So hat Ella Skifahren noch nie erlebt – im Sitzen. Die Schülerin ist in einem Bi-Ski auf der Piste unterwegs. Die Skier, die sie sonst an ihre Füße schnallt, sind dieses Mal unten an einer Sitzschalte montiert. Mit den Händen steuert die Zwölfjährige kurze Ski-Krücken. Eine Begleitperson fährt auf eigenen Skiern mit und unterstützt beim Lenken.
Bei dieser Aktion des Inklusionsmobils konnten die Kinder ausprobieren, wie Wintersport gehen kann, ohne die Beine zu benutzen. Anleitung und Hilfestellungen gab es von Nachwuchs-Paraskifahrern und erfolgreichen Para-Athleten.
Skifahren ohne Bein-, dafür mit Armkraft
Denn beim Bi-Skifahren ist man zwar wie beim klassischen Abfahren auf zwei Brettern unterwegs, trotzdem braucht es für das Skifahren im Sitzen laut dem zweimaligen Paraski-Weltmeister Georg Kreiter andere Fähigkeiten: "Es hat schon viel mit dem normalen Skifahren zu tun. Aber es ist natürlich auch eine eigene Sportart und […] es ist schon komplexer."
Ella hat beim Ausprobieren festgestellt: "Das Lenken macht man beim normalem Skifahren mit den Beinen, jetzt beim Bi-Ski sitzt man und muss mit den Armen lenken, das macht’s ein bisschen schwieriger."
Profis zeigen Schülern ihr Können
Die Schülerinnen und Schüler um Ella sitzen nicht nur selbst im Bi-Ski, sie erleben auch, wie die Para-Profis mit ihren Monoski (mit nur einem Ski unter der Sitzschale) umgehen. Vom Rollstuhl in die Sitzschale stemmen, mit dem Ski-Krücken durch den Schnee anschieben und auf der Piste carven. Auch Liftfahren können die Athleten dank einer speziellen Zieh-Vorrichtung alleine.
Einer der Vorbilder ist Para-Ski-Athlet Leon Gensert (21). Durch einen Rückenmarksinfarkt ist er gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Seit nun beinahe sechs Jahren fährt er, der sich vor seiner Krankheit eher als Hobby-Skifahrer bezeichnet hatte, Mono-Ski auf Leistungsniveau. Seit zwei Jahren im "vollprofessionellen Umfang". Ein Einsatz, der sich gelohnt hat: Trotz eines Schlüsselbeinbruchs noch vor Beginn der Weltcup-Saison startet Gensert das erste Mal bei den Paralympics. Dort kämpft er um eine Medaille – aber auch um Anerkennung. Für ihn ist wichtig, dass seine Disziplin "als Leistungssport angesehen wird und nicht als so ein Mitleidsding ist, wo jeder mal mitfahren darf."
Wenig Inklusionsangebote im Breitensport
Bei der Aktion am Götschen in Bischofswiesen geht es für Gensert darum, im "Breitensport zu zeigen, was möglich ist und wie der Einstieg funktioniert." Viele Leute wüssten gar nicht, was ein Mono-Ski oder ein Bi-Ski ist. Deshalb wünscht sich Gensert Präsenz für seinen Sport. Denn im Wintersport gebe es im Freizeitbereich laut Bayerischem Behindertensportverband nicht genug inklusive Angebote, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu fördern.
Bei Ella und ihren Klassenkameraden ist die Aufmerksamkeit dafür jetzt gewachsen. Schon vorher kannte die Schülerin die Paralympics und hat bei einem Ausflug schon mal einen Mono-Ski-Fahrer im Lift getroffen. Das Kennenlernen und Testen der Ausrüstung hat ihr noch mal klargemacht, dass eine Behinderung nicht bedeutet, dass eine Person nicht zum Ski-Ausflug mitkommen kann: "Man bezieht die Leute jetzt zum Skifahren mit ein, weil es die coolen Mono-Ski gibt." Ella ist beeindruckt von den Fahrkünsten der Mono-Skifahrer. Sie ist froh, dass sie durchs Ausprobieren gemerkt hat, wie viel Spaß das Skifahren auch im Sitzen macht.
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