Spediteur Georg Dettendorfer aus Nußdorf am Inn ist einer der Pioniere. Vier der 250 Lkw seiner Spedition sind seit kurzem elektrisch. Statt rund 100.000 Euro für einen klassischen dieselbetriebenen Lkw muss er für einen E-Lkw bis zu 300.000 Euro investieren. Das rechnet sich derzeit nur, weil für den E-Lkw die Streckenmaut von 35 Cent pro Kilometer entfällt. Und vor allem im Verkehr mit Österreich und Italien gibt es ein großes Plus: "Speziell im Alpenverkehr ist die Befreiung von den Fahrverboten in Tirol ein großer Vorteil. Wir sind weder von den Nachtfahrverboten noch von den anderen Fahrverboten betroffen."
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Deswegen ist er auf der Suche nach Kunden, die gerade diesen zuverlässigen emissionsfreien Transport in der Nacht schätzen und so das Nadelöhr Tirol erfolgreich meistern können. "Leise, emissionsfrei, effizient" preist auch das Bayerische Wirtschaftsministerium die neuen E-Lkw an.
Neuer Ladepark mit Megawatt-Ladesäulen
Gemeinsam mit der Energie Südbayern und dem Transportunternehmen Amenda hat Dettendorfer jetzt den Ladepark Langenbruck direkt an der A9-Ausfahrt Langenbruck errichtet. Dort können gleichzeitig fünf Lkw laden, an Ladesäulen mit 400 und 600 kW und an zwei Megawatt-Ladesäulen.
Tatsächlich gibt es aber noch keine Lkw, die mit so einer Leistung geladen werden können. Zur Eröffnung des Ladeparks schickte MAN aus München ein Vorserienfahrzeug, das vor Ort mit knapp 700 kW beladen werden konnte. Dieser Lastwagen soll Ende des Jahres in Serie gehen. Produziert werden die MAN-E-Lkw in Karlsfeld bei München.
Spritpreise als "Booster" für E-Lkw
Mit der Eröffnung wollen die Betreiber ein Zeichen für die E-Mobilität im Transportgewerbe setzen. Viele interessierte Vertreter der Branche kamen nach Langenbruck. Seit letztem Jahr wächst das Interesse an der E-Mobilität bei Lkw stark, sagen die Betreiber. Der Anteil der Neuzulassungen von E-Lkw lag in Deutschland 2025 bei sechs Prozent, Tendenz steigend, so das Bayerische Wirtschaftsministerium. Die steigenden Spritpreise und der Nahostkonflikt wirken wie ein Booster, so Daniel Inkoferer von der Energie Südbayern. "Die große Herausforderung ist die Zuverlässigkeit und die neuen Ladeleistungen, die gefordert werden", sagt der Experte.
Noch sind die hohen Investitionskosten und das schlechte Netz an Ladestationen ein Hindernis. In Bayern gibt es rund 20, in ganz Deutschland rund 70 öffentliche Ladeparks für E-Lkw. Doch die Zahl soll jetzt deutlich steigen. In Bayern wird Dettendorfer in den nächsten Monaten in Plattling, Wallersdorf und Dasing drei weitere Ladeparks mit Partnern eröffnen. 350 Ladeparks seien derzeit in Deutschland geplant, so die Nationale Leitstelle Infrastruktur.
Laden während der Lenkzeitpause
Bislang haben die meisten E-Lkw rund 400 Kilometer Reichweite, werden mit 300 bis knapp 400 kW Leistung beladen und ein Ladestop dauert oft länger als eine Stunde. Ziel sei es deshalb, so die Partner in Langenbruck, dass das Laden eines Lkw nicht länger als 45 Minuten dauert. Denn das ist die vorgeschriebene Pause für Lkw-Fahrer nach viereinhalb Stunden Fahrt. Nach dem Laden können sie dann ihre Fahrt fortsetzen.
Derzeit sind laut "Bayern innovativ" in Bayern rund 15.200 E-Lkw- und E-Zugmaschinen zugelassen. Spediteur Dettendorfer geht davon aus, dass in etwa fünf Jahren 15 bis 20 Prozent der Lastwagen elektrisch betrieben sind.
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