Herbst und Winter sind die Hauptsaisons für Erkältungen. Um diese zu verhindern, gibt es altbewährte Ratschläge zu dem Thema. Viele der oft gehörten Tipps sind wissenschaftlich jedoch umstritten.
Kann Kälte eine Erkältung auslösen?
Es steckt doch schon im Wort - Erkältungen müssen doch eigentlich mit Kälte zu tun haben. Schließlich treten sie in den kalten Monaten auch besonders häufig auf. Aber: Erkältungen oder grippale Infekte werden durch Viren, nicht unmittelbar durch kalte Temperaturen ausgelöst. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Kälte die lokale Virusabwehr in der Nasenschleimhaut beeinträchtigen kann. Ob warme Kleidung deshalb tatsächlich vor einer Erkältung schützt, ist damit nicht bewiesen.
Sind kalte Duschen gut für das Immunsystem?
Wissenschaftler aus den Niederlanden (externer Link) gingen dieser These nach. In ihrer Studie meldeten Menschen, die ihre Dusche 30 bis 90 Sekunden lang kalt beendeten, weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten. Tatsächlich krank waren sie jedoch nicht seltener als die Vergleichsgruppe. Ob kalte Duschen die Infektabwehr stärken, lässt sich daraus nicht schließen. Allerdings sind sie nicht für alle Menschen unproblematisch: Vor allem bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann eine starke und plötzliche Kälteeinwirkung den Kreislauf belasten.
Kann Händewaschen Erkältungen verhindern?
Die Hände sind ein wichtiger Übertragungsweg für Krankheitserreger. So können beim Berühren einer Türklinke Keime auf die Hände gelangen. Reibt man sich anschließend die Augen oder fasst sich an die Nase, können die Erreger auf die Schleimhäute gelangen. Regelmäßiges Händewaschen kann die Verbreitung von Viren und das Ansteckungsrisiko senken. Dafür sollten die Hände 20 bis 30 Sekunden lang gründlich eingeseift werden. Einen vollständigen Schutz bietet Händewaschen allerdings nicht, weil Atemwegsviren auch über die Luft und bei direktem Kontakt übertragen werden können.
Helfen Vitamin C und Zink gegen Erkältungen?
Ohne Vitamin C und Zink dauert eine Erkältung eine Woche, mit ihnen sieben Tage. Wer regelmäßig Vitamin C einnimmt, ist im Allgemeinen nicht seltener erkältet. Das zeigt eine systematische Auswertung der bisherigen Studien (externer Link). Die Beschwerden können aber geringfügig kürzer andauern und schwächer ausfallen.
Wird Vitamin C erst nach Beginn einer Erkältung eingenommen, ist kein verlässlicher Nutzen nachgewiesen. Auch Zink beugt Erkältungen laut einer systematischen Studienauswertung (externer Link) nicht überzeugend vor. Bei einer bestehenden Erkältung könnte es die Krankheitsdauer etwas verkürzen. Die Belege dafür sind jedoch unsicher. Zudem kann Zink Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verdauungsbeschwerden oder einen unangenehmen Geschmack verursachen.
Wie wichtig ist Schlaf bei einer Erkältung?
Wer sich krank und erschöpft fühlt, sollte sich körperlich schonen. Wer zu Hause bleibt, verringert außerdem das Risiko, andere Menschen anzustecken. Studien (externer Link) deuten darauf hin, dass regelmäßig zu kurzer Schlaf die Anfälligkeit für Erkältungen erhöhen kann. Ob zusätzlicher Schlaf eine bereits bestehende Erkältung schneller abklingen lässt, ist dagegen nicht ausreichend untersucht.
Helfen Ingwertee und Honig bei Erkältungen?
Warme Getränke können Erkältungsbeschwerden wie Husten und einen gereizten Hals lindern. Ausreichend zu trinken, beugt zudem einem Flüssigkeitsmangel vor. Generell ist es sinnvoll, bei einer Erkältung ausreichend zu trinken. Auch Honig kann Husten lindern. Eine systematische Auswertung von 14 Studien (externer Link) ergab, dass Honig Hustenhäufigkeit und -stärke bei Atemwegsinfekten verringern kann.
Die Aussagekraft der untersuchten Studien war jedoch begrenzt. In Ingwer sind Stoffe enthalten, die im Labor gegen Rhinoviren wirken, einen der häufigsten Verursacher der klassischen Erkältung. Ob Ingwer deshalb auch Erkältungsbeschwerden beim Menschen lindert, ist jedoch nicht ausreichend belegt. Einige Inhaltsstoffe der Wurzel wirken zudem entzündungshemmend.
Was bringt eine Nasendusche bei Erkältungen?
Nasenspülungen mit Salzlösung sollen Erkältungsbeschwerden lindern. Ob Nasenduschen jedoch Erkältungen vorbeugen oder deren Verlauf verkürzen können, ist umstritten. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine regelmäßige Anwendung die Zahl akuter Atemwegsinfekte senken kann. Bei einer bestehenden Erkältung konnten Nasenspülungen zudem die Beschwerden von Kindern lindern und die Nasenatmung erleichtern. Eine australische Forschungsgruppe kam in einer systematischen Auswertung von fünf Studien (externer Link) jedoch zu dem Schluss, dass die bisherigen Belege für einen medizinisch bedeutsamen Nutzen schwach sind.
Im Video: Erkältungszeit - welche Hausmittel helfen wirklich?
Tipps gegen Erkältung
Dieser Artikel ist erstmals am 11. Oktober 2022 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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