Deutschland gehört beim Strompreis europaweit zu den teuersten Ländern.
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Hohe Strompreise: Wenn Energiekosten zur Belastung werden

Hohe Strompreise: Wenn Energiekosten zur Belastung werden

Deutschland zählt bei den Strompreisen seit Jahren zu den teuersten Ländern in der EU – das betrifft private Haushalte ebenso wie viele Unternehmen. Wie wirkt sich das für Verbraucher und Unternehmer aus?

Über dieses Thema berichtet: report München am .

Strom aus, Sparmodus an. Für Frau S. aus dem Landkreis München ist das Alltag. In ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung checkt sie regelmäßig jedes Elektrogerät: "Jeder Euro, den ich an Stromkosten spare, ist für mich sehr wichtig", erklärt sie.

Ihren richtigen Namen möchte die Frau nicht sagen. Das Thema Kosten ist sensibel. Der Strompreis ihrer Jahresrechnung liegt bei fast 700 Euro: "Das ist viel Geld." Und sie fürchtet, dass es noch teurer werden könnte und sie dann diese Kosten nicht mehr stemmen kann.

Caritas München-Freising fördert Balkonkraftwerke

Deswegen hat sie sich Hilfe geholt bei der Caritas München-Freising. Dort ist sie kein Einzelfall, weiß Bettina Händel, Fachdienstleitung Bürgerschaftliches Engagement im Landkreis München. Sie spricht in diesen Fällen von Energiearmut: "Wenn man nicht mal zu Hause das Leben führen kann, das man führen möchte, und wenn man da anfängt zu sparen, also dann sind wir als Deutschland schon ganz schön weit gekommen."

Die Caritas München-Freising startet nun ein neues Projekt (externer Link), um Menschen mit geringem Einkommen zu unterstützen. Die Idee: Solarpaneele am Balkon anbringen, um selbst einen Teil des Stroms zu erzeugen. Balkonkraftwerker können zwar den Stromverbrauch nicht komplett tragen, aber einen Teil der Kosten abnehmen. "Auch wenn es nur wenige Euro sind, das macht dann doch viel aus", erklärt Händel.

Stromkosten im EU-Vergleich mit am höchsten?

In Deutschland ist der Strompreis bei Haushalten zwar zuletzt leicht gesunken, dennoch gehört Deutschland hier zur Preisspitze in Europa: Rund 39 Cent pro Kilowattstunde zahlte ein durchschnittlicher Haushalt im zweiten Halbjahr 2025 laut Eurostat. Fast zehn Cent mehr als im EU-Schnitt.

Energieökonom Lion Hirth von der Hertie School in Berlin sieht einen wichtigen Grund im aktuellen Netzausbau: "Da ging es zehn Jahre lang sehr, sehr schleppend voran. Also die ganzen 2010er-Jahre wurde viel geredet, aber wenig getan."

Windstrom aus dem Norden, Solarstrom aus dem Süden – doch die Leitungen dazwischen reichen vielerorts nicht aus. Der jetzt laufende Netzausbau könnte langfristig die Kosten wieder senken. Jedoch zahlen die Investitionen in neue Netze am Ende auch die Verbraucher.

Was plant die Bundesregierung?

Als Sofortmaßnahme wurde im Koalitionsvertrag die Stromsteuersenkung für alle – Verbraucher und Unternehmer – noch angekündigt. Doch dieses Versprechen wurde bisher so nicht umgesetzt. Kritik kommt von Florian Munder vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: "Das trägt einfach auch nicht zum Vertrauen in die Arbeit der Regierung bei." Für Verbraucher seien die hohen Stromkosten eine Belastung.

Auf Nachfrage teilt das Bundeswirtschaftsministerium report München mit: Ministerin Katherina Reiche von der CDU habe jüngst nochmals bekräftigt, dass die Absenkung kommen müsse, sobald "die Spielräume da seien".

Industriestrom hilft nicht allen Unternehmen

Nicht nur private Haushalte treffen die hohen Stromkosten, sondern auch viele Unternehmen. In Augsburg führt Martin Greif eine Großwäscherei in vierter Generation. Bis zu 120.000 Kilo Wäsche am Tag werden hier gereinigt – ohne Strom geht nichts. Seine Wäscherei verbraucht also täglich viel Energie, aber sie fällt trotzdem nicht in die Gruppe der Unternehmen, die über den günstigeren Industriestrom Unterstützung von der Bundesregierung bekommen.

Und Martin Greifs Stromkosten werden vermutlich weiter steigen. Im Zuge der Energiewende wird der Betrieb von Gas auf Strom umgestellt. "Das würde dann bedeuten, dass wir aufgrund des höheren Strompreises ungefähr zwei Millionen Euro pro Jahr extra bezahlen müssten", so Greif.

Bei Frau S. in München wird derweil der Balkon begutachtet. Bald schon könnte sie über ihr Balkonkraftwerk Strom beziehen. Sie bekomme durch das Projekt wieder richtig Energie: "Ich finde es ja auch gut, so eine gewisse Unabhängigkeit zu kriegen." Zahlen muss sie für ihre neue Stromquelle nicht. Das Projekt der Caritas wird über Spenden finanziert.

Der "Teure deutsche Strom - Die Ursachen, die Folgen " ist Thema im ARD-Politikmagazin "report München" am 26.05.2026 um 21.45 Uhr im Ersten.

Im Video: Deutschland fast zehn Cent teurer als der EU-Durschnitt

In Deutschland ist der Strompreis für private Haushalte im europäischen Vergleich sehr hoch: Etwa 39 Cent kostete die Kilowattstunde im zweiten Halbjahr 2025
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Landkarte Europas in der verschiedene Rottöne die höhe der Strompreise in Cent der einzelnen Länder anzeigen.

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