Nadine Förg will anderen Erkrankten Mut machen. Hier sieht man sie in ihrer Wohnung in Höchstädt.
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Nadine Förg will anderen Erkrankten Mut machen. Hier sieht man sie in ihrer Wohnung in Höchstädt.
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Brustkrebs mit 32: Wie eine junge Frau ihr Leben wiedergewinnt

Brustkrebs mit 32: Wie eine junge Frau ihr Leben wiedergewinnt

Nadine Förg ist 32 Jahre alt, als sie die Diagnose Brustkrebs erhält. Nach OP und Chemo ist sie krebsfrei. Doch die Erkrankung hinterlässt psychische Spuren. Besonders auf dem Land gebe es zu wenige Hilfsangebote. Jetzt will Förg selbst aktiv werden.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Nadine Förg hält eine Karte in der Hand und strahlt: "Krebsfrei" steht da in pinken Buchstaben. Vor genau einem Jahr hat die heute 34-Jährige diese positive Nachricht bekommen. Am 4. Februar 2025 – am Weltkrebstag. Zufall sagt sie. An diesem Tag wird sie jetzt jedes Jahr ihren zweiten Geburtstag feiern.

Mit nur 32 Jahren bekam sie die Diagnose Brustkrebs. Noch dazu ein ganz besonders bösartiger Tumor, triple-negativ. Eine Tumorart, die häufiger bei jungen Frauen vorkommt. Mit 75.000 Erkrankungen jährlich ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen. Nur etwa ein Prozent sind jünger als 35.

Insta-Account: Ein Leben mit Krebs – mit Höhen und Tiefen

Nach der Diagnose folgten mehrere Operationen, dann die Chemo. Als sie keine Haare mehr hatte, da konnten es alle sehen. Aber anfangs, da ist der Krebs unsichtbar, und die alltägliche Frage "Wie geht's?" von Freunden und Bekannten bereitete ihr Probleme. Deshalb beschloss sie, offen mit ihrer Krankheit umzugehen und erzählt darüber auf ihrem Instagram-Account nadines-leben.2.0: "Ich will anderen Mut machen. Zeigen: So sieht ein Leben aus mit Krebs. Das muss nicht schlecht sein. Man kann den Fokus auf das Positive lenken."

In einem Social Media Beitrag ist sie zu sehen, wie sie auf einen Berg steigt. "Meine größte Angst war es tatsächlich, dass ich es nie mehr schaffen würde, auf einen Gipfel zu laufen." Dann hat sie es während ihrer Reha einfach versucht. "Und als ich dann an dem Gipfelkreuz stand, das war... wow." Sie habe viel gelernt in dieser Zeit. Etwa, dass sie sich auf sich selbst verlassen kann – und dass sie auf sich achten muss. Sie hat eine Ausbildung zur Gesundheitstherapeutin gemacht, achtet auf ihre Ernährung, macht mehr Sport.

Doch der Krebs hinterlässt Spuren. Am Körper hat sie Operationsnarben. Noch mehr aber leidet die Psyche. Erst nach den Operationen und der Chemo komme "dieses große tiefe Loch", sagt Nadine. Dann, wenn alle meinten, man sei ja gesund. Gerade dafür aber gebe es vor allem auf dem Land zu wenige Hilfsangebote: Die nächste spezialisierte Praxis für Psychoonkologie gebe es im Landkreis Günzburg, die Wartezeiten dort seien, wie bei anderen nicht spezialisierten Psychologen, sehr lang.

Zu wenig psychologische Angebote auf dem Land

Von einer "Wartezeitfalle" in der Psychoonkologie sprechen auch Mediziner bei einem Kongress an der LMU in München Ende Januar. Krebskranke auf dem Land müssten oft weite Distanzen zu Facheinrichtungen zurücklegen. "Die moderne Krebsmedizin darf nicht an den Stadtgrenzen von Ballungsräumen enden", forderte Volker Heinemann, der Präsident der Bayerischen Krebsgesellschaft.

Für die medizinische Behandlung Krebskranker wolle man universitäre Krebszentren, lokale Kliniken und niedergelassene Ärzte besser vernetzen. Bei der psychologischen Betreuung klaffe aber eine "gefährliche Lücke", so eine leitende Oberärztin. Zwischen monatelangen Wartezeiten und nicht finanzierten Anfahrtswegen würden schwerstkranke Menschen mit ihren Ängsten allein gelassen. Man brauche dringend eine Übernahme der Fahrtkosten und eine bessere Ressourcenverteilung, damit "Wohnort und körperliche Schwäche nicht zum Ausschlusskriterium für psychologische Hilfe werden".

Nadine Förg will selbst aktiv werden – geeigneter Raum gesucht

Nadine wohnt selbst auf dem Land, in Höchstädt im Landkreis Dillingen. Bei ihrer Suche nach Hilfsangeboten, die über Selbsthilfegruppen hinausgehen, ist sie auf den gemeinnützigen Verein "LebensHeldin" [externer Link] gestoßen. Sie hat dort an einem "Sisterhood"-Treffen teilgenommen: "Da gibt's viel Austausch untereinander. Da dürfen Tränen fließen. Da ist unwahrscheinlich viel Verständnis da und es war kein ständiges Gejammer“, erzählt sie begeistert.

Weil der Verein in Süddeutschland im Gegensatz zum Norden noch nicht so präsent sei, hat sie eine Ausbildung zur Mentorin gemacht und will selbst solche Kurse anbieten, für Betroffene und Angehörige. Derzeit sucht sie noch nach einem geeigneten Raum im Landkreis Dillingen. Sie will etwas zurückgeben, für andere da sein – so wie auch andere Menschen für sie da waren.

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Nadine Förg - am 04.02 2025 und am 04.02.2026: Ihrem zweiten Geburtstag.

Auf Instagram: Krebs besiegt - jetzt will Nadine helfen

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