Drei Jugendliche laufen ein Flussbett entlang.
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Tom, Christopher und Clemens suchen einen Platz für's Frühstück: Betten, Tische oder auch nur ein Dach gibt es bei "Unter Brücken" nicht.
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Tom, Christopher und Clemens suchen einen Platz für's Frühstück: Betten, Tische oder auch nur ein Dach gibt es bei "Unter Brücken" nicht.

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Ohne Luxus, ohne Plan: Jugendliche fahren ins Unbekannte

Ohne Luxus, ohne Plan: Jugendliche fahren ins Unbekannte

Eine Woche ohne Handy, Luxus und ohne Plan. Dafür mit 56 Euro in der Tasche und einem Stimmrecht: Bei der Freizeit "Unter Brücken" entscheiden Jugendliche, wo und wie es langgeht. Vieles ist möglich. Sicher sind viele neue Erfahrungen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 vor Ort am .

Clemens Furhmann verdreht genervt die Augen. Seit zwei Stunden sitzen er und sieben weitere Jugendliche schon im Kreis am Ufer der Vils und versuchen, sich zu darauf einigen, wie es weitergeht. Über Entscheidungen stimmt immer die ganze Gruppe ab. Jeder hat eine Stimme – die sieben Jugendlichen, aber auch die vier Betreuer. Doch heute können sie sich einfach nicht einigen. Die einen wollen wieder in den Norden fahren, die anderen lieber in den Bergen bleiben. "In solchen Fällen wäre eine Diktatur praktischer", sagt Clemens. Fügt aber auch an: "Grundsätzlich ist es schon cool, wenn alle gemeinsam entscheiden."

Erwachsene greifen nur im Notfall ein

Um genau solche Erfahrungen geht es bei "Unter Brücken 2026". Die Jugendlichen sollen bei der Freizeit lernen, Verantwortung zu übernehmen, Konflikte auszutragen und auszuhalten und Lösungen zu finden. Die Regeln sind einfach: Jeder bekommt ein Deutschlandticket und 56 Euro. 49 davon für Essen, sieben Euro sind "Luxusgeld". Außerdem lassen die Betreuerinnen und Betreuer alle Entscheidungen von der Gruppe treffen. "Wir greifen nur ein, wenn es lebensgefährlich wird", sagt Zoran von Waldenfels. In einem Jahr wollte sich eine Gruppe zum Beispiel zum Schlafen direkt an Bahngleise legen. "Das geht natürlich nicht, ansonsten ist hier aber Raum für jede verrückte Idee."

Alles ist möglich

Los ging die Reise beim CVJM Landesverband Bayern in Nürnberg. Der christliche Jugendverein bietet die Reise an. Teilnehmen dürfen und sollen aber auch Jugendliche mit anderem Glauben – oder gar keinem. Keiner soll hier bekehrt werden, das Abenteuer steht im Fokus. Die Jugendlichen bekamen eine Deutschlandkarte und mussten sich für eine Richtung entscheiden. Frühere Gruppen fuhren nach Leipzig, Stuttgart oder sogar bis nach Tschechien. Dieses Jahr geht's in die Berge.

Hinfinden müssen die Jugendlichen allerdings ganz ohne Handy. Das bleibt aus. Also checkt Clemens am Bahnhof die Anzeigetafeln und Josua Detzel spricht in Peiting, ihrem ersten Übernachtungsziel, Passanten an und fragt nach dem Weg. Die Passanten sind hilfsbereit. Nach wenigen Minuten haben die Jugendlichen sogar schon einen Schlafplatz: Der Minigolf-Besitzer bietet ihnen eine Wiese zum Übernachten an. Und Zoran sagt: "Genau das macht 'unter Brücken' aus. Man trifft viele tolle, hilfsbereite Menschen."

Betreuer aus Überzeugung

Die Freizeit ist Zorans Baby. Er war vor 14 Jahren selbst als Jugendlicher mit dabei. Und erzähl: "Die eine Woche hat mich verändert." Als er dann 2019 hörte, dass die Freizeit eingestellt werden soll, übernahm Zoran die Leitung kurzerhand selbst. Er und die anderen Erwachsenen sind ehrenamtlich hier – sie machen aus Überzeugung mit.

Zur Hälfte gibt's Knatsch

Geschlafen wird unter freiem Himmel auf Planen. "Bequemer als es aussieht", sagt Josua. Aber um Luxus geht's auch nicht, sondern um Abenteuer. Das verschlägt die Gruppe in den Folgetagen bis nach Tirol. Dort haben sie zur Hälfte der Freizeit aber einen kleinen Durchhänger. Zoran erklärt: "Das ist ganz normal und jedes Jahr so." Erst sei die Gruppe voller Vorfreude und Elan. "Irgendwann entsteht aber ein bisschen Chaos."

Zoran findet das besonders spannend. "Es entstehen Konflikte und es gibt keine richtige Exit-Strategie. Wir sitzen ja die ganze Zeit aufeinander." Jedes Jahr beobachtet Zoran: "Die Jugendlichen lernen dabei, dass sie so sein dürfen, wie sie sind. Und auch mal schlecht gelaunt sein dürfen. Aber dass es wichtig ist, um dann nach Lösungen zu suchen." Nach zwei Stunden Diskussion heißt die Lösung bei der weiteren Reiseplanung: Erstmal zum Bahnhof fahren und dann weitergucken.

Wehmütig am Ammersee

Am letzten Tag ist Ruhe eingekehrt. Die Gruppe ist zusammengewachsen. Sie sind gemeinsam durch Matsch gewatet, haben unter den Planen im Sturm geschlafen, gekocht, gelacht, gesungen. Christoph steht am Ufer des Ammersees, ihrer letzten Etappe. "Die Freude, die am Anfang da war, geht jetzt in Trauer über, weil ich dann nicht mehr mit den Leuten hier abhängen kann." Aber: "Vielleicht treffen wir uns ja im nächsten Jahr wieder."

Dieser Artikel ist erstmals am 24. August 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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