Neon-pink und neon-gelb leuchten die Farbakzente auf den neuen Rettungs-Vans, auf dem Dach gleich zwei Blaulichtbalken. Die Besatzung: eine Notfallsanitäterin oder Sanitäter mit besonderen Geräten wie eine Aufstehhilfe für Gestürzte an Bord. Zum Einsatz kommen diese Rettungseinsatzfahrzeuge, kurz REF, immer dann, wenn zwar akut geholfen werden muss, aber kein Krankentransport nötig ist.
- Zum Artikel: Bei Notruf ohne Notfall - Rettungswagen für leichte Fälle
Fünf Standorte für die neuen REF
Von den sechs neuen Fahrzeugen kommen zwei nach Regensburg, die anderen an die vier neuen Standorte in Ansbach, Dachau, Rosenheim und Würzburg. Beteiligt an der erweiterten Pilotphase sind neben dem Bayerischen Roten Kreuz auch der Maltester Hilfsdienst und die Johanniter Unfallhilfe in Bayern.
Einsatz bei Stürzen oder Übelkeit
Am häufigsten werden REF bei Stürzen, Übelkeit oder Hyperventilieren gebraucht, etwa in psychischen Ausnahmesituationen. Die Notfallsanitäterin beurteilt die Lage und entscheidet, ob ein Notarzt kommen muss oder der Hausarzt helfen kann.
Ein großer Vorteil für die Patienten: Die Notfallsanitäter der REF müssen nicht gleich zum nächsten Einsatz, erklärt Sebastian Lange, Leiter der Abteilung Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes. So bleibt auch Zeit um die Patienten beraten, wie ein Notfall in Zukunft vermieden werden kann.
Notarzt nur in 30 Prozent der Alarme erforderlich
Die Testphase in Regensburg hat gezeigt: In nur 30 Prozent der Fälle mussten eine Notärztin oder ein Notarzt nachalarmiert und der Patient ins Krankhaus gebracht werden. In über 70 Prozent der Alarme konnte den Patienten vor Ort geholfen werden. In der Praxis entscheidet die Rettungsleitstelle, die einen Notruf entgegennimmt, welches Rettungsfahrzeuge losgeschickt wird. Die REF entlasten den Rettungsdienst und sparen Kosten.
Seit Jahren beobachten die Rettungsdienste einen Zuwachs an sogenannten "Low-Code-Einsätzen", bei denen bereits beim Notruf klar sei, dass keine unmittelbare Lebensgefahr vorliegt, sagt BRK-Landesgeschäftsführer Robert Augustin. Der Rettungsdienstbericht Bayern 2025 weist landesweit eine Steigerung der Notfalleinsätze um 28 Prozent in den vergangen zehn Jahren auf, während im gleichen Zeitraum die Transportquote mit Rettungswagen von 73 Prozent auf 68 Prozent gesunken ist.
Das Ziel: Bayernweiter Einsatz
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betont: "Wir investieren in die Zukunft, in die Sicherheit und in die Gesundheit unserer Bevölkerung." Der erweiterte Probebetrieb sei ein nächster konsequenter Schritt hin zu einem bayernweiten Einsatz der REF. Dafür werde sich die Staatsregierung im Bundesgesetzgebungsverfahren zur Notfallreform stark machen, so der Minister.
Die Kosten für die neuen Rettungseinsatzfahrzeuge von 900.000 Euro hat der Freistaat übernommen. Der laufende Betrieb wird über die Sozialversicherungsträger finanziert.
Im Video: BKR stellt "abgespeckte" Fahrzeuge vor
Das BRK hat sechs kleinere Rettungsfahrzeuge in Dienst gestellt.
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