Hannah Kammermeier beim Joggen im Nymphenburger Schlosspark.
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Wenn Sport zum Zwang wird: Wann beginnt Sportsucht?

Wenn Sport zum Zwang wird: Wann beginnt Sportsucht?

Sport tut gut – er hält uns fit, baut Stress ab und kann glücklich machen. Aber was, wenn aus Leidenschaft ein Zwang wird? Klar ist: Problematisches Sportverhalten kann für Betroffene richtig schlimm werden.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Wann es genau überhandnahm, weiß Hannah Kammermeier heute gar nicht mehr so genau. Irgendwann vor zwei Jahren kann sie mit dem Laufen nicht mehr aufhören. Jeden Tag geht die damals 23-jährige Studentin im nahegelegenen Nymphenburger Schlosspark joggen. Training, Ziele, Fortschritte – der Sport gibt ihr zunächst viel.

Doch irgendwann verändert sich etwas. Ruhetage fallen ihr schwer. Sie ignoriert Warnsignale ihres Körpers. Schließlich kommen mehrere Ermüdungsbrüche. Irgendwann benötigte sie Hilfe, um wieder einen normalen Umgang mit Sport zu finden. Der Sport, der eigentlich gesund sein soll, wird für Hannah zum gesundheitlichen Problem. Die Grenze zwischen großer Leidenschaft und zwanghaftem Sportverhalten zu ziehen ist schwierig. Wann ist viel Sport noch gesund – und wann wird er zur Sucht?

Immer weiter, immer extremer

Wenn Hannah läuft, hat sie eine Sportuhr ums Handgelenk. Zeiten und Strecken müssen getrackt werden. Sportliche Höchstleistungen werden dadurch sichtbar. Ultra-Marathons, Triathlons, Challenges und neue persönliche Rekorde bekommen Aufmerksamkeit – besonders in den sozialen Medien. Leistungen werden geteilt, verglichen und zum nächsten Ziel.

Das bedeutet allerdings nicht: Wer extrem Sport treibt, ist sportsüchtig. Viele Athletinnen und Athleten trainieren jahrelang strukturiert und mit professioneller Unterstützung. Die Voraussetzungen im Spitzensport sind andere als im Amateursport und auch die Pausen sind im Hochleistungsbereich meist fest kalkuliert.

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Sportsucht ist bis jetzt keine eigene Diagnose und wie häufig sie ist, lässt sich schwer sagen, aber für Betroffene kann sie schlimm werden...
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Sportsucht ist bis jetzt keine eigene Diagnose und wie häufig sie ist, lässt sich schwer sagen, aber für Betroffene kann sie schlimm werden...

Sportsucht: Viele Zahlen, keine klare Diagnose

Wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich sportsüchtig sind, lässt sich nicht klar sagen. Sportsucht ist bislang keine eigenständige, offiziell anerkannte Diagnose. Entsprechend gibt es auch keine verlässliche Statistik zu den Erkrankungsfällen.

Die Forschung misst deshalb meist ein Risiko für Sportsucht. Eine aktuelle Meta-Analyse von 2026 wertete 30 Studien mit unterschiedlichen Sportarten aus. Bei rund zwölf Prozent der Teilnehmer zeigten sich Suchtmerkmale.

Eine internationale Studie mit knapp 4.000 Menschen aus mehreren Ländern kam 2025 auf 9,5 Prozent mit einem erhöhten Risiko für Sportsucht. Bei Leistungssportlern war dieses Risiko etwa doppelt so hoch wie bei Freizeitsportlern. Frühere Studien zeigen zudem eine enorme Spannbreite: Teilweise lagen die Werte weit auseinander. Experten betonen deshalb, dass solche Zahlen nur mit Vorsicht interpretiert werden sollten.

Wann wird Sport krankhaft?

"Sportsucht generell an Zeit festzumachen, ist schwierig", sagt der Rosenheimer Sportpsychologe Sebastian Ayernschmalz. Problematisch werde es vor allem dann, wenn die Kontrolle über das eigene Verhalten verloren geht. Warnzeichen können sein: Sport trotz Schmerzen oder Verletzungen, kaum noch Ruhetage, starke Unruhe oder Schuldgefühle bei einem ausgefallenen Training. Auch wenn Freunde, Familie, Arbeit oder Schlaf zunehmend dem Sport untergeordnet werden, kann das ein Hinweis sein.

Für Ayernschmalz macht der Zwang den Unterschied. Am Ende leide auch ganz oft das Selbstbild unter dem Druck und man definiere sich nur noch über den Sport. Hinzu kommt: Zwanghaftes Sporttreiben tritt häufig gemeinsam mit anderen psychischen Problemen auf. Mehrere Analysen des Sportpsychologen Jens Kleinert von der Deutschen Sporthochschule in Köln zeigen Zusammenhänge unter anderem mit Essstörungen, Depression, Angst und zwanghaften Symptomen. Auch Stress spiele eine Rolle.

Hannah läuft heute anders

Bei Hannah war es wohl der Unistress, der zu diesem "Sportzwang" geführt hat, meint die 24-Jährige. Durch eine Therapie hat sich ihr Blick auf den Sport aber mittlerweile verändert. Pausen gehören wieder dazu, genauso wie die Frage, was ihr Körper eigentlich braucht.

"Es gibt auch andere Sachen, die mir wieder Spaß machen, außer dass ich alleine abends meine Runden laufen gehe", sagt sie. Wenn sie heute für einen Halbmarathon trainiert, dann ist es nicht mehr so, dass es nur um den Sport geht. Sie will eine gute Zeit haben, schmerzfrei und mit Pausen.

Dieser Artikel ist erstmals am 7. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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