Wülfershausen an der Saale im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld: Drei Tage sind vergangen, seit am Montag der Vorwurf des Wahlbetrugs durch den Ersten Bürgermeister Wolfgang Seifert aufkam.
Mittlerweile haben sich die Menschen in dem 1.500-Einwohnerort im Landkreis Rhön-Grabfeld daran gewöhnt, dass hier Medien auftauchen und Fragen stellen. Dass der gestern zurückgetretene CSU-Politiker den beschaulichen Ort ausgerechnet mit so einem Skandal bundesweit in die Schlagzeilen gebracht hat, ärgert viele. Zu BR24 sagen einige, das hätten sie ihm nicht zugetraut.
Auch im zuständigen Landratsamt ging es heute heiß her: wegen des mittlerweile gestandenen Betrugs. Landratsamt und Regierung von Unterfranken mussten über Neuwahlen entscheiden.
- Zum Faktenfuchs: Briefwahl in Kommunen kein Einfallstor für Betrug
Wie geht es weiter in Wülfershausen?
Landrat Thomas Habermann (CSU) hat BR24 heute bestätigt, dass Wolfgang Seifert die Wahl zum Ersten Bürgermeister von Wülfershausen an der Saale im Landkreis Rhön-Grabfeld nicht anerkennt. Von seinem Amt ist er demnach mit Wirkung zum gestrigen Tag zurückgetreten. Das habe der bisherige Erste Bürgermeister von Wülfershausen schriftlich erklärt.
Die wahlrechtlichen Konsequenzen durch die festgestellte Manipulation sind seit heute klar: Für das Bürgermeisteramt in Wülfershausen wird es Neuwahlen geben. Das gesamte Wahlverfahren muss laut Landratsamt wiederholt werden.
Auch für die Gemeinderatswahl wird es eine Nachwahl geben, allerdings nur für die Briefwahl, ohne das gesamte Verfahren zu wiederholen. "Hierdurch werden die Personen, welche einen Wahlschein beantragt hatten, die Möglichkeit der erneuten Stimmabgabe haben", heißt es in einer Pressemeldung vom Landratsamt.
Die Kreistagswahl muss ebenfalls zum Teil wiederholt werden: Wie die Regierung von Unterfranken mitteilt, ist eine Nachwahl im Briefwahlstimmbezirk der Gemeinde Wülfershausen notwendig. Bei der Landratswahl gibt es keine Änderungen. Nach aktuellem Ermittlungsstand sei hier nicht von einer Manipulation der Landratswahl auszugehen.
In Geiselhöring, einer Gemeinde im Landkreis Straubing-Bogen, hatte es bei den Kommunalwahlen im Jahr 2014 einen ähnlichen Fall gegeben. Dort musste die Kreistagswahl wiederholt werden, der gesamte Landkreis musste neu wählen. Im Landkreis Rhön-Grabfeld steht das nicht zur Debatte.
Zeitpunkt für Neuwahlen noch unbekannt
Der Zeitpunkt der Neu- beziehungsweise Nachwahlen wird noch festgesetzt werden, teilt das Landratsamt Rhön-Grabfeld mit. Sollte die Neuwahl nicht bis zum 1. Mai 2026 abgeschlossen sein, wird ein Beauftragter die Amtsgeschäfte übernehmen. Bis zum 30. April 2026 wird die Amtsgeschäfte der Zweite Bürgermeister führen.
Für das Amt des Ersten Bürgermeister sucht die Gemeinde nun neue Kandidaten. Bei der Wahl am 8. März war Wolfgang Seifert ohne Gegenkandidaten angetreten.
Neben dem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Schweinfurt wird das Landratsamt Rhön-Grabfeld gegen Wolfgang Seifert auch ein Disziplinarverfahren einleiten.
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
Am Montag war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Schweinfurt wegen des Verdachts der Wahlfälschung bei den Kommunalwahlen am 8. März gegen den Ersten Bürgermeister der Gemeinde Wülfershausen an der Saale ermittelt. Am vergangenen Freitag habe es in diesem Zusammenhang Durchsuchungen in Wohn- und Amtsräumen in Wülfershausen gegeben. Am Mittwoch gab die Staatsanwaltschaft dann bekannt, dass Seifert den Betrug am Vortag gestanden hatte.
Bei einer ausführlichen Vernehmung durch die Oberstaatsanwältin und Beamte der Kripo Schweinfurt soll er eingeräumt haben, Briefwahlunterlagen geöffnet und jeweils mehrere Stimmzettel zu der Gemeinderatswahl, der Wahl zum Ersten Bürgermeister und der Kreistagswahl verfälscht zu haben. Anschließend habe er die Wahlumschläge wieder verschlossen oder durch von der Gemeinde vorgehaltene Ersatzumschläge ausgetauscht, heißt es. Wie viele Stimmzettel er so verfälscht haben soll, ist noch unklar.
Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen das Briefwahlteam von Wülfershausen. Dem Team fiel auf, dass bei mehreren Stimmzetteln Namen mit derselben Handschrift eingetragen wurden. Das hat der Wahlleiter aus der Gemeinde BR24 bestätigt. Seinen Verdacht meldete er beim Landratsamt, welches die Unterlagen laut Landrat Thomas Habermann überprüfte und die Staatsanwaltschaft einschaltete. Bei einer Verurteilung wegen Wahlfälschung drohen Wolfgang Seifert bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.
Nach Wahl: Seifert spricht von "Antikampagne"
Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 hatte Wolfgang Seifert (CSU) die Wahl nur knapp für sich entschieden: Er erhielt insgesamt 472 Stimmen, das entspricht 51,2 Prozent. Einen Gegenkandidaten oder eine Gegenkandidatin gab es nicht. Stattdessen haben 449 Stimmberechtigte viele andere Namen auf ihre Stimmzettel geschrieben. Neben Wolfgang Seifert haben 54 weitere Personen Stimmen bei der Bürgermeisterwahl erhalten. Eine Person hat sogar 247 Stimmen bekommen. In der Main-Post [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt] hatte Wolfgang Seifert das Wahlergebnis direkt nach der Wahl mit einer "Antikampagne" gegen sich in Wülfershausen begründet. Auf die Inhalte dieser "Antikampagne" ist er jedoch nicht weiter eingegangen.
Was bei dem Wahlergebnis auch auffällt: Die Wahl ist in den Ortsteilen Wülfershausen und Eichenhausen ganz unterschiedlich ausgefallen. In Wülfershausen hat Seifert 37,3 Prozent der Stimmen erhalten, in Eichenhausen, wo Seifert wohnt, waren es 79,3 Prozent. Auf eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks hat der CSU-Politiker bisher nicht reagiert.
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