Ausstattung, Auftreten, Aufklärungsquote: Wie gut ist die bayerische Polizei wirklich?
Ausstattung, Auftreten, Aufklärungsquote: Wie gut ist die bayerische Polizei wirklich?
Bild
Ausstattung, Auftreten, Aufklärungsquote: Wie gut ist die bayerische Polizei wirklich?
Bildrechte: Picture Alliance/Chromorange/Michael Bihlmayer (Collage: Amelie Pompe/BR24)
Schlagwörter
Bildrechte: Picture Alliance/Chromorange/Michael Bihlmayer (Collage: Amelie Pompe/BR24)
Videobeitrag

Ausstattung, Auftreten, Aufklärungsquote: Wie gut ist die bayerische Polizei wirklich?

Videobeitrag
>

Bayerns Polizei: Strenger, härter, besser?

Bayerns Polizei: Strenger, härter, besser?

Die bayerische Polizei hat den Ruf "nicht zimperlich", aber auch erfolgreich zu sein. Entspricht das Image der Realität? BR24 hat sich anlässlich des 80. Geburtstags die Leistungsbilanz, das Auftreten und die Ausstattung näher angeschaut.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Youtube am .

Was die Zahl der Polizisten pro Einwohner angeht, liegt Bayern eher hinten, auf Platz 11 von 16 Bundesländern. Stadtstaaten wie Berlin, Hamburg oder Bremen sind auf den vorderen Plätzen. In Berlin kamen 2024 auf 100.000 Einwohner 591 Polizisten, in Bayern 272. Auch ostdeutsche Länder haben deutlich mehr Personal pro Kopf. Die Gewerkschaft der Polizei Bayern (GdP) zeigt sich trotzdem zufrieden mit der Stärke der Truppe, denn sie wurde in den vergangenen Jahren regelmäßig aufgestockt.

Wie gut ist die bayerische Polizei ausgestattet?

Bayern investiere auch viel in die Ausstattung, so der Vorsitzende der GdP Bayern, Florian Leitner. Bei den Fahrzeugen liege man bundesweit sogar vorne, schätzt er. Belastbare Vergleichsstudien zu den Ausgaben aller Bundesländer fehlen zwar, aber auch Polizeiwissenschaftler Prof. Martin Thüne von der Ruhr Universität Bochum hält die bayerische Polizei für gut ausgestattet.

Wie leistungsfähig ist sie?

Bayern verzeichnet seit Jahren die niedrigste Kriminalitätsrate in Deutschland. Auf Platz zwei folgt Baden-Württemberg. Berlin landet am Ende. Auch die Bevölkerung fühlt sich sicher. Laut BR 24 Bayerntrend sind 79 Prozent der Befragten mit der öffentlichen Sicherheit zufrieden oder sehr zufrieden. Allerdings müsse man bedenken, dass Bayern aufgrund der Bevölkerungsstruktur auch eine andere Kriminalitätsstruktur habe als die Stadtstaaten, so Professor Rafael Behr von der Polizeiakademie Hamburg.

Bayern hat zudem die höchste Aufklärungsquote unter den Bundesländern. Rund 68 Prozent der gemeldeten Fälle galten im Jahr 2025 als aufgeklärt. Berlin kommt nicht einmal auf 45 Prozent. Doch Experten mahnen zur Vorsicht. Sie sagen, die Aufklärungsquote erfülle keine wissenschaftlichen Standards. Man könne sie steuern. Professor Thüne von der Ruhr Universität Bochum erklärt das so: Länder, die sehr viel kontrollieren, finden automatisch mehr. "Wenn ich jetzt beispielsweise Menschen kontrolliere, die nur noch staubähnliche Anhaftungen einer Substanz bei sich haben, dann gibt es eben Bundesländer, die zeigen das gar nicht an, weil sie faktisch nichts gefunden haben und andere Bundesländer wie Bayern bringen das bei Kleinstmengen zur Anzeige, und das sind jedes Mal dann auch aufgeklärte Taten."

Im Video: Die Bayerische Polizei – krasser, härter, besser?

Wie ist ihr Auftreten?

Im Vergleich der Landespolizeien gilt Bayern als besonders robust und "nicht zimperlich". Professor Rafael Behr erinnert an die Schwabinger Krawalle der 60er Jahre. "Dass die Polizei hier sehr hart gegen feiernde Leute vorgegangen ist, das hat eine gewisse Tradition - auch an bestimmten Delikten Exempel zu statuieren und Dinge nicht zuzulassen." In anderen Bundesländern sei man da nachgiebiger. Unlängst wurde der Polizei bei einer Razzia in einem Augsburg Club Unverhältnismäßigkeit vorgeworfen. Die Beamten hatten Gäste teils bis in den Intimbereich kontrolliert.

Staatsregierung stehe "wie ein Löwe" hinter Polizei

Eine weitere bayerische Besonderheit. Auch wenn es Skandale und Kritik gibt, werfe sich die Staatsregierung "wie ein Löwe" vor die Polizei, so Polizeiwissenschaftler Behr. In anderen Bundesländern laufe das anders. Dort zeige sich die Politik nicht so loyal. Während Florian Leitner von der GdP dieses Vorgehen richtig findet, denn "Fehler passieren überall", sehen Polizeiwissenschaftler Behr und Thüne das kritisch. Behr warnt vor einer Gefahr für die offene Gesellschaft, denn so würden Debatte abgewürgt. Thüne sieht ein Defizit. "Die meisten anderen Bundesländer besitzen unabhängige Polizeibeauftragte oder Beschwerdestellen. Bayern gehört zu den wenigen Ländern ohne solche Stellen."

Beim Thema tödliche Polizeigewalt sticht Bayern nicht heraus. Es gibt keine Hinweise auf mehr Todesfälle durch Polizeieinsätze als in anderen Ländern.

Polizeiaufgabengesetz weiter umstritten

Besonders umstritten ist das bayerische Polizeiaufgabengesetz, kurz PAG. Kern der Kritik: Die Polizei darf schon bei "drohender Gefahr" eingreifen. Sie muss keine konkrete Straftat abwarten. Professor Behr warnt: "Jeden Tag droht ganz viel. Das heißt, die Polizei darf viel früher tätig werden, die Gesellschaft wird früher verpolizeilicht." Mehrere Verbände und Juristen haben gegen das bayerische PAG geklagt. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Fazit: Die bayerische Polizei ist gut ausgestattet und die Statistiken sprechen für eine leistungsfähige Polizei. Aber alles deutet darauf hin, dass sie tatsächlich härter ist als andere.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!