Für Philipp Lahm beginnt Respekt nicht erst im Profifußball – sondern schon auf dem Amateurplatz. Der Weltmeister von 2014 sieht Vereine als wichtigen Ort für gesellschaftlichen Zusammenhalt und warnt gleichzeitig vor einem raueren Umgangston in der Gesellschaft.
"Mit der Ungewissheit, mit Polarisierung - umso wichtiger ist, dass wir gegenseitig Respekt zeigen", sagte Lahm im BR24Sport-Exklusivinterview. Gerade im Fußball würden Kindern wichtige Werte früh vermittelt: "Im Fußball hat man immer klare Regeln und da muss man auch Respekt haben gegenüber den Regeln."
Lahm sieht gesellschaftliches Problem
Dass Respekt heute vielerorts verloren gehe, beobachte Lahm längst nicht nur im Sport. "Man merkt es an der Gesellschaft", sagte der frühere Nationalmannschaftskapitän. Immer häufiger würden Menschen beleidigt oder sogar angegriffen, etwa Bahnmitarbeiter oder Schiedsrichter auf Amateurplätzen.
"Es sind Ausnahmefälle, das darf man nicht vergessen. Aber auch die Ausnahmefälle sind zu viel." Philipp Lahm
Gleichzeitig warb der 41-Jährige dafür, stärker auch andere Perspektiven einzunehmen. Im Fußball müsse nicht nur Verständnis für Spieler entstehen, sondern auch für Schiedsrichter. "Der Schiedsrichter macht keine absichtlichen Fehler", sagte Lahm. Umgekehrt müsse ein Unparteiischer aber auch wissen, "dass Spieler emotional sein können".
"Verständnis füreinander zu generieren ist heutzutage sehr wichtig." Philipp Lahm
Eltern und Trainer in der Verantwortung
Eine zentrale Rolle bei der Vermittlung von Werten sieht Lahm bei Eltern und Trainern. "In erster Linie kommt es immer noch von zu Hause", sagte der ehemalige Bayern-Kapitän. Auch das Verhalten der Eltern am Spielfeldrand sei entscheidend.
Lahm trainiert selbst eine Jugendmannschaft und setzt dabei vor allem auf klare Kommunikation. Wenn Eltern zu laut würden oder sich zu stark einmischten, müsse man früh eingreifen. "Respekt heißt nicht, dass man nicht diskutieren darf", sagte Lahm. Wichtig sei, Probleme offen anzusprechen.
"Früh genug eingreifen, wenn jemandem etwas auffällt - das ist enorm wichtig." Philipp Lahm
Wie prägend Trainer für Kinder sein können, weiß Lahm aus eigener Erfahrung. Noch heute denke er gerne an seinen ersten Coach zurück. "Ein Trainer ist nicht nur ein Trainer, sondern eine unglaubliche Bezugsperson", sagte der Weltmeister.
Lahm fordert mehr Unterstützung fürs Ehrenamt
Große Bedeutung misst Lahm auch dem Ehrenamt bei. Viele Menschen engagierten sich seit Jahren in Vereinen und hielten den Amateurfußball am Laufen. "Ehrenamt gibt einem auch sehr, sehr viel", sagte Lahm.
Gleichzeitig sieht er Herausforderungen für die Zukunft. Vor allem jüngere Menschen müssten wieder stärker für Vereine begeistert werden. "Wir müssen schauen, dass wir ein bisschen jünger werden", sagte Lahm mit Blick auf das Ehrenamt.
Wichtig sei dabei vor allem mehr Unterstützung und Wertschätzung. Ehrenamtliche bräuchten Anerkennung, bessere Vernetzung und Möglichkeiten zur Weiterbildung. Gerade im Amateurfußball seien sie unverzichtbar. "Sie engagieren sich für die Sache und für andere Menschen", sagte Lahm: "Das ist einfach beeindruckend."
BR feiert Bayerns Sportvereine: #Sportvereint - So können sich Sportvereine bewerben
Der BR feiert mit #SportVereint die heimlichen Heldinnen und Helden in Bayerns Sportvereinen. 70 Vereine können je 1.000 Euro gewinnen – plus Besuch von Promis und Spitzensportlern. Ihr wollt dabei sein? Dann meldet euren Sportverein jetzt an. Erzählt uns, was euren Verein besonders macht, wer eure heimlichen Heldinnen oder Helden sind und was ihr mit den 1000 Euro anstellen würdet. Schickt uns gerne auch Fotos oder ein Video.
Und mit etwas Glück geht vielleicht der ein oder andere langgehegte Wunsch in Erfüllung, der BR richtet das Scheinwerferlicht auf euren Verein und/oder ein Promi kommt euch besuchen. Einsendeschluss ist Montag, der 22. Juni 2026 um 23:59 Uhr. Bei Fragen wendet euch an sportvereint@br.de.
