Eine Frau macht ein Handyfoto von einem Fahrradunfall.
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Symbolbild: Gaffen bei einem Unfall.
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"Besorgniserregend": Gaffer-Livestream vom Rettungseinsatz

"Besorgniserregend": Gaffer-Livestream vom Rettungseinsatz

Ein 25-Jähriger hat in Würzburg einen Rettungseinsatz samt Reanimation live auf Social Media gestreamt. Nun ermittelt die Polizei gegen ihn. Für das Bayerische Rote Kreuz ist das eine "neue und besorgniserregende Dimension".

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Ein 25-jähriger Syrer hat am Freitag einen Rettungseinsatz an der Alten Mainbrücke in Würzburg live auf der Social-Media-Plattform "TikTok" übertragen. Dabei filmte er auch die Reanimation eines betrunkenen Mannes.

Frau sieht Livestream und informiert Polizei

Wie Florian Leimbach vom Polizeipräsidium Unterfranken mitteilte, wurde die Polizeistelle Würzburg auf den Fall aufmerksam, weil eine Userin der Plattform während des Livestreams eine Bildschirmaufnahme zur Beweissicherung angefertigt und sich anschließend bei der Polizei gemeldet habe.

Für die Polizei sei es daraufhin einfach gewesen, anhand des Social-Media-Accounts den Urheber zurückzuverfolgen. Nun ermittelt sie gegen den Mann wegen des Verdachts auf Verletzung des "höchstpersönlichen Lebensbereichs".

Durch Gaffer entstehen auch Folgeunfälle

Dass Passanten Rettungseinsätze oder Unfälle filmen oder durch "Gaffen" wichtige Verkehrswege blockieren, kommt öfter vor. Im Januar hat ein Mann ein brennendes Unfallopfer auf der A6 bei Feucht gefilmt.

Ein Problem dabei sind auch Folgeunfälle. Laut Sohrab Taheri-Sohi vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) kommt es immer wieder vor, dass nach Rettungseinsätzen auch auf Gegenfahrbahnen Unfälle entstehen, weil Menschen abrupt abbremsen, um das Geschehen zu beobachten. Schon seit einigen Jahren gibt es auch deshalb Initiativen wie die Kampagne "Gaffen geht gar nicht!" von Bayern 3 und dem ADAC.

Aktueller Fall aus Würzburg: "neue Dimension"

Das jüngste Beispiel aus Würzburg mit dem Livestream in Echtzeit sei nun jedoch eine "neue Dimension", so BRK-Sprecher Taheri-Sohi. Das sei "schon besorgniserregend" und auch unverständlich, wie Menschen überhaupt auf solche Ideen kämen.

Das BRK sieht hier die Social-Media Plattformen in der Pflicht, solche Inhalte zu unterbinden. Eine Sprecherin von TikTok Deutschland verweist auf BR-Nachfrage auf die Community Guidelines, in denen sich lediglich der allgemeine, auslegungsfähige Satz findet: "Wir erlauben keine grausamen, brutalen oder verstörenden Inhalte – insbesondere wenn sie den Nutzer*innen seelisches Leid bereiten könnten". Darüber hinaus wollte sich die Plattform zunächst nicht äußern.

Welche Strafen drohen Gaffern?

Ein "Gaffer" ist eine Person, die aus Neugier oder Sensationslust bei Unfällen, Bränden oder anderen Unglücksfällen zuschaut, filmt oder fotografiert – ohne zu helfen und manchmal dabei sogar Rettungskräfte behindert.

Gaffen oder das Blockieren von Einsatzwegen kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Strafrechtlich relevant wird es, wenn verletze Personen zur Schau gestellt werden oder wenn Einsatzkräfte tatsächlich nicht durchkommen. Das sieht das Strafgesetzbuch explizit vor. Es kann dann zu Bußgeldern oder sogar zu Freiheitsstrafen kommen.

Wie mit Gaffern umgehen?

Florian Leimbach vom Polizeipräsidium Unterfranken empfiehlt, Videos oder Bilder von Unfällen oder Unglücken zuerst der Plattform selbst zu melden. Dann sollte das Video oder Screenshots gespeichert werden und das Material kann bei der heimischen Polizeiinspektion zur Anzeigen gebracht werden, so wie es in Würzburg der Fall war. "Nur wenn wir das wissen, können wir auch die dahinterliegende Straftat möglicherweise verfolgen", so Leimbach.

Gerade im Bereich Verkehrsunfälle käme es immer wieder zu Gaffern, erklärt Florian Leimbach weiter. Alleine im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Unterfrankens seien im Jahr 2025 über hundert Anzeigen gegen Personen gestellt worden, die bei Verkehrsunfällen Bild- oder Videoaufnahmen gemacht haben sollen.

Was unterscheidet Gaffer-Videos von journalistischer Berichterstattung?

Warum sind "Gaffervideos" problematisch, während Medien - auch wir - regelmäßig über Unfälle und andere Unglücke berichten? Die Videos und Bilder unterscheiden sich in zentralen Punkten: Während bei Videos oder Livestreams Sensationsgier und möglicherweise auch Selbstdarstellung ("Ich war dabei") im Vordergrund stehen, ordnen Journalisten die Sachverhalte ein, um die Öffentlichkeit über Unfälle oder Unglücke zu informieren. Die Rücksicht auf Opfer und Angehörige sowie die Wahrung von Persönlichkeitsrechten spielen dabei eine zentrale Rolle. Das ist auch im Pressekodex (externer Link, Ziffer 4, 8 und 11) entsprechend verankert.

Journalisten wägen stets zwischen öffentlichem Interesse und Schutz von Persönlichkeitsrechten ab. Außerdem halten sie Bilder von Verletzten oder Toten zurück, liefern den Kontext, prüfen Informationen und ordnen das Geschehen ein.

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