Verkehrsinfarkt auf der Ludwigstraße in der Münchner Innenstadt.
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Verkehr auf der Ludwigstraße Richtung Odeonsplatz
Bildrechte: BR/Fabian Stoffers
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Hitze- oder Denkmalschutz: Muss die Ludwigstraße grüner werden?

Hitze- oder Denkmalschutz: Muss die Ludwigstraße grüner werden?

Mehr Bäume, begrünte Fassaden, kühlere Plätze: Städte müssen sich an die Klimakrise anpassen. Doch was passiert, wenn Hitzeschutz auf Denkmalschutz trifft? In München entzündet sich die Debatte an einer der bekanntesten Straßen der Stadt.

Über dieses Thema berichtet: Capriccio am .

Die Luft über dem Asphalt, Plätze und Fassaden speichern die Wärme wie ein aufgeheizter Ofen. Wer dieser Tage durch München läuft, merkt schnell: Ein paar Schritte können den Unterschied machen zwischen unerträglicher Hitze und einem Ort, an dem man gerne stehen bleibt.

Im Stadtteil Westend richtet Marion Eder vom Verein Green City eine Wärmebildkamera auf Hauswände, Pflasterflächen und Pflanzen. Auf dem Display wird sichtbar, was auch ohne Messgerät offensichtlich ist: Wo Grün wächst, sinken die Temperaturen deutlich.

Mehr Grün gegen die Hitze

Bei einer Exkursion durch begrünte Innenhöfe im Westend zeigen Eder und Landschaftsarchitekt Wolfgang Heidenreich, wie groß die Unterschiede sein können. Auf einem Innenhofpflaster misst Heidenreich mehr als 40 Grad Oberflächentemperatur. Wenige Meter weiter, auf einer begrünten Fläche, liegen die Werte deutlich niedriger.

"Die größte Kühlleistung haben einfach Bäume", sagt Heidenreich. Über ihre Blätter verdunsten sie Wasser und schaffen ein eigenes Mikroklima. Wo kein Platz für Bäume ist, könnten begrünte Fassaden helfen. Sie verhindern, dass sich Hauswände stark aufheizen und die Wärme bis in die Nacht abstrahlen.

Der Streit um die historische Stadt

Was aus klimapolitischer Sicht sinnvoll erscheint, wird im historischen Zentrum allerdings schnell zum Problem. Bäume verändern Blickachsen, Pflanzen verdecken Fassaden und neue Gestaltungselemente können das Erscheinungsbild denkmalgeschützter Ensembles verändern.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Konflikt derzeit an der Ludwigstraße. Die Stadt München plant, die von Leo von Klenze entworfene Prachtstraße klimafester zu machen. Mehr Bäume, weniger Autoverkehr und ein grüner Boulevard sollen die Aufenthaltsqualität verbessern.

Doch die Ludwigstraße ist nicht irgendeine Straße. Sie wurde im 19. Jahrhundert als repräsentativer Stadtraum angelegt. Ihre Architektur lebt von klaren Sichtachsen und dem freien Blick auf die Fassaden. Genau diese Qualität sieht der Denkmalschutz gefährdet.

Der bayerische Generalkonservator Mathias Pfeil warnt davor, historische Orte überall mit denselben Mitteln an die Klimakrise anzupassen. Nicht jeder Stadtraum brauche zwangsläufig Bäume. Aus Sicht des Denkmalschutzes geht es darum, den Charakter eines Ensembles zu bewahren und historische Gestaltungsideen weiterhin erlebbar zu machen.

Zwischen Sichtachse und Schattenplatz

Landschaftsarchitekt Heidenreich hat Verständnis für die Denkmalpflege. Historische Gebäude seien schließlich Teil der Stadtgeschichte. Gleichzeitig sieht er die Gefahr, dass das Festhalten am Status quo zur Belastung wird. "Man muss vielleicht doch mal darüber nachdenken, wie man das lockern kann", sagt er.

Auch Marion Eder zeigt sich kompromissbereit. Nicht jede Fassade müsse vollständig verschwinden. Bereits begrünte Erdgeschosszonen oder Innenhöfe könnten einen Beitrag leisten, ohne den Charakter eines Gebäudes grundlegend zu verändern.

Tatsächlich werden Fassadenbegrünungen in denkmalgeschützten Bereichen oft eher in Innenhöfen als auf Straßenseiten genehmigt. Dort fallen Veränderungen weniger ins Gewicht, während die kühlende Wirkung erhalten bleibt.

Eine Kulturfrage der Zukunft

Der Konflikt zwischen Denkmalschutz und Hitzeschutz ist mehr als eine technische Debatte über Bäume oder Fassadenpflanzen. Er berührt die Frage, wie Städte mit ihrem kulturellen Erbe umgehen, wenn sich die Lebensbedingungen verändern. Historische Architektur erzählt von vergangenen Jahrhunderten. Doch Städte sind keine Freilichtmuseen. Sie müssen auch für die Menschen funktionieren, die heute in ihnen leben.

Die Münchner Ludwigstraße könnte zu einem Testfall werden. Dort entscheidet sich, wie eine Stadt ihr Erbe bewahrt und sich zugleich an eine neue Realität anpasst.

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