "Ich mache hier meistens Semmeln und Brezen, also das Kleingebäck", sagt er. Deutsch hat er gleich am Anfang seiner Zeit in Augsburg gelernt. Assan sagt, das sei hart gewesen, neben der Arbeit auch noch mehrere Tage die Woche in den Deutsch-Kurs zu gehen. Aber: Er konnte mit den Kollegen reden, ihnen Fragen stellen, sein Deutsch weiter verbessern.

Bäckerei-Inhaber fordert Deutsch-Kurse ein

Andere Kollegen sind schon länger da und würden längst nicht so gut Deutsch sprechen wie Assan, sagt sein Chef, Bäckerei-Inhaber Frank Schubert: "Gerade der Start ist wichtig. Und es ist wirklich gut angelegtes Geld. Weil wir dann auch Mitarbeiter bekommen, die langfristig sich weiterbilden, sich qualifizieren."

Nur: Das wird in Zukunft viel schwieriger. Denn das Bundesamt für Migration, das dem Bundesinnenministerium untersteht, streicht die Finanzierung zusammen, zahlt nur noch, wenn der Kurs verpflichtend ist. Wer freiwillig in den Sprach- und Integrationskurs kommt, soll die Kosten ab dem Herbst selbst tragen. Sybille Schneider unterrichtet seit 28 Jahren Deutsch für Ausländer und warnt, die Zahl der Deutsch-Schüler werde um die Hälfte einbrechen: "Die Leute können es sich nicht leisten, den Kurs selbst zu zahlen." Und das sei ein Teufelskreis: "Ohne Sprache bekommen sie keinen guten Job. Mit einem schlechten Job können sie es nicht finanzieren."

Auch viele Deutsch-Lehrkräfte stehen vor dem Aus

Sybille Schneider steht selbst vor einer ungewissen Zukunft, weiß nicht, ob sie ab dem Herbst weiter als Deutsch-Lehrerin arbeiten kann. Durchaus kritische Fragen zum Sparkurs von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kommen auch von den Arbeitgebern. Schließlich wird überall Personal gesucht.

Ulrich Wagner von der Handwerkskammer in Schwaben beklagt ein "Hü und Hott": Asylbewerber schon nach drei statt sechs Monaten Wartezeit arbeiten zu lassen, findet der Handwerkskammerchef richtig. "Auf der anderen Seite ist die Voraussetzung, um arbeiten zu können, nämlich der Spracherwerb, reduziert. Hier passt einiges nicht zusammen."

Bei der Handwerkskammer, in der Volkshochschule und in der Bäckerei hoffen sie jetzt, dass es noch ein Umdenken in Berlin gibt – und doch wieder Geld für die Menschen, die Deutsch lernen wollen, um zu arbeiten.

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