Die ehemalige Kirche von Beratzhausen.
Die ehemalige Kirche von Beratzhausen.
Bild
Früher Kirche, heute Wohngruppe: In Beratzhausen spricht die Evangelische Landeskirche nun von einem "Best-Practice-Beispiel".
Bildrechte: Rolf Frey
Schlagwörter
Bildrechte: Rolf Frey
Audiobeitrag

Früher Kirche, heute Wohngruppe: In Beratzhausen spricht die Evangelische Landeskirche nun von einem "Best-Practice-Beispiel".

Audiobeitrag
>

Nach Kirchenverkauf: So sieht ein "Best-Practice-Beispiel" aus

Nach Kirchenverkauf: So sieht ein "Best-Practice-Beispiel" aus

In Zeiten, in denen immer weniger Menschen in die Kirchen gehen, stellt sich zunehmend die Frage: Was soll mit den Kirchenbauten passieren? In Beratzhausen bei Regensburg hat die evangelische Kirche für eines ihrer Gebäude eine Ideallösung gefunden.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Weniger Kirchenmitglieder, mehr ungenutzte Kirchen: Weil immer weniger Kirchengebäude gebraucht werden, stehen einige mittlerweile zum Verkauf. In Beratzhausen bei Regensburg spricht die Evangelische Landeskirche nun von einem "Best-Practice-Beispiel".

2022 wurde die evangelische Erlöserkirche in dem Ort mit rund 5.600 Einwohnern aufgegeben. Das Gebäude aus den siebziger Jahren war baufällig, eine Renovierung für die Gemeinde zu teuer.

Ziel: Käufer soll dem Anliegen der Kirche entsprechen

"Wir haben da sehr lange nachgedacht", sagt Sibylle Thürmel. Als Pfarrerin hat sie den Prozess der Entwidmung begleitet. "Da gibt es nicht so die Lösung, die man dann kopieren kann, sondern das erfordert wirklich viel Arbeit." Am Ende stand fest, dass die Kirche verkauft werden soll. Aber mit einem klaren Ziel: Die Nachnutzung soll möglichst auch dem Anliegen der evangelischen Kirche entsprechen.

Und eine passende Käuferin wurde gefunden: Die Lebenshilfe Regensburg übernahm das Gebäude für rund 5,5 Millionen Euro. Die Lebenshilfe ist ein Selbsthilfeverband für Menschen mit geistiger Behinderung.

Früher Kirche jetzt Wohngruppe und Kindergarten

Nach dem Umbau zieht nun ein Wohnprojekt für Menschen mit geistiger Behinderung ein. 24 Bewohnerinnen und Bewohner finden dort nun ein Zuhause. Im Keller befinden sich außerdem noch die "Knierutscher", ein Kindergarten.

Das Kirchengebäude selbst blieb trotz des Umbaus erhalten und wurde in den Neubau integriert, sodass weiterhin einmal im Monat Gottesdienste stattfinden können. Aber auch Veranstaltungen für die Menschen vor Ort sollen möglich sein. Das Konzept hat auch den Freistaat überzeugt: Dieser fördert das Wohnprojekt mit rund 3,5 Millionen Euro.

Lebenshilfe und Evangelische Landeskirche sind zufrieden

Immer häufiger müssen sich Kirchen überlegen, was mit den Gebäuden, die nicht mehr gebraucht werden, in Zukunft passieren soll. Als Best-Practice-Beispiel führt Klaus Stiegler, Regionalbischof im Kirchenkreis Schwaben-Altbayern, Beratzhausen an.

Diese Lösungen zu finden sei alles andere als leicht gewesen und schon gar nicht schnell gewesen. "Wenn man sich das anguckt, da sind mindestens 15 Jahre ins Land gegangen", sagt Pfarrerin Sibylle Thürmel. "Das erfordert einen langen Atem." Und nicht nur das, sagt der Leiter der Regensburger Lebenshilfe, Johann Halbritter: "Es hat sehr viele graue Haare gekostet. Aber wenn man das Ergebnis anschaut, war es das wert."

Beratzhausen gilt als bedeutender Ort des evangelischen Glaubens: In dem kleinen Ort nahe Regensburg wurde die Reformation früher eingeführt als in der bedeutenden Mittelalterstadt Regensburg. Rund 500 Jahre später wird hier wieder ein neuer Weg beschritten.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Sie interessieren sich für Religion, Kirche, Glaube, Spiritualität oder ethische Fragen? Dann abonnieren Sie hier den Newsletter der Fachredaktion Religion und Orientierung.