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Ein Forscherteam um die Chemikerin und Umweltanalytikerin Carolin Huhn von der Universität Tübingen hat herausgefunden, dass sich in Kläranlagen durch den Waschmittelzusatz DTPMP (Diethylentriaminpentakismethylenphosphonsäure) Glyphosat bildet. Rückstände davon finden sich auch im geklärten Abwasser, das in Flüsse abgeleitet wird. Bislang ist man davon ausgegangen, dass das Pestizid hauptsächlich durch die Landwirtschaft in die Umwelt gelangt.
- Zum Artikel: Glyphosat: Der umstrittene Unkrautvernichter
User diskutieren: Sind Landwirte damit aus der Verantwortung?
In der Kommentarspalte bei BR24 diskutieren User darüber, ob Landwirte zu Unrecht in der Kritik standen, hauptverantwortlich für die Schäden von Glyphosat in der Umwelt zu sein. So kommentierte der Nutzer "Werner_Beinhart" kürzlich: "(…) Ich dachte, die Bauern wären schuld?" Und User "Fritz_A" fragte: "Ist das Glyphosat unschädlich, das aus der Landwirtschaft stammt?“
Kurz gesagt: Glyphosat aus der Landwirtschaft ist nicht weniger schädlich für die Umwelt als das aus Waschmittelzusätzen. Da sind sich die Experten einig. "Es handelt sich um den gleichen Stoff mit gleicher Schädlichkeit. Der Unterschied ist die zeitliche Dynamik", sagt Carolin Huhn von der Universität Tübingen. Denn: Aus der Kläranlage gelange Glyphosat dauerhaft in Flüsse. Aus der Landwirtschaft würden die Glyphosatwerte in naheliegenden Bächen für kurze Zeit steigen. Etwa im Frühjahr, wenn Landwirte gespritzt haben, es stark regnet und das Pestizid von den Äckern gespült wird. Wobei Landwirte bei angesagtem Regen keine Pflanzenschutzmittel ausbringen, schon allein um die gewünschte Wirkung nicht zu gefährden.
Wie Glyphosat in die Umwelt gelangt
Nach aktuellem Forschungsstand gelangt Glyphosat legal auf zwei Wegen in Flüsse, Seen und Bäche: einerseits durch Waschmittelzusätze in Kläranlagen. Andererseits durch Landwirte, die das Pestizid vor allem im Frühjahr spritzen, um vor der neuen Saat Unkraut oder übriggebliebene Zwischenfrüchte auf dem Acker zu vernichten. Dadurch müssen sie den Boden nicht aufwendig pflügen und können direkt neu einsäen. Für viele Betriebe ist das Totalherbizid deshalb unverzichtbar.
Ursachen unterscheiden sich je nach Einzugsgebiet
Wie groß nun der Anteil der Landwirtschaft und der Waschmittelzusätze am Glyphosat in der Umwelt ist, lasse sich nicht seriös beziffern, sagt Huhn: "Das hängt stark vom Einzugsgebiet ab." Entscheidend ist etwa, ob die Kläranlage Abwasser von Haushalten oder Industrieunternehmen reinigt und ob es in der Nähe landwirtschaftliche Flächen gibt. All das bestimmt maßgeblich, ob und wie das Totalherbizid ins Wasser gelangt.
Glyphosat aus der Landwirtschaft beeinflusst die Biodiversität
Aber gerade dort, wo Wasser aus Kläranlagen in Flüsse eingeleitet wird, zeigt sich ein Zusammenhang: In diesen Gewässern stammt der "dominante Teil" des Glyphosats aus Waschmitteln mit dem Zusatz DTPMP oder der Industrie, so Huhn.
Das wiederum bedeute aber nicht, dass Glyphosatbelastungen aus der Landwirtschaft irrelevant für die Umwelt seien, so Christoph Schäfers. Er ist Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie. "Glyphosat als Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft landet nicht primär in großen Flüssen, sondern wirkt sich negativ auf die Biodiversität in der Agrarlandschaft aus", sagt Schäfers.
Bedeutet zum Beispiel: Es wachsen weniger Wildkräuter, wodurch Insekten weniger zum Fressen finden, was wiederum die Nahrungssuche für Vögel erschwert. Deshalb gilt weiterhin: "Glyphosat, das in Böden und Pflanzen vorkommt, stammt mehrheitlich aus der Landwirtschaft", so Huhn.
Bayerischer Bauernverband verweist auf begrenzten Einfluss
Dieser Verantwortung ist sich auch der Bayerische Bauernverband bewusst: "Glyphosat ist ein Totalherbizid, das für die Anwendung im Ackerbau zugelassen ist und auch in der Landwirtschaft hierzulande eingesetzt wird. Insofern ist es klar, dass die Landwirtschaft teilweise eine Rolle spielt oder spielen kann, wenn Rückstände nachgewiesen werden", so ein Pressesprecher. "Wichtig ist es aber gleichzeitig zu verstehen und zu berücksichtigen, dass es relevante andere Quellen gibt und der Einfluss der Landwirtschaft begrenzt ist."
Im Video: Untersuchungen in der Kläranlage Erlangen (Frankenschau aktuell, 30.01.2026)
Untersuchungen in der Kläranlage Erlangen
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