In 55 Tagen ist Anstich. Die Arbeiten auf dem Gelände am Erlanger Burgberg laufen. Die fest installierten Bierbänke unter den großen Bäumen bekommen einen neuen Anstrich. Die Technik in den Bierkellern wird überholt. Und auf einem der Keller trifft sich an diesem Freitagmittag die Erlanger Berg-Prominenz: Wirte, Vertreter der Stadt Erlangen, Bierexperten, Historiker und der Verein "Bergflair ERhalten".
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Auszeichnung ein "Ritterschlag" für Erlangen
Seine Mitglieder waren es, die die Bewerbung für den Eintrag in die Liste des bayerischen Kulturerbes vorangetrieben haben. Zweieinhalb Jahre hat die Recherche in den Archiven gedauert. Geholfen haben Mitarbeiter der Stadt Erlangen, die die Kirchweih veranstaltet, und des Stadtarchivs. "Wir haben es auf den ersten Anlauf geschafft", sagt Petra Paulsen vom Verein. "Das ist ein Ritterschlag, der Berg ist identitätsstiftend für Erlangen."
19 neue Einträge auf der Kulturerbe-Liste
"Das immaterielle kulturelle Erbe Bayerns symbolisiert Heimat und vermittelt ein Gefühl von Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft", sagt Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (CSU) anlässlich der 19 neuen Eintragungen in die Kulturerbe-Liste. Insgesamt sind es nun 103 Traditionen und Bräuchen, die erhalten und für die Zukunft gesichert werden. "Das verdeutlicht, wie groß die lebendige Vielfalt unserer kulturellen Ausdrucksformen ist", so Füracker.
Berg: Mehr Raum für Gemütlichkeit – auch für Nicht-Biertrinker
In Erlangen gab es in den vergangenen Jahren eine intensive Diskussion, wie sich die Bergkirchweih weiterentwickeln soll. Bier, Party, Ballermann – vielen Erlangern war das Fest zu laut und zu überlaufen. Das haben auch die Wirte gemerkt. Deren Vertreter kündigt an, dass der Berg künftig nicht nur ein "Vollgas-Fest" sein wird. Die Wirte wollen der Gemütlichkeit künftig wieder mehr Raum geben.
Denn auch das ist der Berg: Die Besucher setzen sich mit einer Maß und einer mitgebrachten Brotzeit – das ist auf der Bergkirchweih erlaubt und gute Tradition – auf die Bänke unter den Bäumen. Man kann sich unterhalten, ohne schreien zu müssen. "Die Leute sollen kommen, die sollen unser Fest erleben", so Beugel. "Klar, wir gelten als das älteste Bierfest. Aber wer kein Bier trinken will, der soll herkommen, weil wir das breite Publikum ansprechen wollen."
Schon jetzt rund eine Millionen Gäste
An den zwölf Festtagen werden regelmäßig rund eine Million Besucherinnen und Besucher gezählt. Das Fest hätte also eigentlich gar keine Werbung nötig. Dem stimmt Beugel zu. Allerdings nur für die Menschen in Erlangen und der Region, da sei "der Berg ein Selbstläufer". Schausteller und Wirte würden Beugel auch immer wieder sagen, "wir brauchen auch das überregionale Publikum".
Und um das soll nun verstärkt geworben werden. Die Entscheidung, dass die Bergkirchweih nun zum immateriellen kultererbe des Freistaats gehört. Kam gerade noch rechtzeitig: Eine Woche später, und die Werbeplakate wären schon fertig gedruckt gewesen. Doch jetzt kann das Label noch eingefügt werden.
Kulturerbe in Mittelfranken wächst
Auch in Ansbach gibt es was zu feiern. Denn die Rokoko-Festspiele gehören nun ebenfalls zu den Traditionen und Bräuchen auf der Bayerischen Kulturerbe-Liste. Weitere Zugänge aus Mittelfranken sind unter anderem das Metallspitzenklöppeln in Abenberg und der Pegnesische Blumenorden in Nürnberg – eine Dichter-Zirkel, dessen Mitglieder vor fast 350 Jahren den Irrhain am Rand des Knoblauchslands als Versammlungsort geschaffen haben.
Hoch die Maß: Beim Anstich der Erlangern Bergkirchweih drängen sich die Menschen. Ab sofort gehört das Fest zum bayerischen Kulturerbe.
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