Die Kasse piept am laufenden Band. Ein Produkt nach dem anderen zieht Mitarbeiterin Manuela Rothenhöfer über den Scanner, hier im "Retschter-Lädchen" in Retzstadt im Landkreis Main-Spessart. Es ist ein Mittwochvormittag, die Schiebetür am Eingang des Dorfladens öffnet und schließt sich nahezu pausenlos. Manuela Rothenhöfer unterhält sich praktisch mit jedem Kunden kurz – weil sie fast alle kennt.
Und das schätzt sie so an dem Dorfladen. Das sei anders als in der Stadt, sagt sie. Die Kunden kämen auch gerne, weil sie die Verkäuferinnen und Verkäufer kennen: "Es sind ja 80 Prozent der Mitarbeiter eigentlich von Retzstadt hier, und da kennt einfach jeder jeden."
Personal als Erfolgsrezept
Und das ist Teil seines Erfolgsrezeptes, da ist sich Betreiber Peter Feldbauer sicher. Sein Dorfladen schreibe von Anfang an schwarze Zahlen, sagt er. Er sagt aber auch, dass er die Produktauswahl bewusst breit angelegt hat und ähnliche Produkte zu verschiedenen Preisen anbietet.
Eigenmarke treibt Umsatz an
Er habe sich zu Beginn überlegt, was er braucht, um sich abzuheben. Und er kam auf die Idee, eine Eigenmarke zu etablieren. Sein "Retschter Bock" umfasst Schokolade oder Gummibärchen zum Beispiel und ist nur im "Retschter-Lädchen" zu kaufen. Die Eigenmarke mache inzwischen einen großen Teil des Umsatzes aus.
Dorfläden werden weniger
Rund 250 Dorfläden gibt es in Bayern, heißt es vom Bundesverband der Bürger- und Dorfläden e.V. – die Tendenz sei leicht sinkend. Das zeige sich zum Beispiel daran, dass laut Handelsregister die Zahl der kleinen Lebensmitteleinzelhändler zurückgehe. Deutschlandweit von 9.781 im Jahr 2013 auf rund 7.900 im Jahr 2024. Zugleich bemerke der Verband auch, dass sich mehr Menschen melden, die ihren Dorfladen retten wollen, als einen neuen eröffnen.
Halb Automaten-Supermarkt, halb Dorfladen
Vor allem Automatenläden würden die Kunden schlechter annehmen. Eine Mischung zwischen einem Automatenladen und einem Dorfladen mit Personal steht in Donnersdorf im Landkreis Schweinfurt. Wenn kein Personal da ist, dann braucht es eine Bankkarte, die die Tür freischaltet. Und anders als in Retzstadt müssen die Kundinnen und Kunden hier ihre Ware selbst scannen.
Dorfladen als Umschlagplatz für Klatsch und Tratsch
Und wenn Personal da ist, dann kommen vermehrt Kunden – vor allem ältere Menschen kämen dann, stellt Mitarbeiterin Nadine Driesel fest: "Einfach, wenn dann was mit der Kasse nicht funktioniert oder wenn sie sich einfach nicht so gut auskennen, dann sind sie schon froh." Der jüngeren Generation sei das egal. Aber sie merke schon, dass der Supermarkt auch als Umschlagsplatz für Klatsch und Tratsch genutzt werde.
Der Donnersdorfer Betreiber Leonard König und Dorfladenbetreiber Peter Feldbauer aus Retzstadt sind sich einig: Menschen, die im Dorfladen arbeiten und die Kundinnen und Kunden kennen, sind Teil des Erfolgsrezeptes. Im Dorfladen gehen also nicht nur Produkte über den Tresen – sondern auch Klatsch und Tratsch.
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