Ein kleiner, grauer Klotz hat es kürzlich zu erstaunlich großer Bekanntheit geschafft. Anfang des Jahres war er bei dem (mittlerweile ehemaligen) US-amerikanischen Late-Night-Host Stephen Colbert zu Gast. Colbert interviewte [externer Link] den Journalisten Chris Hayes, der ein Buch über die menschliche Aufmerksamkeitsspanne geschrieben hat. Ob er denn einen "Brick" habe, fragte ihn Colbert. Nein, antwortete Hayes. Aber wovon die Rede ist, wusste er natürlich.
Der Brick ist ein kleines, flaches Kunststoff-Kästchen, das helfen soll, das eigene Smartphone in den Griff zu bekommen. Das Prinzip: Man öffnet die gekoppelte Brick-App, wählt aus, welche Apps gesperrt werden sollen, und tippt das Handy an den Brick. Um wieder Zugriff zu bekommen, muss das Gerät erneut physisch daran gehalten werden. Die Hilfe bei der Selbstdisziplinierung hat aber ihren Preis: Mehr als 60 Euro lässt sich der Hersteller den Brick kosten.
Handys wurden immer teurer und besser
Smartphones haben in den letzten zwanzig Jahren eine rasante Entwicklung hingelegt. Vor allem technologisch, aber auch preislich. Kostete ein Premiummodell der großen Hersteller wie Apple oder Samsung im Jahr 2015 noch durchschnittlich 760 Euro, sind es zehn Jahre später schon 1.300 Euro. Jahrelang wurde für immer bessere Handys immer mehr Geld ausgegeben. Jetzt gibt man mehr als 60 Euro dafür aus, sie wieder schlechter zu machen. Irgendwie paradox.
"Man muss dieses Phänomen natürlich vor dem Hintergrund betrachten, dass viele Menschen das Gefühl haben, zu viel am Handy zu sein", sagt Sebastian Klöß, Leiter für Märkte und Technologien bei Bitkom, dem Branchenverband der Informations- und Telekommunikationsindustrie. In einer repräsentativen Bitkom-Umfrage von Ende 2025 gaben 57 Prozent an, einen Moment nicht genießen zu können, weil sie am Handy seien. 27 Prozent wollten 2026 einen Digital Detox einlegen.
Zurück zu alten Handys
Ein weiteres Phänomen der Abkehr sind sogenannte "Dumbphones", also Handys mit besonders wenigen Funktionen. Kein Internet, kein Social Media, keine Algorithmen, die einen am Bildschirm halten. Besonders beliebt sind alte Nokia-Modelle. 2,8 Millionen Dumbphones wurden 2023 allein in den USA verkauft. Während die alten Handys eher preiswert zu haben sind, gibt es auch Modelle wie das "Light Phone III" für knapp 700 Dollar. Es ist ein neueres Modell, auf das zwar keine Apps geladen werden können, das aber einzelne Funktionen hat, wie einen Kalender, Notizen oder einen Podcast- und Musikplayer.
Ironischerweise bekamen die Dumbphones ihren Hype durch Social Media. Klöß glaubt, dass das Phänomen dadurch größer wirke, als es eigentlich sei. Für Deutschland sieht er kein Comeback der alten Handys. "In unserer Umfrage waren es nur zwei Prozent der unter 30-Jährigen, die ein herkömmliches Handy benutzt haben." Solche Handys seien eher noch bei älteren Menschen verbreitet, die nicht an Smartphones gewöhnt seien.
"Dumbphone" als Merkmal der Abgrenzung
Klöß glaubt auch nicht, dass sich Dumbphones reihenweise durchsetzen können. Dafür haben sich Smartphones zu sehr in unserem Alltag festgesetzt. "Für viele Menschen, die im Berufsleben sind, ist das gar nicht umsetzbar, weil sie auf ihr Handy angewiesen sind." Junge Menschen in Schule oder Studium könnten eher darauf verzichten.
Den Hype um die Dumbphones erklärt sich Klöß eher als Abgrenzungsmerkmal. "Früher ist man noch mit dem neuesten Smartphone aufgefallen und hat Aufmerksamkeit bekommen. Das hat sich geändert." Das Dumbphone sei mittlerweile wieder eine Möglichkeit, aus der Masse herauszustechen. "Es ist retro und sieht schick aus." So erklärt sich Klöß auch die hohen Preise für Handys, die eigentlich nicht viel können: Wenn etwas cool sei, dann gebe es auch die Bereitschaft, viel Geld dafür auszugeben.
Dieser Artikel ist erstmals am 3. Juni 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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