Lernen an einem Simulationsbaby: Eine Pflegestudentin der Hochschule München übt den Ernstfall "Atemnot" an einer täuschend echten Puppe.
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Lernen an einem Simulationsbaby: Eine Pflegestudentin der Hochschule München übt den Ernstfall "Atemnot" an einer täuschend echten Puppe.
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Lernen an einem Simulationsbaby: Eine Pflegestudentin der Hochschule München übt den Ernstfall "Atemnot" an einer täuschend echten Puppe.

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Gegen den Pflegenotstand: Studium mit Hightech

Gegen den Pflegenotstand: Studium mit Hightech

Bayern braucht Pflegekräfte. Neben der klassischen Ausbildung ist auch ein Studium möglich. Die Fakultät MUC.HEALTH der Hochschule München setzt dabei auf innovative Pflege-Studiengänge, einem modernen Pflegelabor und Hightech-Puppen – mit Erfolg.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Probe-Alarm auf der Frühchen-Station: Paul, 1.000 Gramm leicht, in der 30. Woche geholt, bekommt keine Luft mehr. Er läuft blau an. Die Geräte, an die Paul angeschlossen ist, piepen und blinken. Pflege-Studentin Seija Knorr-Köning eilt herbei, muss helfen. Die 32-Jährige öffnet vorsichtig eine Seitenklappe des Inkubators, greift hinein, redet ruhig auf Paul ein und stimuliert sanft ein Füßchen. Ein Handgriff und der kleine Patient ist gerettet: Paul atmet wieder.

Zum Artikel: Ausbau der Pflegeplätze in Bayern kommt langsam voran

An einem Hightech-Simulationsbaby den Notfall üben

Paul ist eine Simulations-Puppe, ein High-Tech-Gerät. Das 80.000 Euro-teure-Frühchen kann nicht nur blau anlaufen. Seine Organe machen Geräusche, es hat messbaren Blutdruck und es schreit. In dem Pflegelabor lernen die Studierenden der Angewandten Pflegewissenschaft täuschend echt nachempfunden alltägliche Pflege- und Notfallsituationen.

Für Erstsemesterin Seija Knorr-Köning ist das Studieren mit der Hightech-Puppe Paul aufregend neu. "Das ist eine sehr gute Möglichkeit, eine Ausnahmesituation wie diese gerade in so einem geschützten Rahmen auszuprobieren", sagt die Münchnerin. "Ich fühle mich auf jeden Fall sicherer."

Fehler machen, um Erfahrungen für die Praxis zu sammeln

Das Gute: Die Studierenden dürfen Fehler machen. So werden sie besser auf das Arbeiten in Kliniken und Heimen vorbereitet. Aktuell gibt es 60 Erstsemester in Angewandte Pflegewissenschaft an der MUC.HEALTH (Munich Campus for Health and Engineering). Das Ziel des Studiums: Die Studierenden sowohl praktisch als auch in der Theorie auszubilden. Es gebe viele wissenschaftliche Arbeiten in der Pflege, die oft noch nicht in der Praxis umgesetzt werden, sagt Monika Schaffner, Professorin für Pflegewissenschaft.

Studium statt Ausbildung: Karriere machen in der Pflege

Auf dem neuen Campus der MUC.HEALTH-Fakultät der Hochschule München soll eine neue Generation von Pflege-Fachkräften ausgebildet werden, die technologische Innovation, Fachkompetenz und menschliche Empathie als Einheit begreift, heißt es. Man hoffe, damit mehr Menschen für die Pflege zu gewinnen. "Zumal das Studium neue Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen eröffnet", wirbt Monika Schaffner, Professorin für Angewandte Pflegewissenschaft.

Die meisten Pflegekräfte haben kein Studium

Seit 2020 ist das Pflegestudium in Deutschland möglich. Doch nach wie vor durchlaufen die meisten angehenden Pflegekräfte in Bayern eine klassische Ausbildung. Laut Gesundheitsministerium waren es mehr als 17.500 in der generalistischen Pflegeausbildung (Stand Dezember 2024). Dagegen sind es rund 360 Pflegestudierende (Stand Oktober 2025). Neben München ist auch in Nürnberg, Regensburg, Würzburg, Deggendorf und Kempten ein Pflege-Studium möglich.

Immer mehr Studierende der Pflegewissenschaft an der MUC.HEALTH

Das Konzept der Fakultät MUC.HEALTH scheint aufzugehen. Die Nachfrage steigt. Angefangen hat der Studiengang Angewandte Pflegewissenschaft 2021 mit zwölf Studierenden. Aktuell studieren dort insgesamt mehr als 200 angehende Pflegekräfte. Sie verdienen dabei Geld, bekommen von den Praxispartnern ein Gehalt zwischen 1.200 und 1.500 Euro brutto im Monat.

Drei neue Studiengänge ab Wintersemester 2026/27

MUC.HEALTH baut sein Angebot aus. Neben dem Bachelor Angewandter Pflegewissenschaft, dem Master Advanced Nursing Practice und dem Master Mental Health gibt es ab dem kommenden Wintersemester drei weitere Studiengänge:

• Bachelor Health and Engineering

• Bachelor Digital und Public Health

• Zertifikat Gesundheit in der Gebäudetechnik

Pflege attraktiver machen: Gerlach setzt auf Digitalisierung und KI

Um das Gesundheitssystem effizienter aufzustellen, sieht Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach großes Potenzial in den Bereichen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik. Dementsprechend begrüßt die Ministerin die Ausrichtung der interdisziplinären Studienfakultät MUC.HEALTH. "Sie kann künftig dazu beitragen, technische und digitale Innovation ganz praktisch in den Alltag unserer Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und in die häusliche Pflege zu integrieren."

Pflegestudentin will mit viel Wissen Patienten noch besser helfen

Pflegestudentin Seija Knorr-Köning ist bereits ausgebildete Pflegefachkraft, arbeitet seit Jahren auf der Intensivstation einer Münchner Klinik. Sie hat viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland, die bereits einen Bachelor haben und viel Fachwissen mitbringen. "Ich merke auch, dass es viele komplexe Versorgungssituationen gibt, für die man noch mehr können kann, als man das in der Ausbildung gelernt hat." Die 32-Jährige will nach ihrem Pflege-Bachelor mit möglichst viel Wissen ihren Patientinnen und Patienten in der Praxis helfen.

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