Ein Blick auf München
Ein Blick auf München
Bild
"Unattraktivste Metropolregion" München: Was dahintersteckt
Bildrechte: picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Audiobeitrag

"Unattraktivste Metropolregion" München: Was dahintersteckt

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

"Unattraktivste Metropolregion" München: Was dahintersteckt

"Unattraktivste Metropolregion" München: Was dahintersteckt

München ist die unattraktivste Metropolregion Deutschlands – zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Gründe seien etwa hohe Immobilienpreise, ein niedriges Sport- und Freizeitangebot und wenig Krankenbetten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Wo in Deutschland lebt es sich am besten? Um diese Frage dreht sich eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) [externer Link]. Bei dem Vergleich von zwölf Metropolregionen schneidet München am schlechtesten ab.

Wie ist das möglich? Bekommt München nicht regelmäßig attestiert, besonders lebenswert zu sein? Solche Auszeichnungen beziehen sich meist auf die Stadt München, nicht auf die Metropolregion, um die es bei der schlechten Studienbewertung geht.

Nicht nur München: Auch Nürnberg schneidet schlecht ab

Metropolregionen sind wirtschaftlich und strukturell bedeutende Großstädte plus eng vernetztes Umland. Laut IW-Studie leben mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland in solchen Gebieten.

Die Metropolregion München geht von Eichstätt bis zur Zugspitze und von Kaufbeuren bis Altötting. In ihr wohnen mehr als sechs Millionen Menschen. Neben München hat Bayern eine weitere Metropolregion: Nürnberg. Sie landet in der Studie auf dem vorletzten Platz.

Ruhrgebiet auf Platz 1

Besonders lebenswert seien das Ruhrgebiet (Platz 1), Rheinland (Platz 2) und Rhein-Neckar (Platz 3). Das liege vor allem an kurzen Wegen, günstigem Wohnraum und einem breiten Kultur- und Freizeitangebot.

Bildrechte: BR
Bildbeitrag

Lebenswerteste Metropolregionen Deutschlands laut IW-Studie

Die IW-Studie analysiert die Metropolregionen hinsichtlich 23 Kriterien in sechs Lebensbereichen: Familie, Wohnraum, Ausgehen, Kultur und Gesellschaft, Sport und Freizeit sowie Verkehr und Versorgung. Die größten Defizite habe München beim Wohnen: In keiner anderen Metropolregion sind die Immobilien- und Mietpreise so hoch wie dort.

Weitere Bereiche, in denen die Metropolregion laut Studie negativ auffällt:

  • Sport und Freizeit: Nur 0,9 Prozent der Bodenfläche sei Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche. (Ruhrgebiet: 5,2 Prozent)
  • Weniger Krankenhausbetten: 53,4 Betten pro 10.000 Einwohner. (Ruhrgebiet: 72,8, Mitteldeutschland: 68.6)
  • Distanz zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs: 611 Meter (Ruhrgebiet: 212 Meter, Rheinland: 252 Metern)
  • Kultur und Vielfalt: Vorletzter Platz – allen voran wegen weniger LGBTQI+–Communities

Ländliche Räume profitieren nicht

Die Stadt München schneide bei vielen Indikatoren exzellent ab, sagt Maren Kowitz, Pressesprecherin der Landeshauptstadt München auf BR-Anfrage. "Die Unzufriedenheit innerhalb der Metropolregionen wächst, je weiter Gemeinden und Landkreise von München entfernt sind. (…) Auch periphere Gebiete profitieren zwar vom Wirtschaftsboom im südlichen Bayern, haben aber – je weiter sie von München weg sind – immer weniger von den Vorteilen der Kernstadt Münchens."

Der Verein "Europäische Metropolregion München (EMM)" plädiert auf BR-Anfrage für eine differenziertere Betrachtung der Studienergebnisse, etwa bezüglich des Anteils an Sport- und Freizeitfläche. Auch wenn es in urbanen Räumen im Ruhrgebiet vielleicht mehr solcher Flächen gebe, habe die Metropolregion München "einen extrem hohen Freizeitwert mit den Seen, dem Voralpengebiet, Mooren und Wäldern".

Auch greife es zu kurz, die Qualität der Gesundheitsversorgung nur an der Anzahl der Klinikbetten festzumachen. "Zu einer guten Gesundheitsversorgung gehören auch eine gute ambulante Versorgung, gute Notfallversorgung und gesunde Lebensbedingungen."

Ist der Vergleich sinnvoll?

In manchen Kategorien der IW-Studie kann die Metropolregion München punkten. Sie habe etwa die höchste Geburtenrate. Schwimmbäder seien mit dem Auto in neuneinhalb Minuten Fahrzeit zu erreichen – überdurchschnittlich schnell.

Aber ist es sinnvoll, eine große Metropolregion wie München mit einem kleinen Gebiet wie dem Ruhrgebiet zu vergleichen? Wollte der Auftraggeber der Studie – der Regionalverband Ruhr – das Ruhrgebiet vielleicht als besonders lebenswert erscheinen lassen?

Studienautor Johannes Ewald sagt dazu auf BR-Anfrage, dass die Studie sich an der gängigen Abgrenzung der Metropolregionen orientiere . "Wir analysieren ergebnisoffen und haben auch schon Vergleichs-Studien zu Metropolregionen für den Regionalverband Ruhr geschrieben, in denen das Ruhrgebiet nicht auf Rang 1 abgeschnitten hat."

Wie kann die Metropolregion München attraktiver werden?

Damit die Metropolregion München attraktiver wird, wäre ein schnelles und vielseitiges Verkehrsnetz hilfreich, um die Anbindung in der Metropolregion zu verbessern, sagt Studienautor Ewald. Vor allem sei aber mehr Wohnungsbau und Entbürokratisierung hierbei nötig.

Maren Kowitz verweist auf laufende Projekte und Investitionen diesbezüglich. Aber: "Bund und Freistaat bleiben aufgefordert, gezielt die Fördermittel für bezahlbaren Wohnraum zu erhöhen, die Vorgaben für Baustandards zu entschlacken, um die Baukosten zu senken und die steuerlichen Anreize für den Wohnungsbau zu erhöhen."

Dieser Artikel ist erstmals am 8. Februar 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!