Nach 20 Jahren Gefrotzel bei der Fastnacht in Franken war es nun soweit: Die Altneihauser Feierwehrkapell'n hatte ihren letzten Auftritt auf der großen Bühne in den Mainfrankensälen. Seit 2006 war der Oberpfälzer Störtrupp fester Bestandteil der Prunksitzung in Veitshöchheim und nahm dabei die Franken stets aufs Korn. Nun sagen sie ein für alle Mal "Adé". Wir schauen zurück auf ein emotionales Finale.
"Hurra, hurra, die Oberpfalz ist da"
Ihren ersten Auftritt hatte die Feierwehrkapell'n schon früh am Abend – und das in altbekannter Manier. Als Störtrupp marschierten sie nach dem Tuba-Solo des 12-jährigen Fastnacht-Debütanten Leonard Wolf ein, woraufhin der Saal bebte.
Zwischen Franken und der Oberpfalz
Besonders anzumerken: Der junge Künstler ist halber Franke und halber Oberpfälzer. Kein Wunder also, dass sich die Feierwehrkapell'n und der "halbe Frankenjunge", wie Kommandant Norbert Neugirg humorvoll stichelte, auf Anhieb sympathisch waren. So plant auch Leonard Wolf, wie in seiner Bütt angekündigt, später "in die Lehr bei der Altneihauser Feierwehr" zu gehen. Der letzte Auftritt des Kommandanten ist etwas ganz Besonderes und allgegenwärtig. Noch wartet aber das "Finale".
"Ich bin absolut traurig"
Der letzte Auftritt der Feierwehrkapell'n naht. Viele Besucher wollten ein Foto mit den Oberpfälzern ergattern – schließlich ist es die letzte Gelegenheit hierfür in Veitshöchheim. Auch an anderen Fastnacht-Künstlern geht der Abschied der Feuerwehrtruppe nicht spurlos vorbei. "Ich bin absolut traurig. Die Jungs sind wirklich phänomenal", sagt der "Neue": Phillipp Weber. Ob sie in Veitshöchheim fehlen werden? "Das ist gar keine Frage. Man merkt schon jetzt eine leichte Melancholie bei den Mitwirkenden", so Weber weiter. Die Feierwehrkapell'n und er sind keine Unbekannten: Schon vor etwa zehn Jahren traten sie zusammen bei "Kabarett aus Franken" auf.
Würdiger Ausklang
Auch Fastnacht-Urgestein Peter Kuhn findet klare Worte: "Sie haben einen sehr würdigen Abschluss gefunden. Sehr emotional, sehr echt." Augenzwinkernd fügt er hinzu: "Die werden weinen, die harten Oberpfälzer." Der Abschied gehört laut Kuhn aber dazu. Auch ihn werde dieser irgendwann ereilen. Das Wichtigste sei aber, wie es so schön heißt, "das Erhalten der Flamme, nicht das Bewahren der Asche", also, dass "nach einem Abschied neue Künstler hinzukommen, die den Geist der Fastnacht weitertragen", so der Büttenredner weiter.
Das große Finale
Die Altneihauser Feierwehrkapell'n marschiert zu ihrem letzten Auftritt ein. Nach zwei Jahrzehnten geht eine Ära zu Ende. Dass ihnen der Abschied nahegehen wird, damit hat Kommandant Norbert Neugirg schon länger gerechnet. Das Publikum steht, als sie die Bühne betreten. Wie man es von ihnen kennt, lassen sie es sich nicht nehmen, gegen Franken zu frotzeln: "Das Beste soll beim Frankenwein bekanntlich ja die Flasche sein, aus trübem Glas, grün oder braun, denn es ist besser, nicht hineinzuschau'n."
Bühnenabschied
Zum Ende gibt es Standing Ovation, einen bebenden Saal und Rufe nach einer Zugabe. Der Auftritt ist emotional, leidenschaftlich und eindrucksvoll. Sitzungspräsident Christoph Maul betritt die Bühne und verabschiedet die Altneihauser Feierwehrkapell'n mit einem letzten dreifach donnernden "Helau!" Zum Abschluss stimmen die Oberpfälzer einen letzten Song an und müssen doch zugeben, wie herrlich es die letzten 20 Jahre in Franken war und rücken damit ab.
Die letzten Worte
Die Feierwehrkapell'n wird vor dem Saal von einer Menschenmenge erwartet. Der Abschied fällt nicht leicht, weder den Oberpfälzern noch ihren Fans. Auch Ministerpräsident Markus Söder sagt: "Die letzten 20 Jahre wären ohne euch nicht denkbar gewesen, ihr hinterlasst eine große Lücke." Auch andere Prominente finden das Ende des Störtrupps schade: "Ich habe im Saal und auf der Bühne eine Ergriffenheit gespürt", so Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag.
Niemals vergessen
Die Auftritte der Altneihauser Feierwehrkapell'n sind ein Stück Fastnacht-Geschichte: Unterhaltung, Kult und immer ein Highlight der Sendung. Auch Norbert Neugirg zeigt sich berührt: "Vielen Dank an alle, die uns zugehört und zugeschaut haben. Leichter Herzschmerz, aber wir haben uns entschieden und da müssen wir auch durch." Sie gehen zwar von der Bühne, werden aber aus den Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer so schnell nicht verschwinden.
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