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Der Zuckeranteil in Lebensmitteln, die Zuckersteuer und Marketing-Tricks sind immer wieder Diskussionspunkte in der BR24-Community. Kürzlich schrieb der User "Witzlassnach" in einem Kommentar: "Inzwischen gibt es ja auch schon Produkte, die mit 'weniger süß' werben." Daneben gibt es andere Bezeichnungen wie "zuckerfrei", "Süße nur aus Früchten" oder "ohne Zuckerzusatz", die immer mal wieder in Diskussionen genannt werden. Was ist der Unterschied?
Verbraucher legen heute mehr als früher Wert darauf, sich gesund zu ernähren. Im Ernährungsreport des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Umwelt [externer Link] geben 90 Prozent an, dass "gesund" für sie beim Essen wichtig ist. Obwohl der Preis nach wie vor letztendlich für die meisten Menschen die größte Rolle bei der Kaufentscheidung spielt, boomen Produkte, die darauf abzielen, einen gesunden Lebensstil zu unterstützen. Dabei ist ein Ausdruck der bewussten Ernährung, beim Kauf von Lebensmitteln auf einen geringen Zuckergehalt zu achten.
"Weniger süß": Ist das gesünder?
Die Kaufbereitschaft von Verbrauchern sei erhöht, wenn Slogans wie "weniger süß" und "Süße nur aus Früchten" verwendet würden, sagt Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern im BR24-Gespräch. Doch solche Aussagen würden ein Produkt oft gesünder wirken lassen, als es eigentlich sei. Dieser Trick hat sogar einen eigenen Namen: Er wird als "Halo"-Effekt bezeichnet. "Gesundheits-Heiligenschein" nennt es Krehl.
Doch gesetzlich geregelt, geschweige denn verboten, ist so etwas nicht: Hersteller dürfen Angaben wie "mit Traubenzucker" oder "weniger süß" durchaus auf die Verpackung ihrer Produkte schreiben, wenn es der Wahrheit entspricht. Auch, wenn dadurch gegebenenfalls ein falscher Eindruck vom Produkt entstehen kann.
Angaben zum Zucker sind gesetzlich geregelt
Andere Bezeichnungen hingegen sind vom Gesetzgeber klar definiert. Wirbt ein Produkt damit, "ohne Zuckerzusatz" hergestellt zu sein, darf es keinen Haushalts- oder Traubenzucker enthalten und auch keine anderen süßenden, zuckerreiche Zutaten wie Fruchtsirup oder Honig. Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe dürfen allerdings enthalten sein, diese sind kalorienarm oder sogar kalorienfrei. Wie gesund sie sind, ist aber unterschiedlich. Auch Angaben wie "zuckerfrei" (maximal 0,5 Gramm pro 100 Gramm) und "zuckerarm" (weniger als fünf Gramm) sind gesetzlich genau geregelt.
"Weniger süß" bezieht sich auf den Geschmack
Das sind Aussagen wie "weniger süß" aber nicht. Das würde auch nicht funktionieren, sagt Peter Loosen vom Lebensmittelverband Deutschland. Denn während sich die Angabe von Zucker auf den Nährwert bezieht, sind Angaben wie "schmeckt weniger süß" Geschmacksangaben – und damit subjektiv. Und es gebe ja durchaus Konsumenten, die gerne weniger süß essen wollen. Gleichzeitig könne damit aber durchaus auch ein verminderter Zuckergehalt einhergehen, so Loosen. "Das kommt dann immer auf den Einzelfall an."
Wer wissen will, ob ein Produkt nur "weniger süß" schmeckt oder tatsächlich wenig Zucker enthält, kann auf die Zutatenliste auf der Verpackung schauen. Loosen sagt: "Bei allen Lebensmitteln muss immer im Zutatenverzeichnis angegeben werden, welche Zutaten verwendet worden sind."
Zucker heißt nicht immer "Zucker"
In der Zutatenliste sind diejenigen Zutaten zuerst genannt, von denen am meisten in dem Lebensmittel enthalten ist. Das Problem daran: Zucker heißt nicht immer "Zucker". Die Verbraucherzentrale habe errechnet, dass es etwa 70 verschiedene Stoffe gebe, hinter denen sich Zucker in der einen oder der anderen Art verberge, auch wenn sie ganz anders hießen, sagt Krehl. Hinter Zutaten wie Glukosesirup oder Stärkehydrolysat verbirgt sich ebenfalls Zucker. Auch dadurch können Verbraucher getäuscht werden, so Krehl.
Nährwerttabelle gibt am meisten Aufschluss
Dieses Argument lässt Peter Loosen nicht gelten, schließlich sei seit mehr als zehn Jahren durch EU-Richtlinien vorgeschrieben, dass eine Tabelle mit den Nährwerten ebenfalls auf der Lebensmittelverpackung aufgedruckt werden müsse. In dieser Tabelle ist der Gesamtzuckergehalt angegeben – egal, hinter welchem Namen er sich gegebenenfalls verbirgt. "Weniger süß heißt nicht immer weniger Zucker. Aber wenn ich das vermute, dann habe ich immer die Chance, mir den Gesamtzuckergehalt anzuschauen und im Zweifel zwei Kekse nebeneinander zu halten. Das heißt, ich kann ganz genau sehen, wo weniger und wo mehr drin ist", so Loosen.
Auch die Verbraucherzentrale und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat geben daher den Tipp, sich hauptsächlich an der Nährwerttabelle zu orientieren, wenn man als Verbraucher wissen will, wie viel Zucker tatsächlich in einem Lebensmittel oder einem Getränk steckt.
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