Helmut Knaus sitzt auf einem Stuhl, hinter ihm eine Wald-Tapete.
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Ihn haben die Bürger der niederbayerischen Gemeinde Philippsreut wiedergewählt: Helmut Knaus von der Bayernpartei/Freie Wähler.
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Ihn haben die Bürger der niederbayerischen Gemeinde Philippsreut wiedergewählt: Helmut Knaus von der Bayernpartei/Freie Wähler.

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Bürgermeister wider Willen – und weitere kuriose Wahlergebnisse

Bürgermeister wider Willen – und weitere kuriose Wahlergebnisse

Die Kommunalwahl hat einige überraschende Ergebnisse hervorgebracht: Zwei Bürgermeister, die gar nicht zur Wahl standen, eine Gräfin, die jetzt Schloss gegen Rathaus wechselt und ein TV-Koch, der nun im Kreisrat sitzt. Ein Überblick.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Die Kommunalwahl in Bayern hat nicht nur über Bürgermeister und Kreisräte entschieden – sie hat auch eine Reihe ungewöhnlicher Geschichten hervorgebracht. Von einem Bürgermeister, der eigentlich in den Ruhestand gehen wollte und trotzdem wiedergewählt wurde, bis hin zu außergewöhnlichen Kandidaten: ein Überblick über die kuriosesten Fälle.

Bürgermeister wider Willen in Freyung-Grafenau

Nach zwölf Jahren im Bürgermeisteramt wollte Helmut Knaus (Bayernpartei/Freie Wähler) endlich in Rente gehen. Diese Rechnung hatte er ohne die Bürger der Bayerwald-Gemeinde Philippsreut im Kreis Freyung-Grafenau gemacht: Die waren offenbar so zufrieden mit seiner Arbeit als Bürgermeister, dass sie den 64-Jährigen wieder ins Amt gewählt haben.

Knaus bekam 57,1 Prozent der Stimmen – somit haben 216 Wähler seinen Namen auf den Stimmzettel geschrieben. Das bayerische Wahlrecht erlaubt das freie Eintragen eines Namens, falls nur ein Kandidat zur Wahl steht. Der PNP (Passauer Neue Presse) [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] sagte Knaus nach seinem unerwarteten Sieg: Er werde die Wahl annehmen. Das Ergebnis mit über 50 Prozent sei für ihn eindeutig. "Warum soll ich da Nein sagen?", sagte er im BR-Interview. "Mit über 50 Prozent. Mehr kann man nicht erreichen, wenn man nicht kandidiert."

Cham: Einziger Kandidat wird nicht gewählt

Einen ähnlichen Fall hat die Wahl in Eschlkam im Landkreis Cham erbracht: Der einzig angetretene Kandidat, der von CSU und Freier Wählergemeinschaft aufgestellte Josef Kammermeier, wurde nicht gewählt. Er erhielt zwar 785 von 1.932 gültigen Stimmen, kam damit aber nur auf 40,6 Prozent.

1.078 Stimmen und damit 55,8 Prozent konnte derweil der amtierende Bürgermeister Florian Adam sammeln – obwohl er nicht auf dem Wahlzettel stand.

Bürgermeister in vierter Generation im Oberallgäu

In Balderschwang im Oberallgäu ist das Amt des Bürgermeisters hingegen so etwas wie eine Familientradition. Seit 2014 ist Konrad Kienle (65, CSU) das Gemeindeoberhaupt – genauso, wie es sein Vater, Großvater und Ur-Großvater vor ihm schon gewesen waren. "Ja, das ist schon eine ganze Ahnenreihe bei uns", sagte er dem BR.

Diese Reihe wird Kienle auch die nächsten sechs Jahre fortsetzen: Er wurde von den Balderschwangern zum dritten Mal in Folge gewählt. "Ich hätte gerne auch jüngeren Kandidaten den Vortritt gelassen und die Verantwortung übergeben", sagt Kienle. Trotzdem freue er sich über das Vertrauen seiner Mitbürger. Er war der einzige Kandidat für das Bürgermeisteramt.

Kandidat im Ostallgäu kurzfristig eingesprungen

Anders erging es Markus Wintergerst, der als neuer Bürgermeister der 1.700-Einwohner-Gemeinde Untrasried im Ostallgäu gewählt wurde. Er war kurzfristig eingesprungen, weil der ursprüngliche Bewerber aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste. Diese Entscheidung kam allerdings erst nach Ende der offiziellen Nominierungsfrist.

Deshalb stand der Name des ersten Bewerbers noch auf dem Wahlzettel, der des neuen Kandidaten Wintergerst nicht. Die Untrasrieder mussten Wintergersts Namen handschriftlich eintragen. Obwohl der ursprüngliche Kandidat zurückgezogen hatte, erhielt dieser immer noch 4,5 Prozent der Stimmen.

Ungewisse Stichwahl in Dillingen

Auch in Glött im Landkreis Dillingen hatten gesundheitliche Gründe den amtierenden Bürgermeister Friedrich Käßmeyer (CSU) offiziell davon abgehalten, noch einmal zu kandidieren. Doch auch hier wollten die Bürger ihn weiter im Amt sehen: Obwohl Käßmeyer nicht auf dem Wahlzettel stand, bekam er die zweitmeisten Stimmen nach Thomas Heidel, der für die Liste der CSU und CWV (Christliche Wählervereinigung) antrat.

Ob es nun zur Stichwahl kommt, hängt davon ab, ob beide Kandidaten dazu auch bereit sind. Käßmeyer will sich das nach eigenen Angaben nun doch überlegen. Heidel sagte dem BR, er bereite derzeit eine Stellungnahme vor, in der er über sein weiteres Vorgehen informieren werde.

Kleinste Gemeinde kann sich nicht auf Kandidat einigen

Aufruhr brachte die Wahl auch in Bayerns kleinster Gemeinde Chiemsee: Dort stand nur ein Kandidat auf dem Stimmzettel für die Bürgermeisterwahl, der amtierende Bürgermeister Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee). Trotzdem bekam er nur 47,7 Prozent und schaffte die Wiederwahl im ersten Durchgang nicht. Der Grund: Über die Hälfte der Wähler schrieb eigene Namensvorschläge auf den Stimmzettel.

Die zweitmeisten Stimmen, insgesamt 23, entfielen auf diese Weise auf Michael Lanzinger. Lanzinger hat nun 24 Stunden Zeit, um zu entscheiden, ob er bei der Stichwahl in gut zwei Wochen gegen Armin Krämmer antritt. Falls nicht, sollen Neuwahlen angesetzt werden.

Vom Schloss ins Rathaus: Gräfin wird Bürgermeisterin

In der oberbayerischen Gemeinde Tüßling nimmt künftig eine Adelige auf dem Rathausstuhl Platz: Bei der Kommunalwahl machte Stephanie Gräfin Bruges-von Pfuel mit 60,4 Prozent der Stimmen das Rennen um das Bürgermeisteramt. Sie war für die CSU angetreten. Die Hausherrin auf Schloss Tüßling war bereits von 2014 bis 2020 Bürgermeisterin des Marktes im Landkreis Altötting.

Sie wurde überregional unter anderem als Moderatorin einer TV-Einrichtungsserie, Talkshow-Gast und Werbeträgerin für Kaffee bekannt, in den Medien wurde sie auch Kaffee-Gräfin genannt. 

TV-Koch Alexander Herrmann im Kreisrat

Und auch ein bekannter TV-Koch hat sich für ein politisches Amt verpflichtet: Alexander Herrmann ("The Taste") ist nun Mitglied des Kulmbacher Kreisrats. Nach dem vorläufigen Ergebnis zog er auf der CSU-Liste in das Kommunalparlament ein. Dabei hatte der prominente Gastronom aus Wirsberg auf dem 50. und letzten Listenplatz kandidiert. 

Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa sowie der Korrespondentinnen und Korrespondenten des Bayerischen Rundfunks.

Im Video: Kuriose Ergebnisse der Kommunalwahl 2026

Kuriose Ergebnisse der Kommunalwahl 2026
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Kuriose Ergebnisse der Kommunalwahl 2026

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