Ein Mitarbeiter koordiniert Rettungsaktionen im Großraumbüro der Integrierten Leitstelle in Traunstein.
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Ein Mitarbeiter koordiniert Rettungsaktionen im Großraumbüro der Integrierten Leitstelle in Traunstein.
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"In höchster Not" – So arbeitet eine Notruf-Leitstelle

"In höchster Not" – So arbeitet eine Notruf-Leitstelle

Die BR-Serie "In höchster Not" begleitet drei Bergwachten bei oft spektakulären Rettungseinsätzen. Doch die wären nicht möglich ohne die Menschen, die in der Serie unsichtbar bleiben: die Mitarbeiter der Notrufe-Leitstelle. Ein Besuch in Traunstein.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Es ist einer der spektakulärsten Einsätze der ersten Staffel "In höchster Not - Bergretter im Einsatz": Gegen 15:10 Uhr geht am 1. August 2024 ein Notruf bei der Integrierten Leitstelle in Traunstein ein. Drei Bergfreunde haben sich beim Klettern im Berchtesgadener Land verstiegen. Die Zeit drängt. Für den späten Nachmittag hat der Wetterdienst ein Gewitter angesagt. Der zuständigen Bergwacht in Ramsau bleibt nur wenig Zeit, um die drei Freunde mit einem Hubschrauber aus der Westwand des kleinen Watzmanns zu holen. Sie harren dort auf Felsvorsprüngen aus.

In der Integrierten Leitstelle kommen die Notrufe an

Rettungssanitäter Stefan Schmutzler ist in der Folge nicht zu sehen – obwohl er an dem Einsatz entscheidend beteiligt war. Aber er ist gleich zu Beginn der Folge zu hören. Denn er ist der Mann, der den Notruf der drei Freunde entgegennimmt. Der mit der jungen Frau spricht, das Trio lokalisiert und veranlasst, dass die Bergwacht sich mitsamt Rettungshubschrauber auf den Weg zu ihnen macht.

Schmutzler arbeitet als hauptamtlicher "Disponent" in der Integrierten Leitstelle (ILS) in Traunstein. Konkret heißt das: Wer in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Altötting oder Mühldorf die 112 wählt, der landet bei ihm oder einem seiner Kollegen. Hier laufen alle Notrufe zusammen, die sich an die Feuerwehren oder Rettungsdienste richten. (Wer notfallmäßig die Polizei erreichen will, sollte stattdessen die 110 wählen.) In dem Großraumbüro in der ILS arbeiten tagsüber sechs Disponenten in 12-Stunden-Schichten, nachts sind sie zu dritt.

Nicht leicht, nur übers Telefon zu helfen

Schmutzler ist wie alle seiner Kollegen voll ausgebildeter Rettungs-Sanitäter und ist früher selbst Einsätze gefahren. Und manchmal, sagt er, jucke es ihn noch in den Fingern, wenn ein Anruf bei ihm ankommt: "Die Distanz übers Telefon, das ist eine ganz andere Art zu helfen und gerade in brenzligen Situationen würde man halt doch gern direkt tätig werden." Einfacher findet er den Büro-Job nicht. Den Menschen über das Telefon beizustehen, das bringe eigene Herausforderungen mit sich. Man muss die Lage einschätzen und Anweisungen geben ohne sich ein eigenes Bild machen zu können. Manchmal heißt das auch: Einfach nur mit den Betroffenen zu reden, bis Hilfe eintrifft.

Vor Schmutzler stehen vier Bildschirme. Auf einem davon laufen die aktuellen Rettungseinsätze über eine Art Ticker ein. Auf einem weiteren ist ein Formular geöffnet, in das er alle wichtigen Daten der Anrufenden einträgt. Die Software macht ihm dann einen Vorschlag, welcher Krankenwagen, welcher Hubschrauber oder welches Team gerade in der Nähe und verfügbar ist.

Manchmal sind sie dabei, wenn Babys geboren werden

Durchschnittlich 690 Anrufe am Tag nimmt die Leitstelle in Traunstein entgegen. Und so unspektakulär dieser Arbeitsplatz auch aussieht – von hier aus begleiten die Disponenten die ganze Bandbreite menschlicher Erfahrung: Sie sind dabei, wenn Babys spontan geboren werden. Und manchmal auch, wenn Menschen sterben.

An den Anruf vom kleinen Watzmann kann sich Schmutzler bis heute erinnern. Die drei Freunde hätten sich vorbildlich verhalten: rechtzeitig den Notruf gewählt, Ruhe bewahrt, klare Angaben gemacht, sich einen sicheren Stand gesucht – und dann einfach abgewartet und allen Anweisungen der Bergwacht Folge geleistet. Gefährlich werde es oft dann, wenn Menschen versuchten sich auf eigene Faust in Sicherheit zu bringen.

Am 6. Mai startet die zweite Staffel "In höchster Not"

Für die drei Bergsteiger ist die Geschichte schließlich gut ausgegangen. Die Bergwacht Ramsau hat sie noch rechtzeitig vom Berg geholt – bevor das Gewitter losbrach. Nachschauen kann man das in der vierten Folge der ersten Staffel von "In höchster Not - Bergretter im Einsatz" in der ARD Mediathek. In einer Woche, am 6. Mai, startet die zweite Staffel.

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