Bereits mit sieben Jahren konnte Kirian aus Poing bei München seinen Namen morsen. Mittlerweile ist er neun Jahre alt – und einer der jüngsten Funkamateure Deutschlands. Damit ist er einer von etwa 61.000 Menschen in Deutschland mit Amateurfunklizenz. Etwa 11.000 davon sind in Bayern gemeldet. Einige geben ihre Begeisterung im Deutschen Museum in München weiter.
Amateurfunk: Prüfung bei Bundesnetzagentur
Wer eine Amateurfunklizenz will, muss eine staatliche Prüfung bei der Bundesnetzagentur ablegen – mit Fragen über Betriebstechnik und rechtliche Vorschriften beim Funken. Kirian Lukashevich hat ungefähr ein Jahr lang für die Prüfung gelernt. Die technischen Fragen werden in Schulen eigentlich erst in der 8. oder 9. Klasse thematisiert. Dass Kirian schon die Amateurfunkprüfung abgelegt hat, sei eine sehr beachtliche Leistung, er sei definitiv einer der jüngsten Funkamateure, bestätigt eine Sprecherin der Bundesnetzagentur auf BR-Anfrage.
Beigebracht hat ihm das Funken sein Vater. Dzianis Lukashevic ist selbst begeisterter Funkamateur und hat schon Funkverbindungen von über 500 Berggipfeln auf der ganzen Welt aufgebaut. Auf seinen Sohn ist er sehr stolz: "Am Anfang war das Funken wie ein Spiel für ihn, aber er wollte das Spiel auch gewinnen", so Lukashevic.
Kirian trainiert Amateurfunk mehrmals pro Woche
Sein Sohn funkt meistens aus dem Keller. Hinter Umzugskartons und Sonnenschirmen türmen sich in einer kleinen Nische Lautsprecher und Empfangsgeräte. Dort trainiert Kirian drei Mal pro Woche, aber erst nach dem Spielen mit seinen Freunden. Beim Funken muss man zunächst auf sich aufmerksam machen. Ziel ist, viele Kontakte herzustellen, und nicht, sich lange auszutauschen. Jeder hat sein persönliches Rufzeichen. DN9KI gehört Kirian. Der Grundschüler ist fasziniert von seinem Hobby: "Normale Menschen sprechen ja einfach. Und ich gebe so Zeichen. Für andere Menschen ist das einfach so wie eine Geheimsprache".
Deutsches Museum: Vorführungen Funktechnik
Inmitten der Elektronik-Ausstellung im Deutschen Museum zeigen auch die Funkamateure des Deutschen Amateur-Radio-Clubs tagtäglich ihr Können. Gespannt schauen ein Vater und sein Sohn auf eine Weltkarte mit vielen Pins. Darauf zeigt einer der Funkamateure, wie weit die Verbindung vom Museum reicht. Mit nur einem Watt könne man bis zu den Färöer-Inseln funken.
Bereits seit 1938 fand Amateurfunkbetrieb im Deutschen Museum statt. 1949 hat die Station des Deutschen Museums ihre Sendelizenz erlangt. Zuvor hatten die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg den Amateurfunkbetrieb verboten. Dabei hat der Amateurfunkdienst im Katastrophenfall oft bewiesen, wie nützlich er sein kann – etwa bei Erdbeben oder Überschwemmungen.
Raumwellen an Ionosphäre reflektiert
Anders als beim mobilen Internet überträgt eine Funkverbindung Daten ganz ohne Sendemast über elektromagnetische Wellen durch die Luft. Am weitesten funken funktioniert über Raumwellen, die an der Ionosphäre, einer Schicht ab 70 Kilometern über der Erde, reflektiert werden, erklärt Kuratorin der Elektronik-Ausstellung Luise Allendorf-Hoefer: "Über diese Reflektion bekommt man riesige Reichweiten – letztendlich um den halben Erdball oder auch den ganzen Erdball."
Während heutzutage auch mit Laptops digital gefunkt wird, hat man 1895 noch Signale mit Knallfunken-Sendern übertragen. Diese Sender erzeugten laut knallende Überschläge, also Funken. Und deren Energie breitete sich über eine angekoppelte Antenne als elektromagnetische Wellen aus. Daher kommt auch der Begriff "Funk" in Rundfunk.
Amateurfunk-Wettbewerb in München
Für einen Amateurfunk-Contest fährt Kirian mit seinem Vater zur Clubstation des Amateur-Radio-Clubs, einem kleinen Häuschen in Schwabing, gefüllt mit Bildschirmen und Antennen. Eine Stunde hat er Zeit, so viele Kontakte wie möglich herzustellen. Dabei muss er das Rufzeichen des anderen Funkers und dessen Ortsverband heraushören. Nach einer hochkonzentrierten Stunde kann Kirian 45 Kontakte verzeichnen, einer sogar aus Russland. 50 Kontakte waren sein Ziel. Zufrieden ist er trotzdem: "Ich glaub, ich werde nicht Erster. Ich glaub aber, in die Top 5 komme ich auf jeden Fall." Als Hobby macht Amateurfunk dem Neunjährigen Spaß. Aber Ingenieur wie sein Papa will er erst einmal nicht werden. Gerade ist Profifußballer sein Traumberuf – dafür trainiert er genauso oft wie fürs Funken.
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