Ky-Mani Marley beim Chiemsee Reggae Summer 2026
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Hitze, Beats und Cannabis: Comeback des Chiemsee Reggae Summer

Hitze, Beats und Cannabis: Comeback des Chiemsee Reggae Summer

Der "Chiemsee Reggae Summer" ist zurück: Zehn Jahre nachdem das letzte Festival abgebrochen werden musste, haben Reggae-Fans wieder in Oberbayern gefeiert. Einiges hat sich verändert im Vergleich zu früher - der Veranstalter zieht eine erste Bilanz.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Türkisblau schimmert die Tiroler Ache am Rand des Geländes, und an diesem Nachmittag gehört der Fluss den Festivalgästen. Die einen machen es sich am Steinufer gemütlich, andere lassen sich ein paar hundert Meter flussabwärts treiben. Im Hintergrund, gedämpft durch die Hitze, wummern die Bässe über den Platz. Mehr als 35 Grad zeigt das Thermometer – und trotzdem, oder gerade deshalb, wirkt die Stimmung auf dem Campingplatz entspannt.

Zehn Jahre lang gab es diesen Anblick nicht. Jetzt ist das Festival "Chiemsee Reggae Summer" zurück in Übersee.

Vor zehn Jahren sorgte Sturm für Abbruch

Wie anders es beim letzten Mal vor zehn Jahren zuging, weiß Maxi Huber noch genau. Er hat sich mit Freunden vor seinem VW-Bus für drei Tage häuslich eingerichtet – mit Pavillon, Dosen-Ravioli und Ventilator. Vor zehn Jahren, erzählt er, sei plötzlich die Durchsage gekommen, dass alles geräumt werden müsse. Eine Sturmfront hatte die Veranstalter damals zum Abbruch gezwungen, die Besucherinnen und Besucher mussten evakuiert werden, mindestens 50 Menschen wurden verletzt. Danach war Schluss am Chiemsee. Dass nach so langer Zeit überhaupt wieder gefeiert wird, freut viele hier umso mehr.

Ein Wiedersehen wie ein Klassentreffen

Gekommen sind vor allem Menschen aus der Region. Besucher Philipp sagt, er freue sich auf die Bands, vor allem aber auf das Gefühl: ein bisschen Nostalgie, ein bisschen wie ein Klassentreffen. Lisa beschreibt es ähnlich. Obwohl 10.000 Menschen auf dem Gelände seien, treffe man ständig jemanden, den man kenne – ein Festival vor der eigenen Haustür sei eben etwas Besonderes.

In den zehn Jahren Pause hat sich vieles verändert – manches merkt man sofort, anderes riecht man. Früher wurde heimlich gekifft, und wer von der Polizei erwischt wurde, bekam Ärger. Heute ist Cannabis legal. Ein Besucher, der seinen Namen lieber für sich behält, zieht genüsslich an seiner Zigarette und bringt es auf den Punkt: "Endlich, wurde Zeit. Ich fühl mich nicht mehr verfolgt."

Kleiner, bargeldlos – und teurer

Auch das Festival selbst hat sich gewandelt. Bezahlt wird inzwischen bargeldlos, organisiert ist vieles regionaler, und vor allem ist der Reggae Summer kleiner geworden: 10.000 Gäste statt früher rund 30.000. Ein bewusster Gegenentwurf, kein Wachstum um jeden Preis, sondern man will gemütlich den Sommer feiern.

Vielleicht auch deshalb sind die Tickets dieses Jahr vergleichsweise teuer, 214 Euro kosten die drei Tage inklusive Camping. Das Echo darauf fällt geteilt aus: Für das Gebotene sei das schon ein bisschen viel, finden manche. Andere verweisen auf den enormen Organisationsaufwand und die vielen Menschen, die hier arbeiten – dann gehe der Preis in Ordnung.

Kurzfristige Absage eines Headliners

Kurz vor Beginn musste das Festival zudem die Absage eines der Headliner verkraften: Capleton und seine Crew konnten wegen selbstverschuldeter Visa-Probleme nicht anreisen. Groß war die Enttäuschung allerdings nicht überall. Manche Gäste sagten, sie hätten den jamaikanischen Dancehall-Sänger ohnehin lieber nicht auf der Bühne gesehen. Capleton stand in der Vergangenheit wegen homophober Songtexte massiv in der Kritik.

Hitze ist eine große Herausforderung

Mehr Kopfzerbrechen als die Musik bereitete den Veranstaltern im Vorfeld aber das Wetter. Traditionell hatte der Chiemsee Reggae Summer eher mit Regen zu kämpfen – diesmal ist es die Gluthitze. Die Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes haben deshalb aufgerüstet: Mit mindestens 40 Kräften pro Schicht gehen sie durch die Menge und stehen an der Bühne bereit.

Helmut Frank vom BRK Traunstein ist einer von ihnen. Er habe Schlimmeres erwartet, sagt er. Die Disziplin der Gäste sei enorm – und die ehrenamtliche Arbeit werde gesehen und geschätzt. Einer habe ihnen sogar ein Eis vorbeigebracht, das er habe verstecken müssen, weil sonst jeder eines gewollt hätte.

Gegen die Hitze werden die Gäste auch selbst kreativ – mit kalten Fußbädern, nassen Handtuchturbanen und Wasserpistolen. Wer dann immer noch Abkühlung braucht, geht hinunter zur Tiroler Ache. Dass das endlich klappe, sei früher immer die große Hoffnung gewesen, erzählt ein Besucher. Weil das Festival früher am Ende des Sommers lag, sei das kaum möglich gewesen. Jetzt finde es mittendrin statt, und das mache den Unterschied.

Schulnote 1 bis 2 – und die Frage nach der Zukunft

Auf dem Gelände hat auch Veranstalter Martin Altmann kurz Zeit für eine Frage, den Sonnenhut auf dem Kopf. Eine glatte Bestnote will er sich nicht geben, verbessern könne man immer etwas. Von der Stimmung her liege das Festival aber bei einer Eins bis Zwei.

Ob der Chiemsee Reggae Summer künftig wieder jährlich stattfindet, will das Team in den kommenden Wochen beraten. Für die meisten hier ist das Comeback aber schon jetzt gelungen.

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