Leo Mayer hockt am Boden neben einem Lkw und arbeitet. Dabei hält er ein Werkzeug in der Hand.
Leo Mayer hockt am Boden neben einem Lkw und arbeitet. Dabei hält er ein Werkzeug in der Hand.
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Von der Kfz-Werkstatt in den Friseursalon: Leo Meyer macht verschiedene Praktika im Rahmen des bayernweit ersten "Freiwilligen Handwerksjahrs".
Bildrechte: BR / Annerose Zuber
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Von der Kfz-Werkstatt in den Friseursalon: Leo Meyer macht verschiedene Praktika im Rahmen des bayernweit ersten "Freiwilligen Handwerksjahrs".

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Pilotprojekt "Freiwilliges Handwerksjahr": Was es bringen kann

Pilotprojekt "Freiwilliges Handwerksjahr": Was es bringen kann

Mechatroniker, Augenoptikerin oder doch lieber Schreiner oder Friseurin werden: Die Berufswahl ist nicht immer einfach. Die Kreishandwerkerschaft Hochfranken hilft und bietet als erste Region in Bayern jetzt ein "Freiwilliges Handwerksjahr".

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Leo Mayer setzt die Schutzbrille auf, packt sich den Schraubenschlüssel und hantiert an den Rädern eines großen Lastwagens. Es ist sein erster Arbeitstag in der Werkstatt des Nutzfahrzeug-Händlers Robert Tröger KG in Selbitz im Landkreis Hof – aber nicht als Azubi, sondern als Praktikant. Der 16-Jährige absolviert seit 1. September als Erster in ganz Bayern ein "Freiwillige Handwerksjahr".

Alle drei Monate ein anderes Handwerk kennenlernen

Mit diesem Pilotprojekt will die Kreishandwerkerschaft Hochfranken jungen Leuten in der Region Hof-Wunsiedel die Berufswahl ganz praxisnah und unkompliziert erleichtern, erklärt Kreishandwerksmeister Marco Kemnitzer das Konzept. "Wir zeigen, wie vielfältig das Handwerk ist." Die jungen Leute können alle drei Monate einen anderen Handwerksberuf intensiver kennenlernen. Leo Mayer wechselt zum Beispiel im Dezember von der Kfz-Werkstatt in eine Schreinerei, dann zum Friseur und zum Schluss noch zu einem Malermeister. "Ich bin froh über die längeren Praktika. Denn nach der Mittleren Reife war ich mir nicht sicher, was ich machen will."

500 Euro monatlich für Langzeit-Praktikum

Vorbild für das Handwerksjahr ist die Handwerkskammer Lübeck, in Bayern ist nun die Kreishandwerkerschaft Hochfranken Vorreiter. Das Angebot richtet sich an alle jungen Menschen bis zu 25 Jahren, egal ob sie nun einen Mittelschul-Abschluss haben, Mittlere Reife oder das Abitur. Die Betriebe zahlen den Langzeit-Praktikanten, die im Handwerksjahr von der Berufsschulpflicht befreit sind, monatlich 500 Euro.

Freistaat fördert "Handwerksjahr" als Pilotprojekt

Das Pilotprojekt wird bis Ende 2027 mit 150.000 Euro vom bayerischen Arbeits- und Sozialministerium bezuschusst. So konnte die Kreishandwerkerschaft innerhalb weniger Wochen zum Beispiel eine eigene Projekt-Homepage "Dein Jahr im Handwerk" (externer Link) ans Netz bringen und ab 1. September mit Miriam Ehrsam auch eine eigene Projekt-Koordinatorin einstellen.

Bisher liefen bei Franziska Bauer in der Handwerker-Geschäftsstelle in Hof die Fäden zusammen. "Wir klären in Erstgesprächen mit den Jugendlichen ihre Interessen ab, suchen dann wohnortnah passende Betriebe und bringen beide Seiten bei Kennenlern-Gespräche zusammen." So stand innerhalb kurzer Zeit der Jahresplan für Leo Mayer fest. Vier weitere Jugendliche wollen zum 1. Oktober das Handwerksjahr starten. "Wir sind beim Ablauf ganz flexibel. Orientieren uns an den Vorstellungen der Jugendlichen und der Betriebe", betont Bauer.

Großes Interesse – auch bei Betrieben

Auch wenn die Zahl der Ausbildungsverträge in Oberfranken wie in ganz Deutschland momentan stabil bleibe beziehungsweise leicht wachse – in Oberfranken haben zum 1. September 1.781 neue Lehrlinge begonnen –, sei das Interesse der Firmen am Handwerksjahr als zusätzliches Werkzeug der Nachwuchs-Gewinnung groß.

Innerhalb weniger Wochen haben sich mehr als 40 Handwerksfirmen aus der Region gemeldet. Eine der ersten war der Nutzfahrzeug-Händler Robert Tröger KG, bei dem bisher auch schon die üblichen ein- oder zweiwöchigen Schulpraktika möglich sind. "In den drei Monaten kann man die Jugendlichen besser kennenlernen. Und sie bekommen auch einen besseren Einblick in den Beruf und in den Betrieb", so Tröger-Personalreferentin Sophie Schina.

Handwerk innovativ und krisensicher

Der Hofer Kreishandwerksmeister Marco Kemnitzer hofft, dass am Ende eines Handwerksjahrs möglichst viele junge Menschen dann auch einen Ausbildungsjahr unterschreiben. Und durch die vielfältigen Erfahrungen in den verschiedenen Betrieben auch die Abbrecher-Quote zurückgeht. Das Handwerk sei innovativ und pflege gleichzeitig Traditionen: "Wir leben Werte. Das sieht man gerade auch in Krisen. Da werden in der Industrie mal schnell ein paar hundert Mitarbeiter entlassen. Das gibt es im Handwerk in der Regel nicht. Wir schauen, dass wir unsere Leute beschäftigen. Wir können uns anpassen."

BR24 auf Instagram: Pilotprojekt "Freiwilliges Handwerksjahr"

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