150 Tage lang - von Sonntag, dem 7. Februar, bis Freitag, dem 9. Juli 2027 - fährt zwischen Rosenheim und Freilassing kein einziger Zug. Zwischen Freilassing und Salzburg gibt es nur einen Pendelverkehr. Besonders betroffen sind davon Pendler und Tagestouristen, die ins Chiemgau, nach Salzburg oder ins Berchtesgadener Land wollen.
Statt immer wieder einzelne Baustellen aufzumachen, wolle man alles in einem Rutsch erneuern, erklärt Christian Tradler, der das Projekt für die DB InfraGO verantwortet. Die Strecke sei in die Jahre gekommen. Durch die Bündelung aller Maßnahmen, könne man den Umbau effizienter abwickeln. In Zukunft solle die Strecke so wieder zuverlässiger werden.
Schienenersatzverkehr in drei Geschwindigkeiten
Bis zu 15.000 Fahrgäste nutzen die Strecke täglich. Ein umfangreicher Ersatzverkehr soll sicherstellen, dass sie während der Sperrung trotzdem ans Ziel kommen. Der Fernverkehr von München in Richtung Salzburg wird über Mühldorf umgeleitet. Nach Wien geht es dann über Passau.
Im Regionalverkehr übernimmt ein Schienenersatzverkehr mit mehr als 70 Bussen in drei unterschiedlichen Geschwindigkeiten: vom Express-Bus, der vor Freilassing nur zweimal hält, bis zur langsamsten Variante, die alle Haltestellen anfährt. Was wo fährt, erklärt die Bahn hier (externer Link).
Längere Fahrtzeiten - und das Risiko A8
Insgesamt dürften sich die Fahrtzeiten bis Freilassing damit um bis zu 45 Minuten verlängern. Das aber auch nur, wenn auf der A8 alles flutscht: Denn viele der Busse werden die Autobahn nutzen. Die ist ohnehin stauanfällig und nächstes Jahr soll auch dort einiges erneuert werden, wie die Autobahn GmbH dem BR auf Anfrage mitteilt. Unter anderem soll die Saalachbrücke bei Piding und die Fahrbahn zwischen Neukirchen und Anger erneuert werden. Man strebe aber an, die Sanierungsarbeiten erst nach dem Abschluss der Korridorsanierung durchzuführen und stimme sich insgesamt mit der DB InfraGO eng ab. Wegen des Alters der Bundesautobahn A8 könnten jedoch "jederzeit kurzfristige Adhoc-Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Verkehrs" notwendig werden.
Die A8 stelle ein Risiko für das Ersatzverkehr-Konzept dar, räumt Markus Egger von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft ein: "Aber über die Landstraßen zu fahren, dauerhaft über den ganzen Zeitraum der Sperrung, wäre keine Alternative."
Verständnis in der Region - wenn der SEV funktioniert
In den betroffenen Regionen stößt die lange Vollsperrung auf gemischte Reaktionen: Viele halten sie für vertretbar – wenn am Ende eine echte Verbesserung zu spüren ist. So etwa der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer von den Freien Wählern. Ihm ist wichtig, dass der Ersatzverkehr ausreichend Kapazitäten hat, "damit alle Fahrgäste pünktlich und zeitnah transportiert werden können".
Auch Birgit Seeholzer, die sich im Landkreis um Wirtschaftsförderung und Tourismus kümmert, hofft auf langfristig bessere Verbindungen. Für sie ist entscheidend, wie gut die Bahn die geplanten Änderungen kommuniziert. Man brauche diese Infos nicht eine Woche vorher, sagt sie, sondern eigentlich jetzt.
Darum scheint die Bahn bemüht: Schon im Jahr 2024 wurden die Landräte entlang der Strecke informiert, inzwischen gibt es eine Info-Website für die Öffentlichkeit (externer Link) und am Dienstag haben viele Haushalte und Büros in der Region Infoschreiben der Bahn bekommen. Vom 19.- 29. Oktober 2026 geht außerdem ein Infomobil auf Tour entlang der betroffenen Bahnsteige (externer Link).
Sorge: Pendler könnten aufs Auto umsteigen
Beim Fahrgastverband Pro Bahn gibt es die Sorge, dass genervte Pendler wegen der Sperrung dauerhaft aufs Auto umsteigen könnten. Damit das nicht passiert, seien drei Dinge wichtig, so der Bundesvorsitzende Lukas Iffländer: Eine verlässliche Fahrplanauskunft mit allen Anschlüssen; Fahrkarten und Zeitkarten, die ohne Aufpreis auch auf Umleitungs- und Ersatzwegen gelten und ein Schienenersatzverkehr, dessen Takt und Kapazität zum Bedarf passen.
Aus dem Berchtesgadener Land gibt es Kritik: Michael Wendl, Geschäftsleiter vom Tourismusverband Bergerlebnis Berchtesgaden hat von der Sperrung erst aus den Medien erfahren. Er sehe zwar ein, dass die Maßnahmen nötig sind, "aber dass es bis in die Hauptsaison dauert, hätte unseres Erachtens vermieden werden müssen".
Höhere Kosten für den Güterverkehr
Nachteile befürchten auch Unternehmer, die auf die Schiene angewiesen sind, um ihre Waren zu transportieren. Felix Höfeld vom Branchenverband Güterbahnen sagt: Unternehmen müssten während der Sperrung längere Umwege in Kauf nehmen. Und das führe zu Mehrkosten.
Ob Unternehmer, Pendler oder Tourist - am Ende hängt alles an zwei Punkten: Wie gut funktioniert das Ersatzkonzept? Und: Wird es nach der Generalsanierung wirklich besser? Die Antwort wird sich im Sommer 2027 zeigen. Wenn zwischen Rosenheim und Salzburg hoffentlich wieder Züge fahren.
Transparenzhinweis (15.10.2026, 09.00 Uhr): Wir haben in dem Absatz zu geplanten Bauarbeiten auf der A8 die Information hinzugefügt, dass die Sanierungsarbeiten erst nach dem Ende der Bahn-Vollsperrung durchgeführt werden sollen und man sich dazu eng mit der DB Infrago abstimme.
Dieser Artikel ist erstmals am 15. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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