Beim Musikfest Blumenthal können die 2000 Besucherinnen und Besucher ihren Eintrittspreis selbst bestimmen.
Beim Musikfest Blumenthal können die 2000 Besucherinnen und Besucher ihren Eintrittspreis selbst bestimmen.
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Ein großer Dachstuhl von Schloss Blumenthal bei Aichach dient als Konzertsaal.
Bildrechte: © Axel Mölkner-Kappl/BR
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Ein großer Dachstuhl von Schloss Blumenthal bei Aichach dient als Konzertsaal.

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Musikfest Blumenthal: Hier bestimmen Gäste den Eintritt selbst

Musikfest Blumenthal: Hier bestimmen Gäste den Eintritt selbst

Das Musikfest auf Schloss Blumenthal bei Aichach ist ungewöhnlich: Die Gäste bestimmen den Eintrittspreis selbst. Die Profimusiker bekommen ein kleines Honorar – und kommen trotzdem jedes Jahr wieder. Allein schon wegen der tollen Atmosphäre.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Das Musikfest Blumenthal ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum sechsten Mal kam zu dem Festival auf Schloss Blumenthal bei Aiachach das Festivalorchester Camerata Vitilo zusammen – Profimusiker aus unterschiedlichen Symphonieorchestern in ganz Deutschland. Georg Arzberger, der künstlerische Direktor des Musikfestes, kennt sie alle und bringt sie zu dem dreitägigen Event zusammen. Sie spielen an dem Wochenende mehrere Konzerte und bekommen dafür nur eine kleinere, unübliche Gage – anders wäre das Festival nicht machbar.

Ungewöhnlich ist das Festival aber auch für die Besucherinnen und Besucher: Sie bestimmen ihren Eintrittspreis selbst. Sie müssen vorher ein Online-Ticket buchen. In der Pause oder nach dem Konzert bezahlen sie dann den selbst gewählten Preis und bekommen dafür ein Auslassticket.

Die Idee: Die Schwelle niedrig halten

Der Erfinder und "Kopf" des Festivals, Georg Arzberger, will damit die Schwelle niedrig halten und auch Menschen für die Konzerte begeistern, die sonst vielleicht nicht kommen würden. "Ich bin ein Kind vom Dorf und nur zwei Kilometer von hier aufgewachsen", erzählt Arzberger, einer der besten Klarinettisten Deutschlands, der an der Musikhochschule München Klarinette lehrt. Wenn hier ein Konzertticket 50 Euro kosten würde, dann würde niemand kommen, sagt er. "Und das wollen wir nicht. Ich finde es muss sowas Tolles möglich sein."

Außerdem passe das Musikfestival perfekt zu Schloss Blumenthal, sagt der 45-Jährige. Das große Anwesen haben 2006 acht Familien gemeinsam gekauft und eine GmbH gegründet. Mittlerweile betreiben sie dort ein Gasthaus, ein Hotel, einen Seminarbetrieb und eine eigene Landwirtschaft mit Hofladen. Jedes Jahr im Sommer findet dort das Musikfest statt.

Auf dem Programm stehen mehrere Konzerte des Festivalorchesters. Zum Auftakt am Freitagabend begleiteten sie das Duo "Tom & Flo", das Musik der 60er spielt. Normalerweise mit Gitarre, Kontrabass und Gesang, spielten sie dieses Mal gleich mehrere Stücke gemeinsam mit dem Orchester oder Solisten. Im Laufe des Wochenendes gibt es Kinderkonzerte, ein Konzert mit jungen Talenten, das große Orchesterkonzert "Eine Nacht mit Mozart", ein Wanderkonzert im Garten und ein großes Festivalfinale mit Solisten und dem Orchester "Camerata Vitilo".

Kosten steigen für alle

Viele Konzertveranstalter kämpfen seit Corona mit stark gestiegenen Kosten, bestätigt auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks auch Andreas Horber, Geschäftsführer des Bayerischen Musikrates e.V. Der Musikrat ist als Zusammenschluss der Einrichtungen und Verbände des Musiklebens die größte Kulturorganisation des Freistaates. Er berät die Staatsregierung und ist an der Verteilung von zuletzt 4,8 Millionen Euro (2025) des Freistaates für musikalische Veranstaltungen in ganz Bayern beteiligt. Auch das Musikfest Blumenthal bekommt einen Zuschuss aus diesen Geldern.

Technik, Personal, Security – alles werde teurer, so Horber. Das betreffe auch die Klassikfestivals in Bayern. Noch habe kein Veranstalter aufgegeben, aber alle müssten sparen und versuchen mehr Publikum zu gewinnen. Oder sie sparen am Programm. Auch viele Kommunen reduzieren ihre Zuschüsse, der Freistaat Bayern halte an seiner Fördersumme fest.

Immer wieder gibt es Kritik an stark gestiegenen Ticketpreisen gerade bei großen Festivals wie "Rock im Park". Andreas Horber weist allerdings daraufhin, dass man zwischen den großen kommerziellen und den kleinen Festivals unterscheiden müsse.

40 Euro als Anhaltspunkt

Das Musikfest Blumenthal will an seinem Konzept festhalten. Damit die Besucherinnen und Besucher einen Anhaltspunkt haben, macht Georg Arzberger bei den Konzerten Ansagen: "Unsere Idee ist, dass wir niemand ausschließen und dass hier alle herkommen können, um diese tolle Musik zu erleben", sagt er zu Beginn des Konzerts von "Tom & Flo". Als Anhaltspunkt zur Orientierung nennt er 40 Euro für das zweistündige Konzert. Wer nur weniger geben könne, darf auch weniger geben, wer mehr hat, gerne mehr. Zusätzlich zu den Ticketeinnahmen kommt natürlich auch das Musikfest Blumenthal nicht ohne eine große Zahl von Sponsoren aus.

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