In einem Grabungsschacht liegen menschliche Skelette
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Mittelalterliche Skelette und Mauern sind bei Grabungen vor dem neuen Bamberger Rathaus gefunden worden.
Bildrechte: Archäologische Dokumentation Scherbaum Bamberg
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Mittelalterliche Skelette und Mauern sind bei Grabungen vor dem neuen Bamberger Rathaus gefunden worden.

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Kinder-Skelette bei Grabungen vor dem Bamberger Rathaus entdeckt

Kinder-Skelette bei Grabungen vor dem Bamberger Rathaus entdeckt

Bei Grabungen für die Verlegung von Fernwärmerohren in der Bamberger Innenstadt haben sich Schätze aufgetan: vor dem Eingang des neuen Rathauses wurden mittelalterliche Mauern und Skelette gefunden. Archäologen ordnen sie einem alten Friedhof zu.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Franken am .

Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass bei Grabungen in einer mittelalterlichen Stadt archäologische Schätze gefunden werden. Diesmal sind die Skelette und Mauern aber ein besonderes Puzzlestück für die Geschichtsbücher: Bei Arbeiten in den sechziger Jahren an gleicher Stelle ging man noch wenig sensibel mit Fundstücken um. Ziel war damals, möglichst schnell eine Tiefgarage zu bauen. Archäologische Untersuchungen der auch damals gefundenen Gräber fanden nicht statt, Skelettfunde wurden nur rudimentär dokumentiert, es gab keine wissenschaftliche Aufarbeitung.

21 Kinder-Skelette in einer Art Massengrab

Ganz anders heute: Die mittelalterliche Mauer und die 21 Skelette, die die Archäologen freilegen konnten, lagen in einem schmalen Graben direkt am Rathaus – neben der Tiefgarage und daher vom Bau der Tiefgarage unversehrt. Nach anthropologischer Einschätzung waren hier hauptsächlich Kinder und Jugendliche bestattet worden. Diese neuen Erkenntnisse fließen unter anderem in die Berichte des Historischen Vereins zur Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg ein, um einen weiteren Teil Bamberger Geschichte zugänglich zu machen.

Friedhof gehörte zu Alt-St. Martin

Die menschlichen Überreste ordnen die Archäologen dem Friedhof von Alt-St. Martin zu. Diese Kirche hatte vom 13. Jahrhundert an bis 1802 Bestand. Im Laufe der Säkularisation wurde die Kirche abgerissen und es entstanden dort das Katharinenspital und das Priesterseminar mit Weihbischofshof, ein Vorläufer des heutigen Rathauses.

Funde kommen in die Staatssammlung für Anthropologie

Die geborgenen Bestattungen wurden den Gräben entnommen und zunächst beim Landesamt für Denkmalpflege eingelagert. Geborgene Bestattungen bezeichnen in der Archäologie die wissenschaftliche Freilegung und Sicherung menschlicher Überreste aus antiken Gräbern, um Erkenntnisse über vergangene Kulturen zu gewinnen. Anschließend werden sie zur weiteren wissenschaftlichen Bestimmung in die Staatssammlung für Anthropologie in München verbracht.

Reste mittelalterlicher Bebauung

Neben den Skeletten südlich des Rathaus-Eingangs haben die Bauarbeiten im entgegengesetzten Bereich auch Reste einer mittelalterlichen Bebauung freigelegt. "Bevor das Priesterseminar gebaut wurde, befanden sich am Rande des Friedhofs Bürgerhäuser, wie sie auch im Zweidler-Plan von 1602 dargestellt sind", erklärt Stadtarchäologe Dr. Stefan Pfaffenberger. Der Zweidler-Plan, benannt nach dem Kartographen Peter Zweidler, ist der erste Stadtplan von Bamberg, der neben Berg- und Gärtnerstadt auch die Inselstadt mit dem massiven Kirchenbau von Alt-St. Martin darstellt. Freigelegt haben die Archäologen Sandsteinmauern, darunter ein Keller mit Gewölbeansatz.

Die Gräben am Maxplatz in Bamberg sind mittlerweile wieder verfüllt.

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