(Archivbild) Undatierte Aufnahme der Therese von Konnersreuth
(Archivbild) Undatierte Aufnahme der Therese von Konnersreuth
Bild
(Archivbild) Vor 100 Jahren sollen bei Therese Neumann aus Konnersreuth erstmals Visionen und Wundmale aufgetreten sein.
Bildrechte: picture-alliance/dpa/Bildarchiv/UPI
Schlagwörter
Bildrechte: picture-alliance/dpa/Bildarchiv/UPI
Audiobeitrag

(Archivbild) Vor 100 Jahren sollen bei Therese Neumann aus Konnersreuth erstmals Visionen und Wundmale aufgetreten sein.

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

"War gespenstisch": 100 Jahre Stigmata der Resl von Konnersreuth

"War gespenstisch": 100 Jahre Stigmata der Resl von Konnersreuth

Zwischen Glaube und Zweifel: Die "Resl" von Konnersreuth bewegt Menschen seit 100 Jahren. Während ihre Anhänger von Wundern und Heilung berichten, verweisen Theologen auf Prüfverfahren und Kritik. Der Ort setzt derweil auf den Resl-Tourismus.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Glauben Zweifeln Leben am .

Vor 100 Jahren begann in der Oberpfalz eine Geschichte, die bis heute nachwirkt: Von der Schneiderstochter Therese Neumann, genannt Resl von Konnersreuth, sind damals Visionen und Stigmata überliefert. Stigmata sind Wundmale an Kopf, Händen oder Füßen, die an die Leiden Jesu erinnern. Der Ort würdigt Resl mit Führungen, einem Museum und Unterstützung beim kirchlichen Verfahren zur Seligsprechung.

Resl von Konnersreuth: Führungen im Wohnhaus

Das frühere Wohnhaus steht im Zentrum von Konnersreuth, gegenüber der Kirche. Otto Grillmeier, Rentner aus dem Ort, führt Besucher durch das Haus und hofft auf einen kirchlichen Schritt nach vorn. "Mein großes Ziel also: die Seligsprechung."

Grillmeier sagt, er habe Resl als Kind dreimal persönlich gesehen. Der Pfarrer habe ihn jeweils an einem Freitag zu ihr geführt, am Leidenstag Jesu, an dem Resl nach den Überlieferungen dessen Leiden geteilt habe. Im kleinen Zimmer zeigt Grillmeier auf das Bett. "Hier hat sie gelegen. Wir haben da gestanden, die Kinder aus der Schulklasse, und der Pfarrer Naber hat uns das erklärt."

Stigmata-Erzählungen: Blut, Schmerzen, Besucherandrang

Auch Kunigunde Eckert aus Tirschenreuth erinnert sich an einen Besuch bei der Resl: "Man kommt in ein fremdes Haus, man kommt in eine Kammer, und da liegt eine Frau im Bett, mit weißen Tüchern verhüllt. Das Blut lief an ihr herunter. Die Hände lagen auf der Bettdecke. Da konnte man die Wundmale sehen." Man habe nicht stehenbleiben dürfen, sondern weitergehen müssen, sagt sie, ganz nah an der Resl vorbei: "Das war gespenstisch."

Um Resl zu sehen, kamen nach diesen Berichten bald Menschen aus nah und fern. Von Zehntausenden pro Jahr ist die Rede, viele auch aus Amerika. Eckert sagt: "Weil das halt einfach – damals schon – eine Attraktion war. Das muss man gesehen haben."

Nichts essen außer Hostie: Glaube trifft auf offene Fragen

Von Samstag bis Donnerstag sei Resl dagegen wieder ganz wie sonst gewesen, erzählt Grillmeier. Zum Mythos gehört auch die Erzählung, sie habe jahrzehntelang nichts gegessen, außer täglich einer Hostie. Ob das stimmt, und wie das gesundheitlich möglich gewesen sein soll, bleibt auch Teil der wundersamen Geschichte der Resl von Konnersreuth. Grillmeier ist jedenfalls davon "felsenfest überzeugt".

Gleichzeitig läuft in der Kirche seit Jahren ein formales Verfahren: 2005 wurde unter dem Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ein Prozess zur Seligsprechung eingeleitet.

Seligsprechung braucht Wunder: Kirche prüft weiter

Der Theologe Wolfgang Beinert weist darauf hin, dass solche Verfahren sehr lange dauern können. Er verweist auch auf kritische Einordnungen. "Da gibt es natürlich Untersuchungen. Und da hat sich besonders hervorgetan ein inzwischen verstorbener Regensburger Religionslehrer namens Josef Hanauer, der sagte, das Ganze sei Fiktion."

Für die Bewertung seien Visionen und Wundmale zudem nicht entscheidend, sagt Beinert. "Für eine Kanonisierung wird nach dem Kirchenrecht ein Wunder gefordert – genau genommen zwei: für die Seligsprechung eines und für die Heiligsprechung eines. Und das ist aber wiederum eine andere Sache."

Museum, Garten, Votivkapelle: Ort setzt auf Resl-Tourismus

In Konnersreuth sind viele überzeugt, dass Resl geholfen habe. Max Bindl sagt: "Ich war schwer krank, ganz schwer krank, und bin durch sie geheilt worden." Später wurde Bindl Bürgermeister und half mit, Strukturen für eine mögliche Seligsprechung aufzubauen.

Aus einem verfallenden Hof entstand ein Resl-Museum. Dazu kamen Resl-Garten, Resl-Walderlebnispfad und eine Resl-Votivkapelle mit Danktafeln. Bindl verbindet damit auch Erwartungen. "Wir hoffen schon, dass dadurch eine Steigerung des Tourismus kommt." Und er macht einen Vorschlag zur Reiseroute für Gäste aus dem Ausland: "Konnersreuth, München, Hofbräuhaus."

Dieser Artikel ist erstmals am 29. März 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.