Doch hohe Energiepreise und sinkender Bierkonsum machen Besitzerin Barbara Lohmeier zu schaffen.
Doch hohe Energiepreise und sinkender Bierkonsum machen Besitzerin Barbara Lohmeier zu schaffen.
Bild
Seit fast 100 Jahren gibt es die Brauerei „Bräu z´Loh“ bei Dorfen
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
Schlagwörter
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
Videobeitrag

Seit fast 100 Jahren gibt es die Brauerei „Bräu z´Loh“ bei Dorfen

Videobeitrag
>

Brauereien in der Krise – Familienbetrieb kämpft ums Überleben

Brauereien in der Krise – Familienbetrieb kämpft ums Überleben

Seit fast 100 Jahren gibt es die Brauerei "Bräu z´Loh" bei Dorfen. Doch hohe Energiepreise und sinkender Bierkonsum machen Besitzerin Barbara Lohmeier zu schaffen. Und auch eine Ökonomin kann keine baldige Besserung versprechen.

Über dieses Thema berichtet: Münchner Runde am .

Barbara Lohmeier hat Sorge, dass sie ihren Familienbetrieb eines Tages schließen muss. Ihre Urgroßeltern haben die Brauerei "Bräu z’Loh" bei Dorfen im Landkreis Erding vor 98 Jahren gegründet. Doch seit einigen Jahren muss die Braumeisterin um ihren Betrieb kämpfen. "Ich habe Angst, das Hundertjährige nicht feiern zu können", erzählt sie. "Weil ich zusperren muss, weil der Betrieb zu unrentabel ist."

Braumeisterin wünscht sich mehr Unterstützung von der Politik

Eigentlich müsste Barbara Lohmeier in neue Technik investieren – doch die ist teuer. Zu teuer, befürchtet die Braumeisterin. Ihr Dampfkessel ist mittlerweile 40 Jahre alt. Er wird mit Öl betrieben, ein neuer würde um die 80.000 Euro kosten. Ein mit Strom betriebener sei sogar dreimal so teuer. Sie hofft deswegen, dass ihr alter Dampfkessel noch lange hält.

Und auch sonst sind die Herausforderungen groß: erst Corona, dann der Ukraine-Krieg und die hohen Energiekosten, dazu noch die sinkende Nachfrage. Nach wie vor ist der Bier-Konsum nicht wieder auf das Niveau wie vor Corona gestiegen. Barbara Lohmeier fühlt sich im Stich gelassen: "Die Politik müsste uns halt besser unter die Arme greifen." Sie wünscht sich mehr Unterstützung für mittelständische Betriebe sowie Maßnahmen, um die Strompreise zu senken und die Infrastruktur auszubauen – damit "da mal was vorwärts geht".

Wirtschaftsweise: Energiepreise werden erstmal hochbleiben

Barbara Lohmeier ist mit ihrem Frust nicht allein: Aktuellen Umfragen zufolge sind mehr als 85 Prozent der Menschen mit der aktuellen Bundesregierung unzufrieden.  Die schwierige wirtschaftliche Lage setzt die Politik weiter unter Druck. Auf die Frage, ob sie Betrieben Hoffnung machen kann, antwortete die Wirtschaftsweise Veronika Grimm in der "Münchner Runde": "Das ist spontan, also in der kurzen Frist, schwierig.

Hinsichtlich der Energieversorgung seien in Deutschland "einige Dinge ambitioniert ausgebaut“ worden – unter anderem der Ausbau der nötigen Infrastruktur gehe jedoch nicht schnell genug voran: "Der Netzausbau, vor allem auch flexible Kapazitäten, Gaskraftwerke – da hinken wir massiv hinterher". Dadurch würden die Energiepreise, so die Befürchtung der Ökonomin, für eine längere Zeit noch hochbleiben.

Wird Brauerei ihr Hundertjähriges feiern können?

Staatliche Subventionen sieht Veronika Grimm jedoch kritisch: Mit ihnen werde versucht, den Strukturwandel aufzuhalten – doch das sei "ein Fehler", man könne sich nicht dauerhaft dagegen wehren. Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem grundlegenden Strukturwandel. Dieser wird unter anderem von Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischen Veränderungen und geopolitischen Herausforderungen bestimmt. "Wir sollten eher versuchen, den Strukturwandel in eine konstruktive, produktive Richtung zu lenken" – doch das gelinge Deutschland bislang "sehr, sehr schlecht".

Barbara Lohmeier will sich nicht entmutigen lassen. Denn sie hat ein Ziel: Sie hofft, dass ihr Familienbetrieb in zwei Jahren seinen 100. Geburtstag feiern kann: "Ich bin auch schon am Überlegen, wie." Ob es dem Betrieb bis dahin wirklich besser geht, ist jedoch unklar.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!