Ein Mann und eine Frau halten ihre "Rock im Park"-Tickets in Händen.
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Marco und Mitchell sind jedes Jahr auf dem "Rock im Park"-Festival in Nürnberg. Dieses Jahr allerdings unter erschwerten Bedingungen.
Bildrechte: BR / Isabel Pogner
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Marco und Mitchell sind jedes Jahr auf dem "Rock im Park"-Festival in Nürnberg. Dieses Jahr allerdings unter erschwerten Bedingungen.

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Doppelt so teuer? Ticket-Wucher bei "Rock im Park"-Festival

Doppelt so teuer? Ticket-Wucher bei "Rock im Park"-Festival

"Rock im Park"-Fans sind enttäuscht: Die Tickets sind ausverkauft und die Karten auf dem Zweitmarkt kosten deutlich mehr. Das ist kein Zufall, sagen Experten. Die Wucher-Preise haben System. Und Veranstalter und Verkaufsplattform tun nichts dagegen.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Marco und Mitchell sind jedes Jahr auf "Rock im Park" in Nürnberg. "Das ist wie eine zweite Heimat", sagt Mitchell. Doch in diesem Jahr war ihre Rückkehr unsicher. Denn die beiden, die nur beim Vornamen genannt werden wollen, haben über den offiziellen Ticketmarkt keine Karten ergattert. Das Festival war in diesem Jahr so schnell wie noch nie restlos ausverkauft.

Also wollten sich die beiden auf dem Zweitmarkt Karten organisieren – von Fans, die doch keine Zeit haben und ihre Karte wieder loswerden wollen. Aber "da werden die Tickets zum Teil für den doppelten Preis angeboten", erzählt Marco. Also für 600 Euro und mehr.

"Wie im wilden Westen"

Das Problem ist bekannt. Andreas Jäger, Geschäftsführer des Verbands für Popkultur in Bayern e.V. (VPBy), stört dieser Ticket-Wucher schon lange. "Es ist gerade wie im wilden Westen. Karten werden zu Spekulationsobjekten." Jäger beobachtet Preise, die teils 250 Prozent über dem ursprünglichen Preis lägen. Hinter den Verkäufen stünden oft professionelle Spekulanten. "Teilweise sind diese Händler international organisiert und setzen Bots für den Kauf und Verkauf ein", sagt er.

"Rock im Park" gehört zu Eventim

Marco und Mitchell ist aber noch etwas aufgefallen. "Rock im Park" ist eine Veranstaltung der Firma Argo und die gehört zu Eventim, Deutschlands größtem Ticket-Anbieter. Eventim betreibt selbst eine Ticket-Börse namens FanSale. Und auch hier finden Mitchell und Marco vor allem überhöhte Preise. Nur steht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen von "Rock im Park": "Ein gewerblicher Weiterverkauf der Tickets ist nicht gestattet. Die Tickets dürfen nicht zu einem höheren Preis als den aufgedruckten Ticketpreis (...) privat veräußert werden."

Jäger sagt: "Das ist eine Doppelmoral". Außerdem verdiene Eventim durch den Wiederverkauf doppelt. Bei FanSale kommen nämlich noch einmal etwa 15 Prozent Service-Gebühr dazu. Am Donnerstag ist ein Ticket für 959,10 Euro inseriert. 125,10 Euro davon sind Service-Gebühren.

Eventim erklärt auf BR-Anfrage: "Die Original-Ticketpreise für den Erstkauf werden durch die Veranstalter festgelegt." Die würden auch bestimmen, ob beim Wiederverkauf eine Obergrenze gezogen werden soll. Der Veranstalter Argo antwortet auf eine BR-Anfrage nicht. Die mitunter hohen Service-Gebühren hält Eventim für gerechtfertigt: "Die Abwicklung eines Wiederverkaufs ist in der Regel aufwendiger als der Erstverkauf." Gegen Kauf-Bots habe man "zuverlässige Systeme" im Einsatz.

Verbände fordern politische Lösung

Das ist eine der Forderungen der VPBy sowie anderer Musiker und Verbände. Sie haben im Mai in einem offenen Brief auf den Preis-Wucher auf dem Zweitmarkt aufmerksam gemacht. Denn an dem System würden zwar Ticket-Plattformen und organisierte Händler gut verdienen, die Fans und die Künstler gehen aber oft leer aus, sagt Jäger. "Wenn ein Fan so viel Geld zahlen muss, kann er sich dann eventuell keine anderen Konzerte mehr leisten." Oder er konsumiert weniger Speisen und Getränke auf dem Gelände.

In dem Brief wird gefordert, dass die Politik den Markt regelt. "Zuallererst bräuchte es eine Deckelung. Maximal 25 Prozent über dem Verkaufspreis", so Jäger. Zudem brauche es eine Weiterverkaufskontrolle, damit professionelle Händler es schwerer haben, zum Beispiel über eine Personalisierung der Tickets. Leerverkäufe müssten gestoppt werden. "Es werden nämlich manchmal Tickets angeboten, die es noch gar nicht gibt", sagt Jäger. Und es brauche bessere Maßnahmen gegen Bots.

In anderen Ländern gibt es entsprechende Regelungen. In Deutschland arbeite man aktuell an einer entsprechenden "Umsetzung zur Regulierung des Ticketzweitmarkts", erklärt Philipp Engelke, Sprecher des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Er erklärt: "Das BMJV strebt eine sektorübergreifende Regulierung an, die den Ticketzweitmarkt generell reguliert". Allerdings dürfe der private Weiterverkauf dabei nicht unnötig kompliziert werden.

Doch ein "happy end"?

Marco und Mitchell haben am Ende doch noch Tickets zum ursprünglichen Verkaufspreis ergattert. Dafür hat Marco viel Zeit vor dem Rechner verbracht und Angebote gescannt. "Jetzt sind wir ultra dankbar", sagt er. Aber nicht dem Veranstalter oder Tickethändler, "sondern dem Verkäufer, der seine Karten für einen fairen Preis eingestellt hat."

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