Die alte Mainbrücke in Würzburg bei Nacht.
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Helfen statt Gaffen: Was kann wirklich jeder tun?

Helfen statt Gaffen: Was kann wirklich jeder tun?

Als ein alkoholisierter Mann Anfang August von der Alten Mainbrücke in Würzburg stürzt, filmt ein Gaffer das Geschehen live für TikTok. Fast unbemerkt bleibt Ersthelfer Phabio. Warum greift er ein, während andere tatenlos zusehen?

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Es ist ein Bild, dass man nicht mehr aus dem Kopf bekommt: Anfang August stürzt ein 43-jähriger alkoholisierter Mann von der Alten Mainbrücke in Würzburg in den Fluss. Rettungskräfte kämpfen um sein Leben, beginnen mit der Reanimation – und sind erfolgreich. Währenddessen hält ein 25-Jähriger mit seinem Handy drauf und streamt den gesamten Einsatz live auf TikTok. Wie hätte man sich richtig verhalten?

"Alle denken, jeder ist verantwortlich, also wird das schon jemand machen"

Der Fall sorgt für große Empörung. Doch während über den Mann hinter der Kamera und mögliche rechtliche Konsequenzen diskutiert wird, gerät einer aus dem Blick: Phabio Freiboth. Der 29-Jährige handelt als Erster. Er ist an diesem Nachmittag mit seinen Freunden für einen Junggesellenabschied auf der Brücke, als das tragische Ereignis passiert. Phabio handelt sofort, lässt Handy und Portemonnaie liegen und versucht, zum Ufer zu gelangen. "Alle Leute denken, jeder ist verantwortlich, also wird das schon jemand machen. Ich bin wie automatisch runter gelaufen und habe versucht, zu dieser Stelle im Fluss zu kommen, wo der Mann sein musste", sagt er. Phabio klettert über eine Mauer, holt einen Rettungsring und wirft ihn dem 43-Jährigen zu, der sich unter der Brücke lediglich an einem Metallteil festhalten kann.

Zivilcourage kann jeder leisten

Gemeinsam mit einer weiteren Person, die Phabio zur Hilfe eilt, redet er auf den 43-Jährigen ein. Der Mann ist gut ansprechbar. Die beiden Ersthelfer machen sogar Scherze, damit der Gestürzte bei Bewusstsein bleibt. Rund zehn Minuten später treffen die Rettungskräfte ein: Taucher, Sanitäter, Feuerwehr und Polizei. Daniel Hasak-Lieb ist an diesem Tag als Einsatzleiter der Wasserwacht vor Ort und lobt Phabios Einsatz: "Er hat ihm vermutlich das Leben gerettet."

In solch einer Situation gilt für Hasak-Lieb, sofort die 112 zu wählen. "Das Wichtigste ist, den Rettungsdienst zu alarmieren und zu versuchen, die Situation bestmöglich zu beschreiben – auch wenn man keinen Rettungsring zur Hilfe hat", sagt er. Zivilcourage leisten kann also jeder. Mut ist für Hasak-Lieb wichtig, höre jedoch da auf, wo man sich selbst in Gefahr begibt.

Warum schauen Menschen in großen Gruppen häufiger weg?

Doch warum ist ausgerechnet Phabio Freiboth derjenige, der handelt, während andere nur zusehen? Die Frage beschäftigt Phabio nicht erst seit dem Tag des Unfalls. Er lebt in Niedersachsen und schreibt dort seine Doktorarbeit in Philosophie. Passenderweise forscht er zum Thema Gleichgültigkeit und beschäftigt sich mit der Frage, warum Menschen in großen Gruppen häufiger wegschauen. An diesem Nachmittag auf der Alten Mainbrücke bekommt diese Frage plötzlich eine ganz konkrete Bedeutung. Theorie und Praxis treffen unmittelbar aufeinander. "Ich hatte Glück, dass ich die Theorie im Kopf hatte", sagt Phabio.

Als Held möchte Phabio dennoch nicht dargestellt werden. "Ich glaube, es gibt viele solche Situationen, in denen Menschen Zivilcourage leisten", sagt der 29-Jährige. Für ihn sollte entschlossenes Eingreifen nichts Außergewöhnliches sein. Und doch liegt genau darin für ihn etwas Besonderes: "Eigentlich ist es ein sehr schönes Zeichen von Menschlichkeit, wenn Menschen füreinander einstehen."

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