Historische Theaterkulisse: Der Teeladen von Joseph Eilles
Historische Theaterkulisse: Der Teeladen von Joseph Eilles
Bild
Historische Theaterkulisse: Der Teeladen von Joseph Eilles
Bildrechte: privat
Schlagwörter
Bildrechte: privat
Audiobeitrag

Historische Theaterkulisse: Der Teeladen von Joseph Eilles

Audiobeitrag
>

Eilles-Tee und Brezn: Warum beide Spuren nach Vilseck führen

Eilles-Tee und Brezn: Warum beide Spuren nach Vilseck führen

Eilles ist bekannt für Tee und Feinkost - und hat eine Verbindung zur Oberpfalz. Der Überlieferung nach hat die Marke auch etwas mit der Erfindung der Laugenbreze zu tun. Jetzt kommt die Firmengeschichte auf die Theaterbühne.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Mitten in der Oberpfalz – abseits der großen Verkehrsachsen A6 und A93 – liegt Vilseck. Eine Kleinstadt mit rund 7.000 Einwohnern, in der man Englisch genauso gut versteht und spricht wie Oberpfälzer Dialekt. Hier, direkt am Rande des US-Truppenübungsplatzes wurde einst bayerische Geschichte geprägt. Diese handelt von Tee und Laugenbrezen – und kommt in Vilseck auf die Theaterbühne.

Erste Bäckerei Eilles war in Vilseck

Im Vogelturm nur ein paar Meter vom Rathaus entfernt befindet sich das erste deutsche Türmermuseum. Schräg gegenüber im so genannten Wünnenberghaus soll Student Elias Peißner – ein gebürtiger Vilsecker – im Jahr 1848 seine Geliebte Lola Montez vor den Unruhen in München versteckt haben. Noch heute gibt es ein Reisekleid der Königsmätresse in Vilseck, das Experten Lola Montez zuordnen. Und hier, wo sich inzwischen Pubs, eine Pizzeria, eine Eisdiele und verschiedene Geschäfte befinden, gab es im 19. Jahrhundert Frisches aus der Bäckerei Eilles.

Bäckerssohn geht nach München

Sohn Joseph Eilles ging nach München, eröffnete dort ebenfalls eine Bäckerei. Und dessen Sohn wiederum, der ebenfalls auf den Namen Josef – aber mit f geschrieben – getauft wurde, hat Geschichte geschrieben. Der draufgängerische junge Mann eröffnete 1874 am Stachus in München einen Laden für Tee. In einer Zeit, in der Tee nur in Adelskreisen und erlauchten Kreisen des Bildungsbürgertums getrunken wurde. Sein Mut wurde damals belächelt. Eilles steigt zum königlich-bayerischen Hoflieferanten auf. Heute steht der Name für eine hochwertige Tee- und Feinkostmarke, die inzwischen zum Konzern J.J. Darboven mit Sitz in Hamburg gehört.

Bayerische Brezn in Eilles' Münchner Backstube erfunden

Adolfine Nitschke leitet in Vilseck das Kulturamt. Sie hat akribisch recherchiert und die Spur der Unternehmensgeschichte Eilles bis nach Vilseck nachverfolgt. Und sie ist auf ein weiteres geschichtsprägendes Ereignis gestoßen: Einer bayerischen Legende nach soll die Laugenbreze, also die bayerische Brezn, in der Münchner Backstube von Joseph Eilles senior, der in Vilseck geboren wurde, erfunden worden sein.

Lauge statt Zuckerguss

Vorher galt die Breze als Gebäck, das mit Zuckerguss bestrichen wurde. Eilles' Mitarbeiter mit dem Namen Anton aber verwechselte die Natronlauge, die für das Reinigen der Backblecke verwendet wurde, mit dem Zuckerguss und strich kurzerhand Natronlauge auf den Brezenteig. Die Laugenbreze war geboren und soll von da an schnell bekannt geworden sein, denn sie passte wunderbar zur Münchner Weißwurst, die kurz zuvor – ebenfalls aus Versehen – in München erfunden worden war.

Geschichte von Eilles als Stoff für Freilufttheater

Der Konzern J.J. Darboven, der die Markenrechte von Eilles inzwischen hält, hat nun, nach den Vilsecker Recherchen, die Unternehmensgeschichte auf seiner Internetseite aktualisiert. Denn es war nicht der Senior Joseph Eilles, der den Teeladen eröffnete, es war sein Sohn Josef – mit f geschrieben. Dessen Motto war "Das Beste ist gerade gut genug!" und so heißt auch ein Theaterstück, das die Stadtbühne "Lolamannen" in Vilseck zeigt.

Die Regensburger Autorin Gerda Stauner hat aus dem historischen Stoff mit etwas künstlerischer Freiheit ein Freilufttheater gemacht, das den Zeitgeist der Gründerjahre Ende des 19. Jahrhunderts aufgreift – mit Hochrädern, authentischen Kostümen, Original-Teedosen und Kisten von Eilles und vielem mehr. Und auch der Name Dallmayr spielt dabei eine Rolle. Zu sehen ist das Theater mit den prägenden Momenten bayerischer Geschichte bis 11. Juli im Hof der Burg Dagestein in Vilseck.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!