Ein DAV-Flyer informiert über neue Regeln im Kampf gegen Bettwanzen auf Berghütten
Ein DAV-Flyer informiert über neue Regeln im Kampf gegen Bettwanzen auf Berghütten
Bild
Neue Kampagne des DAV im Kampf gegen Bettwanzen auf Berghütten.
Bildrechte: BR/Luis Trautmann
Schlagwörter
Bildrechte: BR/Luis Trautmann
Audiobeitrag

Neue Kampagne des DAV im Kampf gegen Bettwanzen auf Berghütten.

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

BugBags und Mikrowelle: Wie der DAV die Bettwanzen bekämpft

BugBags und Mikrowelle: Wie der DAV die Bettwanzen bekämpft

Bettwanzen finden sich in Hotels weltweit – und auch auf Berghütten. Im Gepäck werden sie mit auf den Berg getragen. Es kostet viel Zeit, Nerven und Geld, um sie wieder loszuwerden. Deshalb gelten demnächst auf Allgäuer DAV-Hütten neue Regeln.

Über dieses Thema berichtet: Rucksackradio am .

Bettwanzen lieben die Nacht. Und den Menschen. Sie verstecken sich in Ritzen, sitzen am Lattenrost – Hauptsache nahe an der Matratze. Dort warten sie, bis sie einen Menschen im Schlaf buchstäblich anzapfen können. Ihre Stiche hinterlassen kleine, rot-juckende Stellen.

Im Gepäck wandern sie mit von Hotel zu Hotel, von Hütte zu Hütte. Nur so kommen sie hoch in die Berge – im Rucksack der Wanderer. Das Problem gibt es weltweit, aber gesprochen wird darüber nur selten. Damit will der Deutsche Alpenverein jetzt brechen – weil inzwischen Jahr für Jahr etwa 15 bis 20 Hütten betroffen sind.

Längst kein Tabuthema mehr

Mit Schweigen bekommt man das Problem nicht gelöst, das musste auch Heidi Thaumiller vom DAV Oberstdorf feststellen. "Ich hab mich mit Hüttenwirten unterhalten, die massiv betroffen waren, in anderen Ländern, und da muss ich sagen: Wir müssen was tun und aufpassen, dass uns das nicht passiert", sagt Thaumiller. Die DAV-Sektionen Kempten, Immenstadt, Oberstdorf und Landsberg haben deshalb beschlossen: Für ihre Allgäuer Hütten gelten ab Juli neue Übernachtungsregeln.

Mikrowelle und Kunststoffsäcke sollen helfen

Das bisherige Konzept wird um zwei Säulen erweitert, erklärt Hubert Kaufmann. Er ist Wirt der Fiderepasshütte, sie liegt bei Oberstdorf, auf knapp 2.100 Metern an der deutsch-österreichischen Grenze. Kaufmann hatte noch nie ein Bettwanzen-Problem und will, dass es auch so bleibt.

Teil 1 sieht vor, dass alle Gäste bei der Ankunft ihre Hüttenschlafsäcke und Schlafkleidung in eine Mikrowelle stecken, für 30 Sekunden bei 600 Watt. Gleichgültig, ob die Sachen frisch gewaschen sind oder man von einer anderen Hütte kommt.

Teil 2: Der Rucksack muss in einen mit Zippverschluss versehenen Plastikbeutel. Große Müllsäcke gehen nicht, weil die oft reißen und auch nicht verschließbar sind. Die Zipp-Beutel können auf der Hütte gekauft oder selbst mitgebracht werden.

Bettwanzen-Bekämpfung wird zum Dauerlauf

Der Kampf gegen die Bettwanzen kostet den DAV und die Hütten viel Geld, im vergangenen Jahr hätten allein die Allgäuer Sektionen dafür weit über 90.000 Euro ausgegeben, sagt Heidi Thaumiller. Schon vor der Saison rückt vorsorglich ein Schädlingsbekämpfer aus, um die Hütten mit Kieselgur zu behandeln. In den Lagern und Personalräumen wird das Pulver ausgebracht.

Bei Kieselgur handelt es sich um ein altes Hausmittel, das hauptsächlich aus den Schalen von Kieselalgen besteht. Im zweiten Schritt rückt Wochen später ein Bettwanzen-Hund an, der das Haus mit der empfindlichen Hundenase abscannt. Und im dritten Schritt werden jetzt eben die Gäste verstärkt in die Pflicht genommen.

Kosten schlagen sich irgendwann auch bei den Gästen nieder

All diese Maßnahmen kosten natürlich und sollte sich an der Situation nichts ändern, müsse man früher oder später die Übernachtungspreise auf den Hütten anheben, rechnet Thaumiller vor. Deshalb appelliert sie an die Gäste, dass sie, übrigens auch zu ihrem eigenen Schutz, die Mikrowelle nutzen und den Rucksack nur noch im Kunststoffsack ins Lager nehmen.

Sie empfiehlt, das gesamte Gepäck, also gebrauchte oder frische Kleidung, Waschzeug, Handschuhe, Mütze und Co. in kleine, verschließbare Beutel zu verpacken. Die Beutel könnten dann auch mit ans Bett. Alles andere soll im Rucksack bzw. dem großen Sack bleiben. Das helfe enorm gegen ein Einnisten der Bettwanzen.

Und für Daheim empfiehlt sie: Alles bei 60 Grad waschen oder mehrere Tage in den Tütchen einfrieren. Damit hilft man allen: Den Hüttenwirten, anderen Gästen und zuvorderst sich selbst. Denn wer will schon Bettwanzen daheim haben?

Dieser Artikel ist erstmals am 12. Juni 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!