Johannes (25) ist angestellter Schwimmlehrer bei einer Münchner Schwimmschule. Um die 18 Schwimmkurse unterrichtet er pro Woche in verschiedenen Programmen. Ein typisches Angebot ist das Komplettpaket für Kindergartenkinder: Während der Kindergartenzeit werden die Kinder abgeholt, erhalten den Schwimmunterricht und kommen dann wieder zurück.
In den Einsteigerkursen geht es zunächst um Wassergewöhnung – Paddeln, Blubbern, Springen, erste Gleitübungen. Später folgen Aufbaukurse, in denen die Kinder ohne Schwimmhilfen ihre Bahnen ziehen lernen und Techniken wie Brust- oder Rückenschwimmen einüben. Für besonders gute Schwimmerinnen und Schwimmer gibt es zudem Talentfördergruppen mit anspruchsvollerem Training. Ein typischer Schwimmlehrer betreut dabei mehrere Leistungsstufen parallel, plant Übungen, sichert die Gruppe im Wasser ab und bleibt gleichzeitig Ansprechpartner für Kinder und Eltern. Dabei darf er nie abschalten: "Ich habe volle Verantwortung für die Kinder."
Dienstmarke gegen Seepferdchen getauscht
Schwimmlehrer stand nicht schon immer auf Johannes Plan, er wollte eigentlich etwas ganz anderes machen:
Seine erste Ausbildung absolviert Johannes bei der Bundespolizei. Knapp ein Jahr arbeitet er bereits als Polizist, als ihm klar wird, dass der Job nicht das richtige ist. "Ab da habe ich einen Schlussstrich gezogen und mich komplett neu orientiert", sagt er. Inspiriert von seiner Mutter, die selbst Erzieherin ist, beschließt Johannes den Wechsel. "Ich habe etwas gesucht, was den Sport und das Pädagogische mit Kindern verbindet", erzählt er.
In Deutschland gibt es keine einheitliche gesetzliche Regelung, wer Schwimmkurse in einer privaten Schwimmschule geben darf. Allerdings bieten unterschiedliche Verbände Qualifizierungen an. Johannes hat zum Beispiel den Kurs des Deutschen Schwimmverbandes "Kursleitung Schwimmen lernen" absolviert. Zusätzlich hat er alle Rettungsschwimmer-Medaillen. Sein Traum ist, die Schwimmschule eines Tages zu übernehmen.
Standards der Trainingspraxis
Der Deutsche Schwimm-Verband setzt für Schwimmtrainer wie Johannes im Bereich des Kinder- und Jugendsports besondere Vorrausetzungen. Trainer sind zu regelmäßigen Schulungen im Bereich der Prävention und Kinderschutz verpflichtet, für Festangestellte sind diese jährlich fällig. Im Umgang mit Kindern halten sich Schwimmlehrer an einen Verhaltenskodex. Dazu zählt unter anderem keine abwertende Sprache, niemand wird zu Übungen gezwungen, Transparenz und Absprache bei Einzeltrainings und ein allgemein sensibilisierter Umgang. Durch seine Bronze-, Silber- und Gold-Medaillen im Rettungsschwimmen hat Johannes praktische Kenntnisse bei Gefahr am und im Wasser.
Was verdient ein Schwimmlehrer?
Johannes verdient 3.000 Euro brutto, das sind aktuell für ihn 2.030 Euro netto. Von Johannes Bruttogehalt gehen nur die Lohn- und Kirchensteuer und die Renten- und Arbeitslosenversicherung ab. Durchschnittlich arbeitet er 40 Stunden in der Woche. "Für meine Verhältnisse reicht mir das locker", erzählt er. Für ihn steht jedoch die Leidenschaft im Vordergrund.
Bei der Bundespolizei würde Johannes laut der Website der Bayerischen Polizei als Polizeioberwachtmeister im ersten Jahr nach der Ausbildung, mit einem Grundgehalt von 2.862 Euro, um die 2.500 Euro Nettogehalt bekommen.
"Es bedeutet mir alles, wenn ich sehe, wie sich die Kinder freuen", erklärt Johannes. Sein Beruf macht ihm Freude und hält ihn fit. Der Wechsel hat sich gelohnt. Johannes hat seine Karriere früh umgestaltet, doch wie sieht es nach 20 Jahren Berufserfahrung aus?
Alex wurde nach 20 Jahren als Tramfahrer zum Hausmeister, mehr dazu hier: Nach 20 Jahren: Berufswechsel zum Hausmeister – Lohnt sich das?
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