Wer derzeit an der Donau badet, im Biergarten an der Naab sitzt oder am Regen spazieren geht, merkt es sofort: Es summt und sticht an allen Ecken. Stechmücken und Bremsen sind in Niederbayern und der Oberpfalz vielerorts lästige Begleiter. Auch die Zahl von Wespen- und Hornissennestern scheint deutlich zugenommen zu haben. Ehrenamtliche Berater verzeichnen einen deutlichen Anstieg ihrer Einsätze. Mehr Einsätze in Deggendorf und Regensburg.
"Wir haben heuer ein Extremjahr mit diesen Insekten", sagt Manfred Glashauser, zertifizierter Wespen‑ und Hornissenberater im Landkreis Deggendorf für den Bereich links der Donau. Seit Ende April war er schon zu über 40 Einsätzen unterwegs. Letztes Jahr waren es zu dieser Zeit nur rund 15 bis 20 Termine.
Ähnlich die Lage im Landkreis Regensburg: Berater Albert Schiegl erreichen derzeit täglich bis zu fünf Anrufe. Zuletzt musste er Nester sowohl in der Grundschule Brennberg als auch im dortigen Kindergarten entfernen. Beide Male hatten Wespen im Eingangsbereich genistet. In Zwiesel im Landkreis Regen waren in den vergangenen Tagen zudem größere Mückenschwärme unterwegs.
Kalt, dann warm: Ideales Insekten-Wetter
Der lange, kalte Winter mit Temperaturen bis minus 16 Grad und der warme Frühling waren für Wespen‑ und Hornissenköniginnen ideale Bedingungen. Viele Königinnen haben überlebt und ihre Völker wachsen gut. Das sieht man an den Nestern, die laut Glashauser teils nicht mehr eine Handball-, sondern sogar Fußballgröße erreichen.
Auch für Stechmücken war die Kombination aus Regen im Frühjahr und anschließender Wärme perfekt. So konnten sich zahlreiche ihrer Larven in Pfützen und Tümpeln innerhalb von etwa zwei Wochen zu ausgewachsenen Mücken entwickeln. Außerdem gibt es in diesem Jahr mehr Bremsen. Diese sind vor allem an heißen, windstillen Tagen rund um Seen aktiv. Trotz des hohen Aufkommens sprechen Fachleute nicht von einer "Plage", wohl aber von einem intensiven Insekten-Sommer.
Warum Wespen, Hornissen und Mücken wichtig sind
Insektenforscherin Tarja Richter vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) nennt Wespen und Hornissen eine Art "Insektenpolizei". Sie fressen Fliegen, Blattläuse, Raupen sowie Stechmücken – und verhindern, dass einzelne Arten explosionsartig zunehmen. Nebenbei bestäuben sie Blüten, wenn auch weniger effektiv als Bienen.
Stechmücken und ihre Larven sind eine zentrale Nahrungsquelle für Fische, Libellen, Amphibien und viele Vögel. Ohne sie würden ganze Nahrungsketten in unseren Bächen und Weihern zusammenbrechen.
Auch Hornissen haben einen schlechteren Ruf, als sie verdienen. Wie Fachleute betonen, interessieren sie sich kaum für Menschen und deren Lebensmittel. Gefährlich werden sie nur dann, wenn man ihren Nestern zu nahekommt. Zudem stehen Wespen und Hornissen mitsamt ihren Nestern unter Naturschutz, Hornissen sogar unter Bundesartenschutz. Verstöße können in Bayern Bußgelder bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen.
So kommen Sie sicher durch den Sommer
Wer ein Wespen- oder Hornissennest am Haus oder in Rollo-Kästen entdeckt, sollte diese nicht selbst entfernen, sondern das Landratsamt oder die ehrenamtlichen Wespen- und Hornissenberater kontaktieren. Oft reicht aber auch Abwarten, da bereits ab Ende August die Völker sterben und nur junge Königinnen überwintern.
Auf Balkon und Terrasse hilft es, Essen und Getränke abzudecken, Krümel schnell wegzuräumen und Biomüll täglich zu entsorgen. Obst im Garten sollte regelmäßig geerntet und zügig verarbeitet werden, damit es Wespen nicht zusätzlich anlockt. Außerdem kann eine einfache Sprühflasche mit Wasser zumindest kurzfristig helfen.
Nach dem Sprühstoß ziehen sich die Insekten zurück, um das vermeintliche „Regenwasser“ abzuschütteln. Hausmittel wie Nelken in Zitronen gelten als weitere Möglichkeit, den Tisch weniger attraktiv zu machen. Von Ablenkungsfütterungen raten Fachleute jedoch ab, da der Duft eher zusätzliche Tiere anlocke.
Gegen Stechmücken sollte stehendes Wasser im Garten vermieden oder abgedeckt werden. Wer glaubt, Mücken würden vor allem vom Licht angezogen, liegt nur teilweise richtig: Sie orientieren sich vor allem an Gerüchen, etwa an Schweiß oder starkem Parfum. Schließlich können auch naturnah gestaltete Gärten und Balkone helfen. Diese bieten Lebensraum für Libellen, Fledermäuse und Vögel, die einen Teil der Mücken und anderer Insekten fressen.
Dieser Artikel ist erstmals am 11.07.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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