Linda Dallmann brachte ihre Sicht der Dinge unverblümt zum Ausdruck. "Ich finde, in der ersten Halbzeit haben wir noch ein bisschen mit Kötteln in der Hose gespielt", grinste die deutsche Nationalspielerin nach dem 2:1-Sieg der FC Bayern Frauen im Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Manchester United.
FC Bayern Frauen starten nervös
Vor 25.000 Zuschauern in der Allianz Arena waren Dallmann und Co. schlecht in das Match gekommen. Der Rahmen und die Bedeutung der Partie schienen schwer auf der Mannschaft zu lasten, obwohl man durch das 3:2 im Hinspiel eigentlich eine gute Ausgangslage geschaffen hatte.
Der nervöse Beginn hatte Folgen: Schon in der 11. Minute traf Melvine Malard für United und glich das Ergebnis aus der vergangenen Woche vorläufig aus. "Wir sind noch nicht endgültig daran gewöhnt, hier zu spielen. Vielleicht hat das eine Rolle gespielt", analysierte Dallmanns Teamkollegin Glodis Viggosdottir die Anfangsphase und schob hinterher: "Aber das ist hoffentlich etwas, das wir schnell beheben können."
ManUnited-Spiel als Spiegel für Bayern-Saisonverlauf
Tatsächlich brauchten die Bayerinnen ein wenig, um sich an die Kulisse zu gewöhnen. Erst mit fortlaufender Spieldauer wurden sie sicherer und übernahmen Schritt für Schritt die Kontrolle. Insbesondere nach dem Seitenwechsel fand das Spiel weitgehend in der Manchester-Hälfte statt, was schließlich durch die Tore Viggosdottir (81.) und Dallmann (84.) in der Schlussphase belohnt wurde.
Das Rückspiel gegen ManUnited zum dritten Einzug ins Königsklassen-Halbfinale der Vereinsgeschichte spiegelte dabei ein wenig den Saisonverlauf der Münchnerinnen in der höchsten europäischen Spielklasse wider. Schließlich hatte man die Jagd auf Europas Krone mit einem desaströsen 1:7 beim FC Barcelona begonnen.
Kett über Barcelona: "Haben eine Rechnung offen"
Doch wie gegen United zeigte das Team Nehmerqualitäten, schüttelte die Abreibung ab, ließ in der Gruppenphase Siege gegen den FC Arsenal und Paris Saint-Germain folgen und steht erstmals seit 2021 wieder in der Vorschlussrunde der Champions League, wo es aller Wahrscheinlichkeit nach erneut zum Aufeinandertreffen mit Barca um die mehrmalige Weltfußballerin Alexia Putellas kommt.
Die Motivation könnte nach dem Debakel aus dem vergangenen Oktober kaum größer sein. "Da haben wir auf jeden Fall eine Rechnung offen", sagte Franziska Kett und kündigte selbstbewusst an: "Ich glaube, wenn wir die Leistung auf den Platz bringen, die wir die letzten Wochen gezeigt haben, wird es schwer, dass uns jemand schlägt."
Dallmann glaubt an Chance gegen Barca: "Viel passiert"
Auch Dallmann wollte das Licht ihrer Mannschaft nicht unter den Scheffel stellen. Zu groß ist die Entwicklung des Teams. "Wir hatten viele Lehrstunden diese Saison, aber Barca war schon die Größte. Seitdem ist extrem viel passiert", erklärte die 31-Jährige.
Eine wichtige Rolle bei den Veränderungen kommt Trainer Jose Barcala zu. "Ich denke, er (Jose Barcala, Anm. d. Red.) gibt uns Ruhe und Selbstvertrauen, weil er selbst sehr ruhig und selbstbewusst ist. Davon zehren wir", schwärmte Viggosdottir von dem Spanier.
Barcala beeindruckt Team: "Glaubt an uns"
Mit ihrem Lob für Barcala steht die Isländerin nicht alleine. Dallmann hob die Reaktion des 44-Jährigen auf die Klatsche in Barcelona hervor: "Es war von Anfang an krass, wie Jose darauf reagiert hat und gesagt hat: Er glaubt an uns. Wenn wir das Spiel noch mal spielen, würde er es genauso wieder probieren."
Barcalas Qualitäten sind mehr als sonst bei der Vorbereitung auf die Revanche gegen Barcelona gefragt. Diese gestaltet sich nämlich alles andere als einfach. Nach dem Halbfinale im DFB-Pokal gegen die SGS Essen am Montag steht eine zweiwöchige Länderspielpause an. Danach geht es in der Champions League weiter. Für den Coach, um mit seinen Schützlingen zu arbeiten.
Rech: Spaß statt Druck
Ein Vorteil für die Münchnerinnen: Das Saisonziel in der Champions League ist mit dem Halbfinale bereits erreicht. Nun kann man befreit aufspielen, wie Bianca Rech, Direktorin der Frauenfußball-Abteilung des FC Bayern, klarstellte: "Wichtig ist, dass wir die Ruhe bewahren, das locker angehen und nicht verkrampfen. Wir haben den Schritt ins Halbfinale geschafft. Das, was jetzt kommt, soll uns ganz viel Spaß machen."
