Der Frankenschnellweg, die A73, ist für viele Pendler in der Metropolregion Nürnberg ein tägliches Nadelöhr. Obwohl die A73 von Norden über Erlangen und Nürnberg weiter zur A9 führt, wird sie im Stadtgebiet auf einem kurzen Abschnitt zur Kreisstraße, mit sechs Ampeln. Die Folge sind regelmäßige Staus. Ein Tunnel soll das Problem lösen. Doch nach mehr als 20 Jahren Planung steht das Projekt nun auf der Kippe.
Lange Wartezeiten sind Standard
Für Bernhard Schäfer gehört der Stau auf dem Frankenschnellweg zum Alltag. Der Nürnberger Gastronom fährt hier regelmäßig mit dem Auto und ärgert sich über die langen Wartezeiten. Die Pendler aus Erlangen, Forchheim und der gesamten Region müssten hier durch, sagt er. Viele Autofahrer wünschen sich deshalb seit Jahren einen Ausbau der Strecke.
Besonders im Bereich "An den Rampen" kommt es regelmäßig zu Rückstaus. Betroffen sind nicht nur die Fahrzeuge auf dem Frankenschnellweg selbst, sondern auch die auf den querenden innerstädtischen Verbindungsstraßen. Der Fernverkehr nutzt deshalb überwiegend die längere Strecke um Nürnberg herum.
Tunnel oder Neustart?
Über die Zukunft des Frankenschnellwegs können die Nürnberger am heutigen Sonntag in einem Bürgerentscheid abstimmen. Die Bürgerinitiative "Zurück auf Los" hat das Votum angestoßen. Wer sein Kreuz bei "Ja" macht, stimmt gegen den geplanten Ausbau der Strecke. Die Bürgerinitiative befürchtet, dass ein kreuzungsfreier Ausbau zusätzlichen Verkehr anziehen würde. Zudem halten die Gegner das Vorhaben für nicht mehr zeitgemäß.
Bayerns früherer Ministerpräsident Günter Beckstein (CSU) kann den Unmut der Bürger zwar verstehen, sagt im Kontrovers-Interview aber auch: "Was mir etwas wehmütig aufstößt, ist, dass wir nach rund 40 Jahren Diskussionen und über 20 Jahren Gerichtsverfahren zu einem Bürgerentscheid kommen, nachdem alles bei Gerichten entschieden worden ist."
Das sei wenig sinnvoll, so Beckstein weiter. Bürgerentscheide müssten künftig am Anfang der Planung stehen, nicht am Ende, nachdem alle Planungsverfahren abgeschlossen sind.
Im Video: Doch kein Tunnel-Ausbau für Frankenschnellweg?
Der Frankenschnellweg in Nürnberg sorgt seit Jahren für Streit.
1,8 Kilometer langer Tunnel geplant
Nach den bisherigen Planungen der Nürnberger Stadtverwaltung soll der Durchgangsverkehr künftig in einem 1,8 Kilometer langen Tunnel verlaufen. An der Oberfläche würden dadurch Flächen frei, die unter anderem für Grünanlagen genutzt werden könnten. Zudem sollen angrenzende Wohngebiete vom Verkehrslärm entlastet werden.
Die Kosten für das Projekt werden mit rund einer Milliarde Euro angegeben. Die Bauzeit liegt bei etwa zehn Jahren. Finanziert werden sollen 80 Prozent durch den Freistaat Bayern und 20 Prozent durch die Stadt Nürnberg.
Planung beschäftigt Nürnberg seit Jahrzehnten
Die Diskussion um den Ausbau des Frankenschnellwegs reicht weit zurück. Bereits kurz nach der Eröffnung im Jahr 1962 zeigte sich, dass die Strecke immer wieder zum Staupunkt wird. Erste Ideen für einen kreuzungsfreien Ausbau gab es schon in den 1980er-Jahren.
Ab 1997 folgte ein langwieriger juristischer Streit, das Verfahren ging durch vier Instanzen, bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Am Ende gaben die Gerichte grünes Licht und auch der Nürnberger Stadtrat sprach sich mit deutlicher Mehrheit für den Tunnel aus. Insgesamt dauerte das Verfahren mehr als 20 Jahre.
Die rund 800 Millionen Euro Fördermittel des Freistaats für das Projekt sind zweckgebunden. Sollte das Tunnelprojekt gestoppt und die Planung neu begonnen werden, könnte dieses Geld zwar anderweitig eingesetzt werden – voraussichtlich jedoch nicht in Nürnberg.
Beckstein will mit Nein stimmen
Beckstein erinnert sich an erbitterten Streit aus dieser Zeit, an Einigungen, die später wieder einkassiert wurden. Mit Blick auf die Gegenwart sagt der gebürtige Nürnberger im Kontrovers-Interview: "Wenn der Bürgerentscheid erfolgreich wäre, dann wäre die Situation für die nächsten Jahrzehnte so zementiert."
Er selbst werde am Sonntag mit Nein stimmen, so Beckstein. Aber er wisse, dass viele Menschen "mit Emotion und viel Erfahrung" für einen Planungsstopp stimmen würden. Also für eine Beibehaltung der jetzigen Situation.
Rettungsdienste meiden die Strecke
Wie problematisch die Strecke aktuell ist, wird klar, wenn man mit den Rettungsdiensten unterwegs ist. Die Malteser in Nürnberg-Eibach fahren regelmäßig den Frankenschnellweg entlang. Laut Wachtleiter Clemens Ibler werden planbare Krankentransporte teilweise so disponiert, dass der Frankenschnellweg gemieden wird, um Staus von vornherein aus dem Weg zu gehen. In Notfällen nutzen die Fahrzeuge allerdings den Frankenschnellweg und dann funktioniere dort die Rettungsgasse.
Günther Beckstein, CSU
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