Um an öffentlichen Plätzen neue Begegnungen und magische Beobachtungen zu kreieren, haben die Münchner Kulturveranstalter "Die Urbanauten" Instrumente in der Stadt verteilt. Insgesamt elf Klaviere werden gerade für die Aktion "Spiel mich!" aufgestellt. Ein Blickfang sind vor allem die neuen Gewänder der Pianos, etwa des Kuschel- oder des Korallen-Klaviers.
Hans-Zimmer-Stück vor Dönerladen zu hören
Schon kurz nachdem das erste Klavier der Aktion am Dienstag in Pasing aufgestellt war, spielt ein Junge eine Hans-Zimmer-Komposition darauf. Zwischen Fitnessstudio und Döner-Laden zeigen sich erste Zuschauer überrascht von dem klassischen Konzert am Straßenrand. Das Korallen-Klavier bleibt den ganzen Juni hier auf dem Pasinger Marienplatz stehen. Mit pinken Kraken und grünen Algen verziert haben das Instrument die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2b der Grundschule Grandlstraße in Pasing. Es sei das beste Projekt, das sie als Klasse gemacht haben, sagen die Kinder.
Klavier-Konzerte auf dem Odeonsplatz
Von Pasing fahren die Möbelpacker eines Spezialtransports mit einem weiteren Klavier an den Odeonsplatz. Vorsichtig rollen sie das Piano, das die Bayerische Landesschule für Körperbehinderte bemalt hat, vor den Eingang des Hofgartens. Lange dauert es am ersten Tag der Aktion "Spiel mich!" nicht, bis sich eine junge Münchnerin an das Klavier setzt und eine Eigenkomposition spielt. "Ich finde es schöner, in der Öffentlichkeit zu spielen, weil mir das gut tut, vor so einem passiven Publikum zu spielen", sagt die Musikerin. Fasziniert bleiben einige Touristen und Passanten stehen.
Münchner Urbanauten wollen öffentliche Räume beleben
Spontane Konzerte, entschleunigte Zuschauer - so hat sich das Initiator Benjamin David vorgestellt. Er hat die Denkfabrik "Die Urbanauten" gegründet. Sie versuchen, Stadtplätze, die eher leer oder von Hektik im Alltag geprägt sind, zu beleben. "Mit ein bisschen Musik, in dem Fall ein Klavier, wollen wir einen Grund auf die Plätze zaubern, damit man stehen bleibt", so David. "Ziel ist, dass man aufeinander acht gibt und, dass man einander wahrnimmt. “Spielen darf auf den Freiluft-Klavieren jeder. Dadurch können Menschen auch außerhalb der Konzerthäuser klassische Musik live hören.
Münchner spenden gebrauchte Instrumente
Bereitgestellt haben die gebrauchten Instrumente Münchnerinnen und Münchner. In Giesing steht zum Beispiel das ehemalige Klavier von Journalist Andreas Schubert. Es wird noch genutzt und es wird nicht verschrottet. "Ich freu mich, dass ich etwas für eine gute Sache tun konnte", sagt Schubert. "Es ist eine schöne Möglichkeit, das Klavier loszuwerden." 40 Jahre lang stand es zuvor bei ihm im Wohnzimmer.
Die Urbanauten haben die Pianos umsonst bei den Stiftern abgeholt, denn ein Klaviertransport kann teuer werden.
Künstler, Schulklassen und Gruppen gestalten Klaviere um
Neu gestaltet hat Schuberts Klavier der Künstler Martin Blumöhr. Kleine schwarz-weiße Figuren fliegen über den blauen Grund seines Pianos und formen auf der Rückseite des Klaviers ein Herz. Das solle Toleranz und Formenvielfalt repräsentieren, so Künstler Martin Blumöhr. "Wenn man dann spielt, fangen die kleinen Menschlein so als Tasten quasi an, die Gegend zu befruchten, und fliegen dann durch den Himmel. Auf der Rückseite wachsen sie dann alle zu einem Regenbogenherz zusammen - als Symbol der Toleranz".
Damit die Instrumente den Sommer unter freiem Himmel überstehen, kümmern sich Klavier-Buddys ehrenamtlich. Sie machen die Klaviere jeden Tag auf und zu und decken sie bei Regen ab. Besonders trocken braucht es etwa das Kuschel-Klavier in Berg am Laim. Denn das ist mit Plüschtieren bedeckt.
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