Beratungsgespräch im Autismus-Kompetenzzentrum Nürnberg
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Autismus-Kompetenzzentrum Nürnberg ist überlastet
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Autismus-Kompetenzzentrum Nürnberg ist überlastet

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Autismus-Beratungsstellen überlastet: Immer mehr suchen Hilfe

Autismus-Beratungsstellen überlastet: Immer mehr suchen Hilfe

Der Welt-Autismus-Tag soll das Bewusstsein für Autismus stärken und auf Bedürfnisse von Betroffenen aufmerksam machen. Beratungsstellen, wie das Autismus-Kompetenzzentrum Nürnberg, bieten Hilfe an. Dort kann man sich vor Anfragen kaum retten.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Wenn Eltern die Diagnose Autismus für ihr Kind bekommen, dann ist das meist ein schwerer Schlag. Tausende Fragen kommen auf. Auf therapeutische Hilfsangebote müssen Betroffene oft jahrelang warten. Erste Anlaufstelle für schnelle Hilfe und Beratung in Mittelfranken ist das Autismus-Kompetenz-Zentrum Nürnberg, kurz "Autkom". Es ist zuständig für den ganzen Bezirk.

Erste Anzeichen mit drei Jahren

Auch Alexander Geist sucht Hilfe in der Beratungsstelle. Akut braucht er einen Hautarzt für seinen Sohn Nicolas, der auf ihn und seine speziellen Bedürfnisse eingeht. Nicolas ist sogenannter "frühkindlicher Autist". Das heißt, er hat eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) mit hohem Unterstützungsbedarf.

Mit drei Jahren äußerten sich die ersten Anzeichen. Nicolas macht damals immer mehr Rückschritte und hört schließlich auf zu sprechen. Heute braucht er rund um die Uhr Betreuung. Seinen Alltag wird der heute 24-Jährige nie allein bewältigen können. Tagsüber ist er in einem Pflegezentrum untergebracht, den Rest der Zeit wird er von seinen Eltern betreut.

Zahl der Hilfesuchenden steigt

Seit 2007 gibt es das Autismus-Kompetenzzentrum (Autkom) in Nürnberg. Die Zahl der Beratungsgespräche sei stetig angestiegen, sagt Sozialpädagogin Rita Winter. Vor allem in den letzten Jahren habe sich der Andrang massiv verstärkt. Alle Versorgungsangebote seien gravierend überlastet. Viele Betroffene fänden keine passenden Leistungen und stünden auf langen Wartelisten. Die Hilfesuchenden kämen deswegen immer wieder auf das Autkom zurück, das eigentlich nur eine Lotsen-Funktion habe, weil es die einzige zugängliche Stelle sei, so Winter.

Im Vergleich: 2024 gab es rund 1700 Beratungsgespräche. Im vergangenen Jahr 2025 waren es 2075.

Gesellschaft geht sensibler mit Autismus um

Als Grund für den Anstieg von diagnostizierten Autismus-Spektrum-Störungen sieht Winter einen sensibleren Umgang mit dem Thema in der Gesellschaft und auch in der Medizin. Außerdem werde der Anpassungsdruck in der Gesellschaft in ihren Augen immer größer: "Also, dass dieses Anderssein und 'ich bin nicht ganz kompatibel' an irgendeiner Stelle zu der Frage führt: Warum ist das so? Und wie kann ich damit umgehen?"

Im Autismus-Kompetenzzentrum hoffen Rita Winter und ihre KollegInnen, dass trotz klammer Kassen der Bezirk Mittelfranken eine halbe Stelle zusätzlich schafft, um Familien wie die Geists auch in Zukunft auffangen zu können.

ASS ist keine Krankheit

Autismus-Spektrum-Störungen werden nicht als Krankheiten verstanden, sondern als tiefgreifende, neurologische Entwicklungsstörungen. Autisten haben meist Probleme in der Kommunikation, im sozialen Umgang mit Mitmenschen und in der Alltagsbewältigung. Klare Strukturen und ein geregelter Alltag sind für Menschen im Autismus-Spektrum enorm wichtig.

ASS bestehen von Geburt an und werden als Form von Neurodiversität angesehen, sind also Teil unserer gesellschaftlichen Vielfalt.

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