Der 104. Deutsche Katholikentag ist am Mittwoch in Würzburg eröffnet worden – mit eindringlichen Appellen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Bischöfe und katholische Laien riefen zu mehr Zuversicht und gesellschaftlichem Zusammenhalt auf.
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Steinmeier warnte vor einer um sich greifenden Weltuntergangsstimmung. "Unsere Gegenwart und ihre immer schneller aufeinander folgenden schlimmen Nachrichten haben viele erschöpft und passiv werden lassen", räumte das Staatsoberhaupt ein. Man müsse aber aufhören, "uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden", sagte der Bundespräsident vor rund 9.000 Besuchern, die auf dem Residenzplatz dem Regen trotzten: "Viele haben das Gefühl, es ginge nichts mehr, die Zukunft könne notwendigerweise nur düster sein." Doch gerade Christen müssten gegen Hoffnungslosigkeit aufstehen: "Eine Welt ohne Hoffnung und ohne Zuversicht, das ist nicht unsere Welt."
Steinmeier wünscht mehr Ökumene
Der evangelische Bundespräsident warb erneut für ein engeres Miteinander der Konfessionen: "Wenn ich mir bei meiner letzten Rede auf dem Katholikentag als Bundespräsident etwas wünschen dürfte, dann bitte das: Mehr Ökumene wagen!", so Steinmeier, dessen zweite und letzte Amtszeit im März 2027 endet.
Die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, mahnte, Krieg, Armut und Ungerechtigkeit prägten viele Regionen der Welt; zugleich nähmen auch in Deutschland Hass, Lügen und gesellschaftliche Spaltung zu. Dem setze der Katholikentag das Leitwort "Hab Mut, steh auf!" entgegen.
Für Lebensschutz und gegen Antisemitismus
"Aufstehen müssen wir für unsere Demokratie", ergänzte sie: "Dieser Garant für Frieden, für Freiheit und eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen ist bedroht wie selten zuvor." Zugleich forderte sie einen besseren Schutz des Lebens vom Anfang bis zum Ende und wandte sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und jede Form von Menschenverachtung. Innerkirchlich forderte Stetter-Karp außerdem mehr Beteiligung von Laien in der katholischen Kirche.
Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, rief zu mehr Optimismus und Zuversicht auf: "Setzen wir auf diesem Katholikentag ein Zeichen gegen Pessimismus, dauerhafte Mäkelei und Besserwisserei – und gegen jene, die meinen, unsere Demokratie mit Füßen treten zu wollen."
Die Kirchen wollten Brückenbauerinnen sein und Orte der Begegnung und des Austauschs bieten. Sie wollten die Politik unterstützen "im Kampf gegen dumpfe Parolen vom äußersten rechten und linken Rand, im Kampf gegen jene, die die Demokratie beschädigen wollen, im Kampf gegen jene, denen Redeverbote lieber sind als ein Dialog".
Söder will nicht in einem Land ohne Glauben leben
Ministerpräsident Söder lobte Religion und Kirche als wichtige Bollwerke gegen antidemokratische Kräfte und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Er selbst wolle nicht in einem Land ohne Glauben leben, denn ein solches Land wäre anfälliger für Verrohung und politische Extreme.
Der CSU-Politiker ergänzte, er sei daher auch gegen eine Abschaffung christlicher Feiertage und für die Finanzierung christlicher Kindergärten und Schulen durch den Staat. Eine wichtige Stimme hätten die Kirchen auch beim Schutz des Lebens vom Anfang bis zum Ende. Die Gesellschaft dürfe nie mehr dahinkommen, zwischen lebenswerterem und weniger lebenswertem Leben zu unterscheiden.
Der Deutsche Katholikentag ist das größte Treffen katholischer Laien in Deutschland und findet alle zwei Jahre in wechselnden Städten statt. In Würzburg werden bis Sonntag neben rund 30.000 zahlenden Teilnehmern noch einmal etwa gleich viele Tagesgäste erwartet.
Mit Informationen von KNA und epd.
Im Video: BR-Reporterin Irene Esmann schätzt ein
BR-Reporterin Irene Esmann
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