Amelie Breitner zeigt zwei halbe Brote
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Ärger um halbes Brot kostet Bäckerei 15.000 Euro

Ärger um halbes Brot kostet Bäckerei 15.000 Euro

Eine Bäckerei aus Pfaffenhofen an der Ilm verkaufte halbe Brote – ohne sie vorher zu wiegen. Das Eichamt griff ein. Mit Folgen für die Bäckerei: neue Waagen, andere Preise, mehr Aufwand. Eine Frage des Verbraucherschutzes?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Wenn ein Kunde ein halbes Brot bestellt, hat es Amelie Breitner bis vor kurzem einfach in der Mitte durchgeschnitten und zum halben Preis verkauft. Die 21-Jährige hilft, seit sie klein ist, in der Bäckerei ihres Vaters in Pfaffenhofen an der Ilm in Oberbayern aus. Seit kurzem muss sie jedoch jede Brothälfte, die sie verkauft, vorher wiegen. Denn das zuständige Eichamt Ingolstadt hat die Bäckerei aufgefordert, dafür eichfähige Waagen anzuschaffen.

Keine eichfähigen Waagen bei Routinebesuch des Eichamts

Mathias Breitner hat laut eigener Aussage jahrzehntelang in seiner Bäckerei halbe Laibe verkauft [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt], ohne sie zu wiegen. Zuletzt beschwerten sich zwei Kunden bei ihm, dass ihr Brot knappe zehn Gramm zu leicht sei, so Breitner. Darauf habe der Bäckerei- und Konditormeister nur lapidar geantwortet: "Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Nächstes Mal haben Sie vielleicht 20 Gramm mehr."

Kurz darauf kam das zuständige Eichamt bei Breitner vorbei. Laut Stefan Thums, Direktor des Bayerischen Landesamts für Maß und Gewicht, ein Routinebesuch, bei dem die Waage der Bäckerei geeicht werden sollte. Die sei jedoch weg gewesen, so Thums.

Eichfähige Waagen für 15.000 Euro

Mit Konsequenzen für die Bäckerei: Mathias Breitner musste eichfähige Waagen anschaffen. Kostenpunkt inklusive Software für neun Waagen in seinen sechs Filialen: Knapp 15.000 Euro. Breitners neue Waagen sind an das Kassensystem angeschlossen – eine Zusatzfunktion, die das Eichamt nicht verlange, so Thums. Für Breitner ist das aber essenziell, "damit es schneller und einfacher geht".

Für Amelie Breitner ist die Anschaffung der neuen Waagen ein Mehraufwand, den sie nicht versteht: "Ich finde es ein bisschen schade, weil wir ein Handwerksberuf sind. Es ist immer damit zu rechnen, dass mal ein bisschen mehr dabei ist, dass mal ein bisschen weniger dabei ist." Bisher sei das für die Kunden in Ordnung gewesen.

Warum ein halbes Brot gewogen werden muss

Hintergrund ist das Mess- und Eichrecht: "Wer etwas nach Gewicht verkauft, muss es vorher wiegen", so der Direktor des Bayerischen Landesamts für Maß und Gewicht. Das ist keine neue Regelung. Einige Bäckereien nutzen bereits geeichte Waagen. Fertiges Brot aus dem Ofen gelte als Fertigpackung und wurde schon gewogen, so Thums. Gewicht und Preis stehen fest.

Wird der Laib in der Mitte halbiert, können die Hälften unterschiedlich schwer sein. Deshalb muss jedes Brot vor dem Verkauf noch einmal auf die Waage. "Jeder von uns Verbrauchern kennt das, wenn er beim Metzger eine Wurst kauft", sagt Thums. Beim Metzger sei es eine "Selbstverständlichkeit, dass abgewogen wird". Gleiches gelte fürs Brot – aus Verbraucherschutzgründen.

Kunden sind geteilter Meinung

Amelie Breitner wiegt gerade die zwei Brothälften, die sie geteilt hat. Früher hätte eine solche Mischbrothälfte pauschal 2,40 Euro gekostet, die Hälfte vom Verkaufspreis des ganzen Brotes. "Die Hälfte kostet jetzt 2,45 Euro", sagt Breitner. Die andere Hälfte kostet laut Waage 2,30 Euro. "Ich weiß nicht, ob es den Aufwand wert ist, für die paar Cent Unterschied."

Die Kunden sind am Vormittag gespaltener Meinung: "Es ist eigentlich sinnlos, ob ich jetzt zehn Gramm mehr Brot oder weniger Brot kriege, das ist ein halbes Brot", sagt eine Kundin. Ein anderer: "Ist doch in Ordnung, wenn es das kostet, was es kosten soll."

Für jedes halbe Brot ein Handgriff mehr

Im Arbeitsalltag ist die neue Waage für Amelie Breitner vor allem ein zusätzlicher Arbeitsschritt. "Es sind zwei, drei Klicks mehr, es ist kein Riesenaufwand", sagt die 21-Jährige. Um das Brot zu wiegen, muss sie es auf die Waage legen, die Sorte auswählen und warten, bis das Gewicht an das Kassensystem übertragen ist. Wenn viele Kunden am Wochenende mehrere Brote kaufen, "dann ist es halt einfach ein bisschen mehr Aufwand". An diesem Vormittag war in der Bäckerei nicht so viel los. "Ich hoffe, dass es am Wochenende auch nicht ganz so stressig wird", sagt Amelie Breitner. Denn da kaufen die Kunden für gewöhnlich mehr Brot.

BR24 auf TikTok: Ärger um halbes Brot

Dieser Artikel ist erstmals am 25. August 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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