Einmal in einer Gefängniszelle übernachten und danach einfach wieder rausgehen. Diesen Wunsch kann man sich jetzt in der historischen Altstadt von Neuburg an der Donau erfüllen, vorausgesetzt man hat viel Geld. Denn der Freistaat Bayern verkauft die ehemalige Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Neuburger Altstadt. Derzeit stehen die Gebäude leer.
Schwedische Gardinen sind schon abgehängt
Ende Juli 2025 haben die letzten Häftlinge die JVA verlassen, seitdem wurden Inventar und Sicherheitstechnik entfernt. Der Freistaat hat das Gefängnis aufgegeben, weil es nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war. Bis zu 73 erwachsene Männer mit Strafen bis zu drei Jahren saßen dort in Einzel- oder Gemeinschaftszellen ein. Auch Gemeinschaftsräume gab es.
Beim Rundgang zeigt uns Christina Nick vom Staatsunternehmen "Immobilien Freistaat Bayern" Zellen und Gemeinschaftsräume. Sie führt uns auch in die Kapelle, in der bis zum Sommer noch regelmäßig Gottesdienste gefeiert wurden.
JVA-Werkstatt war in der Hofreitschule von 1577
Dann besuchen wir den größten Raum – ein hoher Raum mit Bögen und Fenstern weit oben. Dort war die Werkstatt des Gefängnisses, in dem die Häftlinge Spielzeugautos für ein Unternehmen montierten. Die Werkstatt befand sich in der ehemaligen Hofreitschule der Wittelsbacher von 1577. Die Gebäude der ehemaligen JVA sind historisch, zumeist aus dem 16. Jahrhundert, und stehen unter Denkmalschutz.
Die ehemalige Hofreitschule war für die Neuburger gerade während des Schlossfestes, das alle zwei Jahre stattfindet, ein Hingucker. Während im Hof des Marstall die Reiterspiele stattfanden, Reiter und Pferde tausende Besucher begeisterten, konnten die Gefangenen das Schlossfest hören und wurden so besonders an die Freiheit erinnert.
Öffentliche Ausschreibung
Jetzt ist die "Immobilien Freistaat Bayern“ am Zug. Sie hat die schwierige Aufgabe, den Knast zu verkaufen. Zuerst wurde geklärt, ob der Staat selbst oder die Stadt Neuburg das Gebäude benötigen – beide haben abgewunken. Jetzt wird die Immobilie öffentlich ausgeschrieben. Dann gibt es ein Angebotsverfahren. Alle potenziellen Investoren geben bis zu einem Stichtag ihre Angebote ab und dann wird entschieden. Eine Preisvorgabe gibt es nicht.
Umnutzung eines Gefängnisses – gar nicht so leicht
Auch schon früher wurden Gefängnisse in Bayern aufgelöst und anderweitig genutzt. Ein bekanntes Beispiel ist das Alte Gefängnis Freising, das von einem Förderverein mit Ausstellungen, einem Museum und Kultur bespielt wird. Unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden stecken darin.
Wie schwierig eine Umnutzung ist, zeigt das Beispiel Landshut. Dort sucht man seit der Schließung 2008 nach einer neuen Nutzung und Investoren – ein Ideenwettbewerb brachte unter anderem den Vorschlag dort Wohnraum zu schaffen. Die ehemalige JVA mitten in Augsburg könnte zukünftig das Römermuseum der Stadt beherbergen.
Denkmalschutz macht es nicht leichter
Eine Idee für die Neuburger JVA: ein Hotel. Tatsächlich gibt es schon öfters Hotels in ehemaligen Gefängnissen, so zum Beispiel das Alcatraz Hotel in Kaiserslautern, benannt nach der berühmten Gefängnisinsel in den USA. Und tatsächlich ist Neuburg nicht nur durch die Lage am Radwanderweg an der Donau auch ein beliebtes Reiseziel. Die Frage allerdings ist, ob Investoren das Wagnis eingehen. Denn es gibt einige Schwierigkeiten: Da ist zum einen der Denkmalschutz auf dem gesamten Gebäude. Das macht Umbauten vermutlich sehr teuer und sie müssen erstmal genehmigt werden. Außerdem gibt es rund um die ehemalige JVA nur sehr wenige Parkplätze.
Dieser Artikel ist erstmals am 8. Februar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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